Hängen in Fulda auch bald Pfandringe?

25. Februar 2015
Fulda

Sie sind knallgelb, aus formschönem Stahl und bieten Platz für mindestens sieben Getränkeflaschen oder Dosen: Bamberg hat vergangenes Jahr an öffentlichen Abfalleimern spezielle Pfandringe montiert. Sie sollen ein Problem lösen: Sammlern von Pfandflaschen soll das menschenunwürdige Wühlen im Müll erspart bleiben. In Fulda sei dieses Thema bereits am Rande erörtert worden, teilt die Stadt mit.

„Es gibt Menschen, die vom Pfand leben oder sich zumindest dadurch ein kleines Zubrot verdienen", sagt die Sprecherin der Stadt Bamberg, Ulrike Siebenhaar. „Wir finden es aber unwürdig, wenn sie danach im Müll graben müssen." Wer Flaschen oder Dosen nicht zur Leergutannahme zurückbringen wolle, könne sie nun in die Pfandringe abstellen, anstatt sie in den Mülleimer oder gar in die Natur zu werfen.

Entworfen hat die Pfandringe der Kölner Designer Paul Ketz. „Mir ist der Notstand aufgefallen: Die einen schmeißen etwas weg, die anderen fischen es mühsam wieder heraus", berichtet der 25-Jährige. Aber auch der Umweltgedanke habe ihn dazu inspiriert: „Wenn Pfandflaschen im Restmüll landen, werden sie verbrannt und somit dem Recyclingkreislauf entzogen." Im Jahr 2012 erhielt Ketz für seine Idee den Bundespreis „ecodesign" für ein Produkt, „das gut aussieht und Menschen und der Umwelt gleichermaßen nutzt." Anfragen habe er seitdem schon viele bekommen, sagt Ketz. Dem Vorbild Bamberg sind unter anderem Köln, Stuttgart, Bielefeld, Karlsruhe und Magdeburg gefolgt.

In Fulda sei eine Umsetzung aktuell nicht geplant, berichtet die Stadt. „Sinnvoll ist es, die Erfahrungen bei Kommunen einzuholen, die bereits den Pfandring erprobt haben. Die positive Rückmeldung könnte dann zu einer probeweise Einführung führen."

Pfandringe sind teuer

Neben den Pfandringen gibt es noch andere Ideen, um Flaschensammlern das Leben einfacher zu machen. So hat der Getränkehersteller Lemonaid schon vor längerer Zeit im Internet eine Bauanleitung für Pfandkisten veröffentlicht: Mit ein paar Handgriffen kann aus den Getränkeboxen des Hamburger Unternehmens eine Sammelkiste gebastelt werden, die sich dann an Laternen oder Ampeln befestigen lässt. „Wir stellen das Material auf Nachfrage kostenlos zur Verfügung", sagt Geschäftsführer Jakob Berndt. Allerdings würden sie nahezu ausschließlich von Privatpersonen an öffentlichen Plätzen installiert. So etwa in München. „Wir tolerieren das, so lange niemand dadurch behindert wird", erklärt ein Sprecher des Ordnungsamtes der bayerischen Landeshauptstadt.

Auch in Bamberg hatten Ehrenamtliche mit dem Segen des Ordnungsamtes die umgebauten Limokästen an zehn Plätzen montiert. „Leider waren sie sehr schnell kaputt und etwas wackelig", sagt die Stadtsprecherin. Die Pfandringe seien dagegen stabil und wetterfest. Knapp 1000 Euro kosteten sie laut dpa. Der hohe Preis hat seinen Grund: „Jeder Mülleimer hat eine andere Form, deshalb müssen die Ringe maßgefertigt werden", erklärt Designer Paul Ketz, betont allerdings gegenüber fuldaerzeitung.de, dass es für 1000 Euro acht bis zehn Pfandringe gebe.

Eine Investition, die sich nach Einschätzung des Pfand-Experten Mischa Karafiat rechnet – zumal es auch günstigere Alternativen für unter 200 Euro geben soll: „Durch solche Sammelsysteme reduziert sich schließlich der Restmüll, wodurch die Städte wiederum Geld für die Entsorgung sparen können", sagt Karafiat, Mitgründer der Initiative „Pfand gehört daneben". Der Unterschied zwischen Arm und Reich zeige sich selten so deutlich wie beim Pfand, meint Karafiat: „Für die einen sind 8, 15 oder 25 Cent so wenig, dass sie es sich leisten können, ihre Dosen und Pfandflaschen in den Müll zu werfen. Für die anderen ist das Pfand so wertvoll, dass sie es dafür auf sich nehmen, im Müll zu wühlen." / dpa, sts