Drei Tote im Fall Wilke – Foodwatch scheitert mit Eilantrag

11. Oktober 2019
Korbach/Berlin/Kassel

Wie viele Menschen sind durch Keime in Wilke-Wurst gestorben? Die Antwort ist kompliziert, auch weil unterschiedlichste Labore an der Untersuchung beteiligt sind. Unterdessen räumen Behörden in Nordhessen einen Irrtum ein.

Die Zahl der Todesfälle durch Listerienkeime im Fall des nordhessischen Wurstherstellers Wilke hat sich auf drei erhöht. Dies geht aus einem Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor. Demnach starben 2018 drei Menschen aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt an einer Infektionen mit dem Listerienstamm Sigma1. Durch die Untersuchung des RKI und einen Abgleich des Bundesinstituts für Risikobewertung „konnte ein Zusammenhang von Sigma1 zu Wilke bestätigt werden“, sagte eine Sprecherin des hessischen Verbraucherschutzministeriums. Der Keimstamm wurde bei den Patienten und in Wilke-Produkten nachgewiesen.

Bisher zwei Todesfälle bekannt

Vor über einer Woche hatten hessische Behörden den Wurstproduzenten Wilke in Twistetal-Berndorf geschlossen. 37 Krankheitsfälle und zwei Todesfälle wurden zu diesem Zeitpunkt mit Wilke-Produkten in Verbindung gebracht. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer. Immer wieder waren Keime im Fleisch gefunden worden. Listerien können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Die Todesfälle, erklärte der Landkreis Waldeck-Frankenberg, habe es in Südhessen gegeben.

Bundesweit 14 Todesfälle im Zusammenhang mit Stigma1

Doch ein neuer Bericht des RKI widersprach dem: Dort werden bundesweit 14 Todesfälle mit Sigma1 in Verbindung gebracht – keiner davon in Hessen. In drei Fällen wurde die Listeriose als Todesursache gemeldet. Deshalb korrigierte am Freitag das Land seine Einschätzung: „Seit gestern wissen wir drei Todesfälle“, sagte Verbraucherschutzministerin Priska Hinz (Grüne).

Keine hessischen Opfer

Was für Verwirrung sorgte: Die Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts war nicht aktuell. Dem RKI lagen mittlerweile doch Berichte zu zwei Todesfällen aus Hessen vor. Bei denen hatten die Opfer zwar Listeriose, starben aber an anderen Erkrankungen, wie eine RKI-Sprecherin erklärte. Es gibt damit weiterhin keine Sigma1-Todesopfer in Hessen. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg räumte den Irrtum ein. Die damals vorliegenden Informationen hätten den Schluss zugelassen, dass die Todesfälle sich in Hessen zugetragen hätten. Das war aber falsch.

Bericht in 14 Tagen

Verbraucherschutzministerin Hinz erwartet von der Behörde eine baldige Aufklärung der Vorgänge im Fall Wilke: „Natürlich werden wir dem Landkreis eine Frist setzen“, sagte sie. Man erwarte in den nächsten 14 Tagen einen Bericht. Land und Kreis sehen sich Vorwürfen ausgesetzt, nicht schnell genug gehandelt zu haben.

Hat der Kreis geschlampt?

Nach Angaben des Verbraucherschutzministeriums gab es ab dem 5. September Anweisungen für eine grundlegende Desinfektion in dem Betrieb und eine Reinigung der Schneidegeräte. Das Ministerium habe erst am 16. September von dem Zusammenhang der Listerienfunde mit Krankheits- und Todesfällen erfahren. Ab dem 20. September hätten von jedem Produkt Proben genommen werden müssen. Geschlossen wurde die Firma Wilke erst am 2. Oktober.

Ob da beim Kreis geschlampt worden sei oder nicht, könne sie noch nicht sagen. „Das maße ich mir nicht an“, sagte Hinz. Sie forderte aber erneut mehr Befugnisse des Landes. In diesem Fall habe man den Landkreis nur bitten können. „Wir haben auf eine Schließungsverfügung gedrungen“, sagte Hinz. Letzten Endes zuständig sei aber der Kreis.

Foodwatch scheitert mit Eilantrag

Größter Kritiker der hessischen Behörden ist die Verbraucherorganisation Foodwatch. Die erlitt am Freitag aber eine Niederlage: Das Verwaltungsgericht Kassel lehnte einen Eilantrag von Foodwatch ab, mit dem die Organisation Informationen über die Wege von Wilke-Produkten in den Handel erzwingen wollte. Foodwatch habe keinen Anspruch auf die Informationen – die zudem den Behörden gar nicht vorlägen, so die Richter. Die Entscheidung zeigt nach Ansicht von Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker: „Die Gesetze sind nicht ausreichend, um die Menschen wirksam vor Gesundheitsgefahren zu schützen.“