Fulda 1900 - 1910: Bauboom und Dom in Flammen

21. Februar 2016
Fulda

Das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts war in Fulda eine Zeit des Aufbruchs: Die Bevölkerung wuchs im Rekordtempo, an vielen Orten der Barockstadt entstanden neue Gebäude. Auf dem Kaiserplatz (heutiger Universitätsplatz) wurde eine große Statue zu Ehren Kaiser Friedrichs III. enthüllt, und ein Turm des Fuldaer Doms stand wegen eines Feuerwerks in Flammen.

Von unserem Redaktionsmitglied Stefan Schoder

Zeit des Aufbruchs: Von 1900–1910 veränderte sich das Stadtbild Fuldas grundlegend. In nur einem Jahrzehnt wuchs die Bevölkerung von rund 17.000 Einwohnern um ein Drittel – ein Bauboom setzte in Fulda ein. „Sie streift die Hülle der kleinen Stadt von sich ab und entwickelt sich allmählich, aber stetig fortschreitend zu einem kräftigen mittleren Gemeindewesen“, schrieb Oberbürgermeister Dr. Georg Antoni im Verwaltungsbericht 1901–1905. Viele wollten ihr eigenes Heim, und so verdreifachte sich die Zahl der Häuser in der Barockstadt.

Friedrichstraße

Blick
Blick von der Stadtpfarrkirche in die Friedrichstraße (1906). / Foto: Stadtarchiv Fulda, Bildarchiv, Foto: Julius Cäsar

Die wenigsten Fuldaer waren motorisiert, durch die Friedrichstraße kurvten Kutschen. Im 19. Jahrhundert hatte die Straße noch den Namen Schmiedegasse (Schmiedsgasse) getragen, da es hier viele Huf- und Wagenschmiede gab. Den neuen Namen bekam sie vom letzten hessischen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm I. (1847–66).

Kaiser-Friedrich-Denkmal auf heutigem Uniplatz

Einweihungsfeier
Großes Hurra: Kaiser-Friedrich-Denkmal wird feierlich enthüllt. / Foto: Stadtarchiv Fulda, Bildarchiv, Fotograf: Knauff, H.: Fulda

Zu Ehren von Kaiser Friedrich III. wurde 1905 auf dem Kaiserplatz (heute: Universitätsplatz) ein Denkmal enthüllt. Die große Statue prägte in den kommenden Jahrzehnten das Stadtbild und überdauerte sogar den Ersten Weltkrieg. Die Nazis überstand die Statue aber nicht: Während des Zweiten Weltkriegs schmolzen sie das Denkmal ein.

Turm des Doms brennt

Dom
Fuldaer Dom nach dem großen Feuer. / Foto: Stadtarchiv Fulda, Bildarchiv, Foto: Julius Cäsar

Neben der Einweihung des Kaiser-Friedrich-Denkmals gab es im Jahr 1905 ein weiteres Highlight in Fulda. Das Bonifatius-Jubiläum wurde mit einem großen Feuerwerk gefeiert. Dies endete jedoch in einem Desaster: In der Nacht vom 4. auf den 5. Juni geriet ein Domturm wegen des Feuerwerks in Brand. Es entstand eine solche Hitze, dass zwei Glocken (Osanna und Bonifatius) schmolzen. Aus dem Erz der beiden wurden im Jahr 1908 eine neue Glocke für den Dom gegossen: Osanna-Bonifatius.

Fulda wird Knotenpunkt

Fuldaer
Fuldaer Bahnhof im Jahr 1905. / Foto: Stadtarchiv Fulda, Bildarchiv, Foto: Julius Cäsar

Das Rückgrat der Fuldaer Wirtschaft war zur Jahrhundertwende die Eisenbahn. Durch den Ausbau des Netzes wurde die Barockstadt zum Drehkreuz. Viele Einwohner fanden durch die Eisenbahn Arbeit. Im Jahr 1906 gab es rund 450 Mitarbeiter in den Bahnwerkstätten, und 200 Menschen waren in Fulda als Beamte der Bahn angestellt.

Wenig Arbeitslose

Gewerbeausstellung

Gewerbeausstellung im Schlossgarten (1905). / Foto: Stadtarchiv Fulda, Bildarchiv, Foto: Julius Cäsar

Der Bauboom in Fulda sorgte für einen entspannten Arbeitsmarkt. Einige Unternehmen, die dem heimischen Handwerk entstammten, schafften den Sprung in die industrielle Massenproduktion. Die Textilfirma Mehler war viele Jahrzehnte der wichtigste Arbeitgeber. Bei dem Stanz- und Emaillierwerk arbeiteten 1900 rund 600 Menschen. Die Gummiwerke wurden im selben Jahr gegründet. Sie profitierten besonders von der Verkehrslage Fuldas.

Erster Bohrturm

Erster
Erster Bohrturm des Kaliwerks Neuhof-Ellers. / Foto: Stadtarchiv Fulda, Bildarchiv, Foto: unbekannt

Viele Menschen fanden Arbeit im Kaliwerk Neuhof-Ellers. Die Kalibohrgesellschaft Neuhof (ab Dezember 1905 Gewerkschaft Neuhof) war 1905 gegründet worden. Vier Jahre später hatten Arbeiter einen Förderschacht mit einer Tiefe von 557 Meter geschaffen.

Auf ein Bier in der Windmühle

Gasthaus

Gasthaus „Zur Windmühle“ im Jahr 1903. / Foto: Stadtarchiv Fulda, Bildarchiv, Foto: Julius Cäsar

Wer viel arbeitet, verdient auch eine Auszeit. Vor mehr als 100 Jahren gingen die Fuldaer auch schon in das Gasthaus „Zur Windmühle“.

Mehr historische Aufnahmen von Fulda und Umgebung gibt es auf dem Online-Auftritt des Stadtarchivs:Online Recherche: Stadt Fulda