In der Kirche eingesperrt: Maria Vogel läutet die Glocken

07. Mai 2019
Friesenhausen

An zwei Tagen im Jahr schweigen die Kirchenglocken: Karfreitag und Karsamstag. Ausgestellt werden sie am Abend des Gründonnerstags. So war das auch in Friesenhausen. Umso erstaunter dürfte die Kirchengemeinde gewesen sein, als es am späten Abend trotzdem bimmelte. Der Grund ist kurios: Maria Vogel war in der Kirche eingesperrt.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

Wenn die 50-jährige Maria Vogel aus Friesenhausen an den Abend zurückdenkt, kann sie inzwischen herzlich darüber lachen. Denn so etwas passiert doch eher selten: Sie wurde an Gründonnerstag in der Kirche in Friesenhausen eingesperrt. Aus Versehen.

Handy lag zu Hause

„Ich wollte um 19 Uhr in den Gottesdienst. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass die Messe nicht in Friesenhausen, sondern in Dipperz stattfindet“, erinnert sich Vogel, die an der Kneshecke eine Bäckerei betreibt. Sie habe sich noch gewundert, dass niemand da war, schob es aber darauf, dass sie zu früh dran war. „Ich bin dann nach vorne zum Altar und habe mir die Bilder der Kommunionkindern angeschaut. Schließlich hörte ich, dass die Tür abgeschlossen wurde.“ Und tatsächlich – alle Türen waren zu, und Maria Vogel konnte nicht mehr raus. Ihr Handy hatte sie nicht dabei. „Im Gottesdienst stört das ja nur.“

In der ersten Stunde habe sie gewartet: „Ich ging davon aus, dass mich mein Mann in der Zeit sowieso noch nicht sucht. Er glaubte ja, dass ich in der Messe bin.“ Als es jedoch immer später wurde – und auch kalt – musste sich die 50-Jährige etwas überlegen. „Ich habe dann den Sicherungskasten gesucht und alle Lichter angemacht, in der Hoffnung, dass es jemand sieht. Doch auch das brachte nichts“, sagt sie. Um 21.30 Uhr schließlich wagte sie es und legte den Hebel um, von dem sie dachte, dass damit die Glocken läuteten.

Mann bereits auf dem Weg ins Bett

Und das taten sie – zu dieser ungewöhnlichen Zeit, an einem Tag, an dem die Glocken eigentlich von der Küsterin ausgestellt worden waren. Sie war es dann auch, die Maria Vogel aus ihrer misslichen Lage befreite. Vogels Mann vermisste seine Frau offenbar noch nicht. „Er kam mir im Schlafanzug entgegen und wollte gerade ins Bett gehen. Er dachte, ich wäre nach der Kirche noch ausgegangen.“