Geschäftsführer Mark Toschek verlässt die Eika

/ Zukunft ungewiss

15. März 2014
fulda

Mit der ersten Insolvenz der Eika im Jahr 2008 wurde Mark Toschek (43) Geschäftsführer der Kerzenmanufaktur. Ende 2012 erlebte er die nächste Krise des Fuldaer Unternehmens – behielt jedoch auch nach der Übernahme durch die niederländische Bolsius-Gruppe seinen Posten. Gestern wurde er von Eigentümer Vincent Kristen (51) verabschiedet. Zur üppigen Feier waren alle Mitarbeiter eingeladen. Ihre Zukunft ist noch nicht gesichert.

Die Stimmung im ersten Stock des Backsteingebäudes ist gut, der Ton familiär, der Anlass für etliche traurig. Allen voran wohl für Mark Toschek. "Noch nie habe ich etwas so lange gemacht", sagt der 43 Jahre alte Geschäftsführer und fährt fort: "Neben meiner Familie war Eika alles für mich." Jetzt geht er nach Berlin und freut sich darauf, nun mit seiner Familie zusammen zu leben. Seine Aufgaben bei der Eika übernimmt jetzt Günter Sczesny, Deutschlandchef des Kerzenherstellers Bolsius, von Essen aus.

Leicht fällt Toschek der Abschied nicht. "Ich habe mich in Fulda sehr wohl gefühlt", sagt er. Allerdings hat er hier auch mindestens kritische Zeiten erlebt. Um ziemlich viel Geld ging es lange vor Gericht: Ein Millionendeal, der 2008 den Kauf der insolventen Eika durch Mark Toschek und seinen Geschäftspartner Peter Rasenberger mitfinanzierte, hatte die Eika Ende 2012 erneut in die Insolvenz getrieben. Über 15 Millionen Euro sollen aus dem Fonds ACI Real Estate in die Eika geflossen sein, der beispielsweise den Boris-Becker-Tower in Dubai bauen wollte.

Der Mann dahinter – Robin Lohmann aus Gütersloh – fiel damit jedoch auf die Nase und forderte schon Ende 2008 das Geld von der Eika zurück. Toschek und Rasenberger zahlten nicht, zumal Lohmann von Anlegern juristisch angegangen wurde, die sich beim Dubai-Geschäft massiv betrogen fühlten.

Doch im November 2012 gab das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt Robin Lohmann Recht: Eika müsse zahlen. Und zwar sofort. Damit war die nächste Insolvenz der Eika besiegelt, und Bolsius erwarb das Unternehmen im April 2013.

Toschek hatte damals wegen des OLG-Urteils den Bundesgerichtshof angerufen. Doch dieser bestätigte jetzt das Urteil und damit Lohmanns Millionenforderung, wie Toschek just vorgestern erfahren hat. Das betrifft wohl weder den 43-Jährigen persönlich noch die heutige "Bolsius-Eika". Denn die Forderung von ACI/Lohmann fällt zeitlich und fachlich in die Zuständigkeit der Insolvenzverwalterin Sandra Mitter. Sie wird prüfen, ob die Ansprüche vor- oder nachrangig sind – und wieviel Geld vom Verkauf an Bolsius überhaupt übrig ist. Und Lohmanns Anzeige wegen Insolvenzverschleppung schreckt Toschek ebenfalls nicht. Er erwartet die Einstellung des Ermittlungsverfahrens, das momentan in Fulda läuft.

Für die knapp 100 Mitarbeiter der Eika sind diese Themen sicher weniger von Belang. Sie haben von Bolsius noch eine Standortgarantie bis April 2015. Wie die Zukunft aussieht, vermag auch Eigentümer Vincent Kristen nicht zu sagen. Er führt den niederländischen Kerzenhersteller in der vierten Generation. "Ich hab keine Glaskugel", sagt er. "Aber Eika ist eine A-Marke, und wir investieren auch am Standort Fulda. Wir gehen davon aus, dass es hier weitergeht."