„Gott allein garantiert die Würde der Schwachen“: Fuldaer Bischof predigt am Sonntag im Dom

25. März 2016
Fulda

„Wohin geht der Mensch, der sich von Gott verabschiedet hat? Wo landet eine Gesellschaft, die sich immer mehr von Werten und Grundsätzen trennt, die das christlich-jüdische Welt- und Menschenbild ihr geschenkt hat?“ Diese Fragen stellte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen in einem Pontifikalamt am Ostersonntag im Fuldaer Dom.

„Ich befürchte, der Mensch ohne Gott wird immer mehr sein eigenes Experiment. Alles wird ihm technisch machbar. Am Ende produziert dieser Mensch sich selbst.“ Der Oberhirte erinnerte daran, dass eine britische Wissenschaftlerin vor kurzem die Erlaubnis erhalten habe, das Erbgut menschlicher Embryonen gezielt zu verändern. Diese brisante Forschung sei eine „logische Voraussetzung für den nächsten Schritt der Medizin“, bei dem es möglich sein werde, das Erbgut von Lebewesen beliebig zu manipulieren.

Alles wird technisch produzierbar, am Ende gar der Mensch, der sich selbst produziert.“ Der Bischof beklagte die Tendenz einer Gesellschaft, die sich anschicke, nicht nur nach den Schwächen eines Menschen zu fahnden, sondern nach den Schwachen, um sie auszusondern. Die Auswahl zwischen „Wertvollen“ und „Unwerten“ sei weit unter der Würde des Menschen. „Gott allein garantiert die Würde der Schwachen ohne jedwede Bedingung.“

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Ohne Ostern und ohne die Auferstehung des Gekreuzigten und seinen Sieg über die Macht des Todes müssten die Menschen „im Hauch der Mächte des Todes ersticken“, betonte Algermissen. Die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten sei „unsere Perspektive und Zukunft“. Der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten sei das kostbarste den Menschen anvertraute Gut. „Es lässt uns menschenwürdig leben und einmal sterben in der Hoffnung, dass wir teilhaben am ewigen Osterfest“, hob Algermissen hervor. „Ohne den Gekreuzigten und Auferstandenen gliche unser Dasein einer Frage ohne Antwort und einem Weg ohne Ziel.“

Zu Beginn seiner Predigt hatte der Oberhirte auf die Bedeutung des durch die Auferstehung Jesu leeren Grabes hingewiesen, das in allen Osterberichten der Evangelien eine Bedeutung habe. Man müsse sich selbst fragen, ob einem der Glaube an die Auferstehung leichte fiele, wenn man damals selbst einen Blick in das leere Grab hätte werfen dürfen. Viele Bibelwissenschaftler hätten die Osterberichte eingehend untersucht. Sie seien zu dem Ergebnis gekommen, dass diese sich zwar in einzelnen Aussagen ein wenig widersprächen, sich aber gewichtige Gründe dafür anführen ließen, „dass die Überlieferung vom leeren Grab stimmt“.

Die Entdeckung des leeren Grabes durch Frauen könne nicht auf eine „Erfindung“ der Urkirche zurückgeführt werden, denn Frauen hätten damals nicht als zuverlässige Zeugen gegolten. Dass Frauen als erste die Botschaft vom leeren Grab überbrachten, sei sensationell gewesen. Selbst die Gegner der Urkirche hätten zudem nicht bestritten, dass das Grab leer gewesen war, sie hätten diese Tatsache lediglich anders gedeutet. Schließlich sei Maria von Magdala der Urkirche bekannt gewesen; Aussagen von ihr und über sie hätten somit überprüft werden können.

„Unser Leben ist österlich definiert.“

Bischof Algermissen unterstrich, dass die Tatsache des leeren Grabes allein noch nicht als Beweis für die Wahrheit der Auferstehung Jesu dienen könne. Der Glaube an den Auferstandenen entzünde sich nicht am leeren Grab, sondern entstehe durch die „erschütternde Begegnung mit dem Auferstandenen“.

Zwar mochten die Jünger angesichts des leeren Grabes schon etwas geahnt haben, aber erst als Jesus Christus, der Gekreuzigte, ihnen als der Auferstandene erschien, sei es ihnen zur „alles verändernden Lebensgewissheit“ geworden: „Er lebt und ist wahrhaft auferstanden!“ Das leere Grab sei auch den heutigen Menschen „zum archimedischen Punkt eines neuen Lebens“ geworden. „Unser Leben ist österlich definiert“, so der Oberhirte.

Im Osterlicht erhalte das eigene Leben Perspektive; es befreie von der Daseinshektik und der Gier nach Leben, die eine versteckte Lebensangst sei. „Der Mensch ohne Ostern lebt unter der gnadenlosen Devise: Was du bis zu deinem Tode nicht erreicht hast, das hast du verloren“, betonte der Bischof.

Der Mensch ohne Auferstehungsglauben werde zu einem „großen Sicherheitsrisiko“ für die Mitwelt, denn seine Hektik und Daseinsangst ließen ihn „zuschlagen und zerstören“. Er gehe buchstäblich über Leichen, ehe er selbst zur Leiche werde. Wohin dann der Mensch gehe, habe schon Nietzsche gefragt.“ / FZ