„Hebammen für Fulda“: Landkreis fördert Existenzgründung von Geburtshelfern

28. November 2019
Fulda

Um Hebammen darin zu fördern, sich in der Region niederzulassen, hat der Landkreis nun das Programm „Hebammen für Fulda“ aufgelegt. Unterstützung findet das auch beim Landesverband der Hebammen und der Hochschule Fulda.

„Hebammen für Fulda“ heißt ein neues Programm, mit dem der Landkreis Fulda nach eigenen Angaben Hebammen dabei unterstützen möchte, sich selbstständig zu machen. „Es ist wunderbar, dass die Zahl der hiesigen Neugeborenen bei gut 2000/2100 pro Jahr liegt – bis vor einigen Jahren waren es noch rund 1700“, sagt Vize-Landrat Frederik Schmitt.

„Aber leider gibt es einen deutlichen Mangel an niedergelassenen Hebammen, die Mütter und Kinder in der Zeit vor und nach der Geburt begleiten“, wird Schmitt in einer Landkreis-Pressemitteilung weiter zitiert. Das soll sich mit dem neuen Förderprogramm ändern.

Kapazität mehr als ausgeschöpft

80 Hebammen sind beim Gesundheitsamt des Landkreises als selbstständig Tätige gemeldet. Das klinge recht komfortabel, aber keinesfalls im Hinblick auf die Geburtenzahl und schon gar nicht angesichts ihrer wichtigen Aufgaben und der Intensität der Begleitung. Was zähle, sei nicht die Zahl der Hebammen, sondern ihre Kapazität. Und die ist im Landkreis mehr als ausgeschöpft.

„Die Arbeit der Hebammen hat medizinische, aber auch psychologische Aspekte. Sie bestärken die Eltern, geben Sicherheit auf dem herausfordernden Weg, eine Familie zu sein“, sagt Frederik Schmitt. Gerade für Familien mit unterschiedlichen Problemlagen bedeute das niedrigschwellige Angebot und die Unterstützung durch eine Hebamme eine große Hilfe.

Volle Terminkalender

Doch die Terminkalender der Hebammen seien voll. Wer sich nicht frühzeitig in der Schwangerschaft um eine Wochenbettbegleitung kümmere, stehe mitunter erst einmal allein da. Das soll nach Willen des Landkreises nicht so bleiben. Deswegen hat der Landkreis nun ein Förderprogramm zur Weiterbildung von Hebammen initiiert.

Unterstützt wird es durch Claudia Mathes-Prock, Fortbildungsbeauftragte des Landesverbandes der Hessischen Hebammen, Kreissprecherin Franziska Köstler und Dr. Babette Müller-Rockstroh, Professorin für Hebammenwissenschaft an der Hochschule Fulda. Denn sie alle kennen das Dilemma.

„In Fulda bleiben sie zumeist nicht“

Es gibt nicht nur mehr Geburten, sondern auch weniger Hebammen generell, weil derzeit viele ins Rentenalter kommen. Und von den rund 70 Absolventinnen, die bisher an der Hochschule ihren Abschluss gemacht haben, bleibt nur ein Bruchteil im Landkreis Fulda. „Wir haben Studierende aus allen Bundesländern, insbesondere aus Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg“, sagt Dr. Babette Müller-Rockstroh.

„Doch wenn sie fertig sind, gehen viele in ihre Heimatgegend zurück. Etliche lassen sich auch nieder – aber in den Geburtshäusern in Kassel, Würzburg oder Erlangen. Wir sehen also: Die, die wir ausbilden, trauen sich eine Selbstständigkeit mit Vorsorge, Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung zu Recht zu – aber in Fulda bleiben sie zumeist nicht.“

Finanzielle Unterstützung

Da setzt das neue Programm des Landkreises an: Ausgebildete Hebammen, die sich verpflichten, sich zwei Jahre in Fulda niederzulassen, werden bei den notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen unter anderem in den Themen Geburts- und Familienvorbereitung sowie Rückbildungsgymnastik finanziell unterstützt. „Der Landkreis übernimmt 80 Prozent der Lehrgangsgebühren – in der Summe etwa 2200 Euro“, sagt der Vize-Landrat.

Als Schritt in die richtige Richtung bezeichnet das Claudia Mathes-Prock: „Das ist eine hervorragende Chance für die Absolventinnen, sich in Fulda zu qualifizieren und niederzulassen.“ Darauf setzt auch Frederik Schmitt: „Wir sind eine starke Region und haben hier viel Potenzial, das wir auf diese Weise sichern können.“

Kontaktmöglichkeiten: Interessierte können sich beim Landkreis Fulda an Judith Hofmann unter der Telefonnummer (0661) 6006589 oder per E-Mail an judith.hofmann@landkreis-fulda.de melden. / sar

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