Bildergalerie: Johanna Maxl mit erstem Literaturpreis der Stadt ausgezeichnet

14. Mai 2019
Fulda

Premiere zum Stadtjubiläum: Erstmals hat die Stadt Fulda einen Literaturpreis vergeben. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für ein Debütwerk ging am Dienstagabend an Johanna Maxl für „Unser großes Album elektrischer Tage“ – aus dem die in Leipzig lebende Autorin bei der Gelegenheit auch las.

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

Eigentlich gehört die renommierte Lesereihe „Literatur im Stadtschloss“ den großen und arrivierten Namen der Buchbranche. Eigentlich. Gestern Abend nun war alles anders: Mit Johanna Maxl lernte das Fuldaer Publikum eine junge Autorin kennen, die mit einem „Sprachbuch“ ihren Einstand in die Welt der Druckerzeugnisse gab. So jedenfalls umschrieb die in Fulda geborene Laudatorin Leona Stahlmann in ihrer Rede das prämierte Werk, mit dem „fast alle Erwartungen an Romanlektüre gründlich und nachdrücklich“ demontiert würden.

Das „Album“, so hob Stahlmann dessen augenfälligstes Merkmal hervor, „ist von allen Seiten gleichermaßen zugänglich und entzieht sich von allen Seiten gleichermaßen einer eindeutigen Auslegung seines Bilderrausches“.

Mit der Entscheidung, den Preis an dieses experimentelle Werk zu geben, dessen Sprache ungemein kunstvoll und gleichzeitig sehr klar und präzise ist – Strahlmann nannte es „dicht und lyrisch“ –, machte die Jury deutlich, welch gigantischen Bogen die Literatur schlagen kann.

„In Fulda lebt die Literatur“

Fulda, so hob Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld in seiner Ansprache hervor, wolle mit der Verleihung anknüpfen an die eigene Tradition, die vor 1275 Jahren mit der Gründung des Klosters begann, war dies doch der Ort mittelalterlichen Literaturproduktion, der Buch- und Schreibkunst. „In Fulda lebt die Literatur“, sagte er.

Wie weit der Weg von jahrhundertealten Handschriften hin zu einem Werk wie „Unser großes Album elektrischer Tage“ ist, erfuhren die Zuhörer anschließend bei der Lesung, die ebenso wie der Roman nicht den „klassischen“ Vorstellungen entsprach.

Zum Inhalt: Eine Frau namens Johanna, 30, verschwindet, und ein Stimmenchor lässt vermuten, dass ihre Kinder über den Grund für ihre Abwesenheit nachdenken. Wiewohl: Ganz so eindeutig ist es nicht, was in diesem Buch passiert. Ambivalenzen, Anspielungen, Referenzen an Literatur und Popmusik und immer wieder Leerstellen prägen es.

Das Buch, das vom Verlag Matthes & Seitz herausgegeben wurde, fasst 200 Seiten und kostet 20 Euro.