Gil Yaron schildert 200 Zehntklässlern das Leben in Israel

03. Oktober 2013
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Fulda

Es waren zwei ganz besondere Schulstunden, die die etwa 200 Schüler der zehnten Klassen der Steinschule, des Domgymnasiums, der Marienschule, der Winfriedschule, des Marianums, der Hünfelder Wigbertschule und der Hilderser Ulstertalschule erlebten. Gil Yaron, Nahostkorrespondent unserer Zeitung, berichtete über das tägliche Leben der Menschen, besonders der Jugendlichen, in Israel.

Der lang anhaltende Applaus am Ende seiner Schilderungen bewies, dass die Ausführungen bei den 15- bis 17-jährigen Schülern toll angekommen sind. "Ich fand gut, dass man Dinge über Israel erfahren hat, die auch für uns Jugendliche interessant waren. Wir bekamen Einblicke, die man in den Nachrichtensendungen nicht bekommt. Dort geht es meist um Konflikte. Wir haben ein ganz anderes Israel kennengelernt", erklären Lukas Dörr und Sascha Dietrich von der Wigbertschule in Hünfeld.

Der Nahost-Konflikt ist Teil des Alltags für alle Bürger – auch für die Jugendlichen. Deshalb ist die Sicherheit eines der Themen, das die Israelis am meisten beschäftigt, erklärte Gil Yaron. Direkte Nachbarn sind unter anderem Syrien und Ägypten, in denen es zurzeit Konflikte und Bürgerkriege gibt. "Die Schüler wissen genau, wo der nächste Bunker auf dem Weg zur Schule ist, um im Ernstfall möglichst schnell in Sicherheit zu sein." Kürzlich seien Gasmasken ausgegeben worden, nachdem es zu dem Giftgasangriff in Syrien gekommen ist. "Für die Schüler ist das normal. Ausdruck dessen ist die Tatsache, dass sie die Gasmasken bunt anmalen", erzählt der Experte.

"Die Menschen, auch die Jugendlichen, leben mit dieser ständigen Gefahr", erklärte Yaron. Und so gehören Waffen in Israel zur Normalität – ob beim Shoppen oder beim Kinobesuch. Über ein Gewehr auf der Straße rege sich niemand auf. Denn es diene dem Schutz der Bürger. Auch die ständigen Kontrollen vor Cafés oder Einkaufsläden sind laut Yaron an der Tagesordnung.

Auch der Dienst in der Armee gehört zu den Pflichten vieler Israelis. Die Schüler werden schon frühzeitig darauf vorbereitet. "Viele in eurem Alter machen schon Kurse mit, um in eine Elite-Einheit zu kommen", berichtet Yaron. "Begehrt ist die Ausbildung zum Computer-Hacker." In der Armee erhielten die jungen Menschen eine so gute Ausbildung, dass nach Beendigung der dreijährigen Armee-Zeit die Firmen schon Schlange stünden, um die Experten einzustellen.

Junge Frauen gehören zum Alltag in der Armee. Sie müssten allerdings nur zwei Jahre dienen. Es gebe mittlerweile Bataillone, die nur aus Frauen bestehen, erklärt Yaron. Bis zum 45. Lebensjahr müssen die Israelis regelmäßig als Reservisten zu Übungen. Da könne es in Alarmfällen vorkommen, dass sie alles stehen und liegen lassen, damit sie in einer Stunde zum Einsatz ausrücken können. "Dies prägt die Gesellschaft, dieser Dienst in der Armee schweißt die Generationen zusammen."

"Zurzeit herrscht allerdings eine Phase relativer Ruhe", berichtet Yaron, weil die Nachbarländer mit sich selbst beschäftigt seien. Aber die aktuellen Entwicklungen in Ägypten und Syrien würden genau verfolgt.

Da die Gefahr von Konflikten ständig präsent sei, habe dies auch Auswirkungen auf das Denken der jungen Menschen. "Sie interessieren sich stark für Politik, vermutlich mehr als in Deutschland", schlussfolgert Yaron. Denn politische Entscheidungen der israelischen Politik hätten direkten Einfluss auf ihr Leben.

Ziel: eigene Firma gründen

Die jungen Menschen in Israel feiern gerne – genauso wie in Deutschland, erklärt er. Das Leben sei speziell in den größeren Städten bunt und vielfältig. Das liege auch daran, dass in Israel rund 100 Nationalitäten aus aller Herren Länder und von allen Kontinenten zusammenleben. Das Nachtleben in den Städten sei super und die Lebensfreude bei den jungen Menschen groß.

"Israel ist ein High-Tech-Land", erklärte Yaron. Es habe eine der höchsten Handy-Raten. Es gebe sehr viele High-Tech-Firmen und das Land ist laut Yaron eines der Zentren für Erfindungen in der Handy- und Computertechnologie. Deshalb träumen viele Jugendliche davon, ihr eigener Boss zu sein. Er nennt das Beispiel der Firma WAZE. Die jungen Gründer der Firma haben ein spezielles GPS-System entwickelt und es dann für 1,3 Milliarden Euro an Google verkauft. "Das sind Vorbilder." Ihnen werde nachgeeifert.

Die israelische Gesellschaft ist geprägt vom Judentum und von der westlichen Moderne, aber auch von anderen Religionen und Kulturen des Nahen Ostens. Nicht alle der Bewohner sind Juden. Etwa 20 Prozent machen die Araber aus. Die Zusammensetzung der Juden sei vielschichtig. Ausdruck dessen seien die ultra-orthodoxen Traditionalisten, die nur etwa sieben Prozent ausmachten, aber häufig im Blickpunkt stünden, weil sie schwer vermittelbare Positionen beziehen und sich für die strikte Einhaltung des Sabbats einsetzen. Die Hälfte der Juden seien aber nicht streng gläubig, sondern leben wie die meisten Deutschen.