Hauch von Mystik: Tempelherren-Orden schlägt sechs Mitglieder zu Rittern

18. Mai 2015
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Fulda

Ein Hauch von Mystik wehte am Samstag durch die Michaelskirche: Der Deutsche Tempelherren-Orden hielt sein Generalkapitel in Fulda ab und ernannte sechs Mitglieder zu Rittern.

Lange weiße Mäntel, zwei große Schwerter, schwere Orden um den Hals, ein Zepter in der Hand – und selbst auf den Kerzen prangt das rote Tatzenkreuz: Eindrucksvoll ziehen die Mitglieder des Deutschen Tempelherren-Ordens in die Fuldaer Michaelskirche ein. Sechs neue Ritter sollen hier geschlagen werden. Erinnerungen an die „Sakrileg“-Romane von Dan Brown oder an Hollywood-Filme wie „Das Vermächtnis der Tempelritter“ wurden wach – dort geht es um Geheimbünde, um Macht, um Verschwörungstheorien.

Man ist dann fast enttäuscht, als es bei dem Wortgottesdienst ganz normal zugeht. Fürbitten, Glaubensbekenntnis, Vaterunser – nicht anders als in der Heiligen Messe. Spannend wird es aber bei der Aufnahmezeremonie. Ein Jahr lang haben die sechs Männer aus Hannover und Berlin darauf gewartet, endlich Ritter zu werden.

Nachfolger des aufgelösten Templerordens

Der Ordensmeister segnet ein Schwert und bittet jeden der sogenannten Postulanten, sich hinzuknien. Sofort schließen seine Ordensbrüder den Kreis um ihn. „Umfasse das Schwert“, fordert der Ordensmeister, und schlägt ihn mit dem anderen „Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Heiligen Geistes“ zum Ritter. Das neue Mitglied bekommt direkt danach den weißen Mantel mit dem Templerkreuz und einen Orden umgelegt.

Der Deutsche Tempelherren-Orden, gegründet 1957, sieht sich als Nachfolger des vor mehr als 700 Jahren aufgelösten Templerordens. Um die mittelalterliche Vereinigung ranken sich viele Mythen, ähnlich wie um die Freimaurer oder die Illuminaten. Von Geheimniskrämerei ist aber keine Spur: Die Feier in der Michaelskirche – dem ältesten Nachbau der Jerusalemer Grabeskirche in Deutschland – ist öffentlich, und auch danach sind die Mitglieder für Fragen offen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg neu belebt

Der Templerorden war ein geistlicher Ritterorden, der 1118 nach dem Ersten Kreuzzug von französischen Rittern in Jerusalem gegründet wurde. Es war der erste Orden, der die Ideale des adligen Rittertums mit denen der Mönche verband. Die Templer waren missionarisch, wirtschaftlich, aber auch militärisch aktiv. Der Orden wurde 1312 gewaltsam aufgelöst.

Die Hintergründe der Auflösung sind unklar. Es wird unter anderem vermutet, dass der französische König Philipp IV. den finanziell und politisch gewichtigen Orden mit Missgunst betrachtete und den Papst zur Auflösung zwang. Nach der Auflösung 1312 wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg neu belebt. Die “Tempelherren” sind heute, so schreiben es die Statuten vor, zu “Werken christlicher Nächstenliebe und Barmherzigkeit unter den armen und bedrängten Menschen verpflichtet”.

Einen ausführlicheren Bericht mit Zitaten von Ordensmeister Dr. Manfred Schneider (unter anderem zu den aktuellen Zielen oder der Größe des Ordens) lesen Sie am Montag in der gedruckten Ausgabe unserer Zeitung sowie im E-Paper. / kir, dpa