Dirigentin Inga Hilsberg führt Chor und Orchester zusammen

19. August 2019
Fulda

Die Letzten werden die Schnellsten sein. Zum Finale der Reihe „Boni-Talk am Boni-Platz“ treffen wir Inga Hilsberg. Sie ist für die „komplette musikalische Abfolge des Musicals“ zuständig, wie sie sagt. Und an dem engen Zeitfenster, das sie für unser Gespräch hat, wird überdeutlich, dass bis zur Premiere nicht mehr viel Zeit bleibt. Also keine Zeit verlieren – sechster Teil unseres „Boni-Talks“.

Sie ist die Herrin über 178 Männer und Frauen. Der Konzertchor für „Bonifatius“ besteht aus 130 Sängerinnen und Sängern, deren Kern die Winfridia bildet, das Orchester aus 48 Musikerinnen und Musikern. Es sind die Kölner Symphoniker, oder besser „ihre“ Kölner Symphoniker. Inga Hilsberg, 1972 in Berlin geboren, ist nämlich deren Chefdirigentin und nun zuständig dafür, dass alle Musizierende klanglich und überhaupt zusammenkommen.

Als wir zusammensitzen, regnet es leicht. Das Wetter, sagt sie, wird kommende Woche wohl auch die größte Herausforderung werden. Nicht unbedingt der Regen, wenn er denn käme, denn das Orchester sitzt unter einem Dach. „Nur wenn er schräg von der Seite einfällt, werden die Instrumente nass.“ Aber eine hohe Luftfeuchtigkeit sei Gift für – beispielsweise – Geigenbögen, deren Saiten dann nicht mehr richtig gespannt werden könnten. „Die sind oft aus Pferdehaar, und das Material reagiert.“

Alle sind schwarz gekleidet

Und zu kalt dürfe es auch nicht sein. „Es gibt Orchester, die spielen bei unter 15 Grad nicht mehr“, erklärt Hilsberg. „Wir haben unsere Grenze bei 10 Grad erreicht.“ Nicht nur, dass die Finger dann klamm und steif würden. Ist etwa ein Holzblasinstrument stark runtergekühlt „und der Musiker bläst dann Luft mit seiner Körpertemperatur hinein“, kann sich wohl jeder Laie vorstellen, wie suboptimal das dann ist. Und was ist die Obergrenze? Da ist Inga Hilsberg entspannt: „Die werden wir kommende Woche nicht erreichen.“ Dennoch: Wenn die Welt untergeht, gibt es einen Plan B? „Den gibt es immer“, sagt sie. „Dann spielt ,nur‘ eine völlig im Trockenen sitzende Band. Grundsätzlich gilt für uns: Der Vorhang geht auf.“

Keine Frage, ihr Orchester ist Open-Air-erprobt, auch was die Kleidung betrifft. Zwiebellook ist angesagt. Nebenbei: Alle werden komplett schwarz gekleidet sein, auch der Chor. Von der Bühne werden sie nicht ablenken. Mehr noch: „Die Sänger haben so gut geprobt und kennen alle Texte auswendig, brauchen also kein Licht. Das wird irre, wenn der Chor aus der Dunkelheit heraus erklingt“, freut Hilsberg sich.

Über eine Freundin kam Kontakt zustande

Der Kontakt zu spotlight kam über eine Freundin aus der Region zustande. Diese hatte die Dirigentin dazu „angestiftet“, sich einmal eines der Musicals anzusehen. Es war die Uraufführung von „Der Medicus“. Hilsberg erinnert sich noch genau: „Eine tolle Show. Aber ich dachte damals schon, dass der letzte Kniff fehlt: Livemusik.“ Sie lernte Produzent Peter Scholz und Komponist Dennis Martin kennen, sie blieben in Kontakt und arbeiteten unlängst zusammen. Denn „Der Medicus“ wurde in München mit Orchester gespielt – den Kölnern von Inga Hilsberg. Und von da bis hin zu „Bonifatius“ war der Weg nicht mehr weit.

Vor dem Dom wird das Orchester auf der einen und der Chor auf der anderen Seite der Bühne platziert. Wie will sie das dirigieren? „Über meinen musikalischen Assistenten, den Chorleiter Carsten Rupp. Er ist mein Spiegeldirigent, hat mich als Knopf im Ohr und wiederholt exakt das, was ich mache.“

„Die Donareiche“ als Lieblingslied

Die Proben im Marianum sind beendet, die Bühne dort wird abgebaut und dann vor dem Dom wieder errichtet. „Es wird spannend, wie alles an diesem Ort klingen wird“, sagt Hilsberg. Denn die Technik könne ja nicht an anderer Stelle einfach ausprobiert werden. „Die Akustik wird nochmal eine Herausforderung, aber ich bin zuversichtlich, das alles ganz toll wird.“ Deswegen müssen vor Ort alle Rädchen ineinander greifen, „und ich bin nur ein kleines dieser Rädchen“.

Ob sie ein Lieblingslied aus „Bonifatius“ hat? „Die Donareiche“, schießt es aus ihr heraus. „Wenn die heidnischen Trommeln ertönen, das ist unglaublich.“

Die Kölner Symphoniker kenne viele herrliche Open-Air-Areale. Kann der Fuldaer Dom da mithalten? Inga Hilsberg denkt nicht lange nach: „So eine schöne Kulisse hatten wir noch nie.“ Sagt’s und flitzt wieder zur Probe zurück. Der 22. August ist nah.