Keine Zeit: FDP hört in Flieden auf

24. Juli 2014
Flieden

Als FDP-Fraktionschef Mark Matthies bei der jüngsten Sitzung der Fliedener Gemeindevertreter ans Pult trat, ahnten nur wenige, was er gleich sagen würde: Seine Fraktion löst sich auf. Alle drei Abgeordneten legen ihr Mandat nieder. Der Grund: Zeitmangel.

Einen Moment lang herrschte Sprachlosigkeit im Fliedener Rathaus. Keiner wusste so recht, wie er zu reagieren hatte. Nur Stefan Gärtner (CDU), Vorsitzender der Gemeindevertretung, durchbrach die Stille: „Ja, vielen Dank. Sie haben mitgeholfen, einiges in der Gemeinde voranzubringen.“

Was war geschehen? Mark Matthies hatte zu Beginn der Versammlung gebeten, am Ende eine „Stellungnahme“ abgeben zu dürfen. Und die hatte es in sich: Der 28-Jährige verkündete das Ende der FDP-Fraktion. „Aufgrund von Zeitmangel können wir unserem Anspruch, gute Kommunalpolitik in der Gemeinde zu leisten, nicht mehr gerecht werden“, erklärte der Fraktionschef. Er selbst zieht nach Frankfurt, des Berufs und der Liebe wegen. Drei Abgeordnete geben ihr Mandat ab, die Nachrücker haben allesamt kein Parteibuch. Nur Mario Klotzsche, stellvertretender Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes, behält seinen Posten im Gemeindevorstand.

Flieden galt als eine Hochburg der Liberalen: Bei der letzten Kommunalwahl 2011 holte die FDP hier 10 Prozent der Stimmen – entgegen dem Bundestrend. Klotzsche und Matthies waren im vergangenen Herbst die Gesichter der Partei in der Region, traten für Bundestag und Landtag an. Doch nach der krachenden Niederlage bei der Wahl versuchte man, dem schlechten Image der Partei zu entkommen. Im Königreich erzählt man sich, die Fraktion in der Gemeindevertretung habe ihren Namen ändern wollen, um nicht mit der Bundespartei in Verbindung gebracht zu werden.

Fliedens Bürgermeister Christian Henkel (CDU) war sehr überrascht von der Auflösung der Fraktion. Nur einen Tag vor der Sitzung erfuhr er davon. Dass es bei der FDP zeitlich nicht hinhaute, habe sich aber schon abgezeichnet. Bereits vergangene Woche trat Christian Ackermann zurück, der laut Matthies in den vergangenen zwölf Monaten im Wesentlichen die Fraktionsarbeit geschmissen hatte. Immer wieder fehlten Liberale bei Sitzungen und Terminen. So auch beim Abschied: Matthies war am Mittwoch der einzige FDP-Vertreter, der im Rathaus war. / kir