Ermittler arbeiten fast 200 Hinweise im Fall Lübcke ab

12. Juni 2019
Kassel

Der Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke (CDU) beschäftigt ganz Deutschland. Überregionale Zeitungen berichten vom Fortgang der Ermittlungen. Am Wochenende wurde ein Mann in Gewahrsam genommen, befragt und wieder freigelassen. Zum Fall sind insgesamt 187 Hinweise bei der Polizei eingegangen.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

Fakten sammeln – vor allem in den wichtigen ersten Tagen kurz nach dem Verbrechen – das hat für die Sonderkommission „Liemecke“, die im Tötungsfall Lübcke ermittelt, Priorität.

Um einen wichtigen Zeugen zu befragen, haben die Ermittler am Samstag sogar eine Fähre im Bereich Harlesiel in Niedersachsen evakuieren lassen. „Die Passagiere waren bereits auf dem Schiff, wir haben sie daraufhin aufgefordert, sich an einem Sammelpunkt an Land zu treffen. Dort nahmen wir den gesuchten Mann in Gewahrsam, brachten ihn nach Kassel und befragten ihn dort“, erklärt Christoph Schulte vom Hessischen Landeskriminalamt auf Nachfrage unserer Zeitung.

Ermittlungen in alle Richtungen

„Bei einem Diebstahl würden wir so etwas vielleicht nicht machen. Aber bei einem Kapitalverbrechen schon. Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagt Schulte.

In den frühen Morgenstunden des Sonntags sei der Mann wieder entlassen worden. Für eine Tatbeteiligung habe es keine Anhaltspunkte gegeben. Zu Spekulationen, um wen es sich dabei handelt und in welcher Beziehung die aufgegriffene Person zu Lübcke stand, möchte sich Schulte nicht äußern. Vor allem, um nicht den Eindruck einer Vorverurteilung zu erwecken, die den Ermittlungen und vor allem dem Betroffenen schaden würde.

187 Anhaltspunkte

„Wir haben als Polizei die Aufgabe, Personen zu schützen. Das heißt auch, dass wir niemanden den Medien zum Fraß vorwerfen. Wir wollen den Sachverhalt sauber aufklären. Und da kann ich nur raten, sich an Spekulationen, die von Zeitungen mit großen Buchstaben in die Welt gesetzt werden, nicht zu beteiligen“, sagt Schulte.

Das Hinweistelefon werde gut angenommen. Insgesamt seien bislang 187 Anhaltspunkte eingegangen. Das sei für die Größe des Bereichs im Wolfhagener Stadtteil Istha viel. Dort wurde Lübcke im Garten seines Wohnhauses in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni getötet. Zur selben Zeit fand ganz in der Nähe eine Kirmes statt. „Wir wollen den Fall aufklären, und die 50 Kollegen der Sonderkommission arbeiten zum Teil rund um die Uhr“, sagt Schulte.

Daniel Muth leitet Sonderkommission

Geleitet wird die Sonderkommission Liemecke von einem Fuldaer: Kriminaldirektor Daniel Muth, Chef der Fuldaer Kriminalpolizei, hat die Ermittlungen übernommen. Hierfür ist er zum hessischen Landeskriminalamt abberufen worden.

Weiterhin bittet die Polizei um Hinweise von Zeugen unter der Rufnummer (05 61) 9 10 44 44 oder per Mail an wolfhagen@polizeihinweise.de.

Fall Lübcke: LKA bestätigt SEK-Einsatz

Im Fall des verstorbenen Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben sich LKA und Staatsanwaltschaft am Dienstag zu Wort gemeldet und einen SEK-Einsatz in Niedersachsen in Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt bestätigt.