Eine Nacht lang Bildung feiern – 100. Geburtstag der VHS

20. September 2019
Fulda

Ob die Volkshochschule (VHS) im Landkreis Fulda genau oder nur fast 100 Jahre alt ist, kann man nicht genau sagen. Trotzdem wurde am Freitagabend der runde Geburtstag gefeiert – mit einer Langen Nacht der Volkshochschule.

Von unserem Redaktionsmitglied Lea Marie Kläsener

„Gäbe es die Volkshochschulen nicht, dann müsste man sie heute gründen“, sagte Michael Friedrich, Leiter der Volkshochschule des Landkreis Fulda. Die Volkshochschule sei „ein Ort der Freude, des Lachens und heute ein Ort des Feierns“.

Darüber hinaus nannte er Volkshochschulen „Seismografen für bildungspolitische Entwicklungen“. Die letzten fünf Jahre seien beispielsweise durch die Vermittlung von Deutschkenntnissen an Menschen geprägt gewesen, die neu nach Deutschland gekommen sind.

Exkurs in die Geschichte der VHS

Vor allem an die beiden anwesenden Landtagsabgeordneten Markus Meysner (CDU) und Silvia Brünnel (Grüne) gerichtet, wurde Friedrich zwei Anliegen los. Er sprach sich dafür aus, dass Volkshochschulen von der Umsatzsteuer befreit bleiben und das Land Hessen die Pro-Kopf-Förderung der VHS erhöhe.

Einen Exkurs in die Geschichte der Volkshochschulen –und in die aus der Region Fulda – machte Dr. Christoph Köck, Direktor des Hessischen Volkshochschulverbandes. Früher seien Menschen durch die Dörfer gezogen und hätten Vorträge gehalten, „da kam fast das ganze Dorf“. Dabei seien die Volkshochschulen immer am Puls der Zeit gewesen.

Analoges Programmheft als erste abgeschafft

Köck zeigte ein Programm der Fuldaer VHS aus dem Jahr 1979, das Themen wie „Energie sparen, Wärmedämmung und Solarenergie“ ankündigte. „Themen, mit denen sich am heutigen Tag die Regierungskoalition in Berlin beschäftigt hat.“

Eine Besonderheit habe die Volkshochschule des Landkreises Fulda, erzählte Köck. „Sie hat als erste das analoge Programmheft abgeschafft“ – und trotzdem seien die Buchungszahlen nicht zurückgegangen.

Prinzip der Vielfalt leben

„Die Volkshochschule ist eine offene Institution“, sagte Köck. Sie lebe das Prinzip Vielfalt. „Durch Verschiedenheit entwickeln wir uns weiter.“ In Hessen könne man zum Beispiel 70 Sprachen lernen. Dabei soll die VHS ein „Ort der Begegnung“ sein, an dem Menschen zusammentreffen.

„Ein Bildungsangebot für alle, für jeden von uns“, nannte Landrat Bernd Woide (CDU) die Volkshochschulen. Er nahm Bezug auf das Grundgesetz, das einen „mündigen Bürger voraussetzt“. Das wiederum setze Bildung voraus. „Bildung ist der Anker, der uns befähigt, Mensch zu sein“, sagte er.

Verschiedene Schnupperkurse

Die VHS des Landkreises sei eine Volkshochschule im ländlichen Raum. „Wir haben den Auftrag, Bildung dorthin zu bringen. Das macht uns aus.“ Besonders bedankte sich Woide bei allen ehrenamtlichen Dozenten. „Sie müssen für den Gedanken der Volkshochschule brennen.“ Sie bestimmten die Qualität der VHS.

Musikalisch umrahmte das Saxophon-Quintett „Sax and more“ unter der Leitung von Willy Genßler den Festakt.

Im Anschluss begann die Lange Nacht der Volkshochschule, bei der Besucher in verschiedene Kurse schnuppern konnten. Auf dem Programm standen neben Kalligrafie, Fingerfood und Jonglieren auch 3D-Druck und Virtual Reality Brillen. Bis Mitternacht konnten Besucher durch die Kurse stöbern.