Herausforderungen von RhönEnergie und Sparkasse Fulda ähneln sich sehr

03. Dezember 2019
Kreis Fulda

Schärferer Wettbewerb und mehr staatliche Auflagen, Digitalisierung und Datenschutzgrundverordnung – viele teure Herausforderungen, vor denen die regionalen Unternehmen RhönEnergie und Sparkasse Fulda stehen, sind identisch. Selbst der Minuszins macht beiden zu schaffen. Dabei sind sie mit 2018 und 2019 zufrieden.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Das erklärten die RhönEnergie-Geschäftsführer Martin Heun und Dr. Arnt Meyer sowie Sparkassen-Vorstandsmitglied Uwe Marohn gestern im Haupt- und Finanzausschuss des Kreistags. Der Tenor ihrer Berichte war gleich: Das Wachstum ist stabil, die Herausforderungen wachsen.

„Das Ergebnis 2018 war solide“, sagte Marohn. Wegen der Minus-Zins-Politik ging der Zinsgewinn um fünf Millionen Euro zurück; durch höhere Provisionen konnte der Rückgang auf 2,5 Millionen begrenzt werden. „Vom Betriebsergebnis von 23 Millionen flossen 14,2 Millionen Euro ins Eigenkapital. Noch 2017 konnten wir 25 Millionen Euro Eigenkapital bilden“, sagte Marohn. Er erwarte, dass der Gewinn 2019 weitere drei Millionen Euro niedriger ausfällt.

Woide: Kritik des Landesrechnungshofs ist falsch

Landrat Bernd Woide (CDU) griff die Kritik des Landesrechnungshofs auf, die Sparkassen würden zu wenig Gewinn an die Träger – in Osthessen Kreis und Stadt Fulda – abgeben. Die Sparkasse Fulda schüttete 2019 aus dem Gewinn des Vorjahres 378.000 Euro an den Kreis aus. „Die Kritik war falsch, denn die Sparkassen brauchen Eigenkapital, um ihr Geschäft betreiben zu können“, sagte Woide.

Die Kundeneinlagen seien 2018 um 0,7 Prozent auf drei Milliarden gestiegen, die Bilanzsumme liege bei knapp vier Milliarden Euro, berichtete Marohn. Der Kreditbestand sei um 1,9 Prozent gewachsen – nach 3,1 und 4,5 Prozent Plus in den Vorjahren. Die Zahl der Kunden mit Aktien wuchs um zwölf Prozent.

Problem: Kleine Filialen

„Die Schließung von Filialen ist in naher Zukunft nicht geplant“, sagte Marohn auf Fragen. Woide sagte, Zweigstellenschließungen seien ein emotionales Thema. Tatsächlich würden kleine Filialen immer weniger genutzt. Anders als andere regionale Banken will die Sparkasse nicht selbst Immobilien kaufen und vermieten. „Dafür setzen wir auf einen erfolgreichen Immobilienfonds“, so Marohn.

Mehr Busfahrgäste

Anders als bei der Sparkasse war in der Bilanz der RhönEnergie auch das Wetter ein Faktor. 2018 war zu warm, es wurde wenig Gas verkauft, berichtete Meyer. „Insgesamt lief 2018 aber gut. Der Umsatz wuchs von 481 auf 500 Millionen Euro, bei einer Bilanzsumme von 400 Millionen Euro liegt das Eigenkapital bei knapp 40 Prozent. „In den vergangenen drei Jahren haben wir keine neuen Kredite aufgenommen und kräftig Schulden abgebaut“, äußerte Meyer. Aus dem Gewinn 2018 führt die RhönEnergie 5,43 Millionen Euro an den Landkreis ab. 2019 erwarte sie ein Ergebnis „leicht über Plan“. Erfreulich sei der Zuwachs der Busfahrgäste um drei bis vier Prozent pro Jahr.

DSGVO bringt bürokratische Hürden

Die Datenschutzgrundverordnung (die es der Sparkasse erschwert, alle 110.000 Kunden unbürokratisch zu kontaktieren), erschwerte es der RhönEnergie, die 12.000 Kundenumzüge im Jahr zu managen – da Vermieter die Namen der neuen Mieter nicht ohne weiteres mitteilen dürfen.

Investitionen in Infrastruktur durch Minuszins unattraktiv

Zu den Beteiligungen sagte RhönEnergie Chef Heun, das hochmoderne Kohlekraftwerk Lünen, das die RhönEnergie bis 2032 im Jahr neun Millionen Euro koste, drohe ein Opfer des Kohleausstiegs zu werden. Über Entschädigungen werde verhandelt. Das Gaskraftwerk in Hamm, das seit vier Jahren nur zu Spitzenzeiten läuft, solle 2024/25 in den Normalbetrieb gehen. Der Windpark Borkum bringe weniger Ertrag, weil wenig Wind geweht sei.

Und der Minus-Zins? Er hat für Energieversorger die Folge, dass die Regulierungsbehörde die Erlöse für neue Leitungen kappt und sich die Investitionen in Infrastruktur kaum noch rechneten, sagte Meyer.

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