Fast zehn Jahre nach Bahnunglück: Landgericht stellt Sophia-Prozess endgültig ein

15. Januar 2020
Neuhof/Fulda

Fast zehn Jahre nach dem tödlichen Bahnunglück in Neuhof, bei dem die 16 Jahre alte Schülerin Sophia von einem eisglatten Bahnsteig vor einen einfahrenden Zug gerutscht war, hat das Landgericht Fulda jetzt das Strafverfahren endgültig abgeschlossen.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Ende Oktober hatte das Gericht das Verfahren vorläufig eingestellt. Voraussetzung für die endgültige Einstellung war, dass die vier Angeklagten eine Geldauflage erfüllen: Der Chef der Winterdienst-Firma musste 3600 Euro, die drei Bahn-Mitarbeiter mussten jeweils 1200 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen. Bis Mitte Dezember hatten die Angeklagten ihre Geldauflagen erfüllt.

Endgültiger Schlussstrich

Nun hat die Erste Strafkammer das Strafverfahren endgültig eingestellt, berichtete Gerichtssprecher Patrick Krug am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung. Das ist der endgültige Schlussstrich unter ein Strafverfahren, das sich über fast zehn Jahre hinzog.

In seiner Einstellungsverfügung im Oktober erklärte der Vorsitzende Richter, die Verhandlung habe hinreichende Hinweise ergeben, dass der Bahnsteig nicht ausreichend geräumt und gestreut gewesen sei. Dabei gerade ein baufälliger und vielen Schülern benutzter Bahnsteig wie in Neuhof besonders intensiv kontrolliert werden müssen. Das sei offenbar nicht erfolgt.

Frage des Schadensersatzes ungeklärt

Dass das Verfahren überhaupt stattfand, hatte Sophias Mutter Verena Heil-Ruppel erkämpft. „Ich habe einige Zeit gebraucht, um zu begreifen, wie viel bei der Bahn im Februar 2010 schief gelaufen ist“, sagte sie am Montag unserer Zeitung. Über viele – aus ihrer Sicht offenbar unzutreffende – Zeugenaussagen habe sie sich geärgert, aber insgesamt sei sie für die gerichtliche Klärung sehr dankbar: „Ich weiß, dass ich alles für die Aufklärung des Unfalls getan habe, was möglich war. Mit dem Ende der Verhandlung ist eine Last von mir gefallen.“

Noch nicht geklärt ist allerdings die Frage des Schadensersatzes, den die Bahn ihr zahlen muss. Sollten sich Bahn und Mutter nicht einigen, wird die Frage die Gerichte beschäftigen – dann allerdings die Zivilgerichte.

Nach Ende des Sophia-Prozesses: Mutter fordert Schadensersatz

„Wir haben die Deutsche Bahn nach dem Unglück aufgefordert, dass sie für die Folgen haftet und beispielsweise die Kosten der Beisetzung übernimmt", berichtet Rudolf Karras, der Rechtsanwalt von Sophia Mutter Verena Heil-Ruppel. „Wir wurden uns mit der Bahn nicht einig, haben uns aber darauf verständigt, dass wir die Verjährung der Forderungen aussetzen und wir wieder verhandeln, wenn der Strafprozess abgeschlossen ist", berichtet Karras.

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