Neue Puzzleteile der Geschichte: Tag der offenen Grabung an der Milseburg

16. August 2014
Rhön

Beim Tag der offenen Grabung haben rund 40 Besucher einer Führung von Uni Marburg und Stadt- und Kreisarchäologie einen Einblick in die Lehrgrabung an der Milseburg gewährt. Eine Grabungssensation blieb bislang aus, aber es sind neue Puzzleteile der Geschichte hinzugekommen.

Gefunden wurden in den zurückliegenden zwei Wochen unter anderem ein Fragment eines Mahlsteins, ein Spinnwirtel zum Verspinnen von Fasern sowie säckeweise Keramikfragmente. Viele Scherben sind mit Linien und Mustern verziert. „Das war damals so Mode“,erklärte Grabungsleiterin Dr. Ulrike Söder von der Universität Marburg scherzhaft beim gestrigen Tag der offenen Grabung.

Die Forscherin und rund 30 Studenten des Vorgeschichtlichen Seminars der Philipps-Universität führen seit an der Milseburg eine Grabung als Kooperationsprojekt von Biosphärenreservat, Naturpark, Stadt- und Kreisarchäologie und Uni Marburg durch. Gegraben wird auf einem Podest, von denen es mehr als 100 an der Milseburg gibt. Dies sind Ebenen im Hang, auf denen Wohnhäuser und Werkstätten standen. Die Fundstücke sind um 450 bis 500 vor Christus entstanden. Man könne davon ausgehen, dass die Milseburg zwischen 1200 und dem ersten vorchristlichen Jahrhundert ohne größere Unterbrechungen besiedelt gewesen sei. Im 5. Jahrhundert vor Christus sei mit der aktuellen Grabung eine intensive Besiedlung nachgewiesen, sagt Söder.

Denn der Berg war – wie der Name Milseburg zeigt – so gut zu verteidigen wie eine Burg und an seinen Hängen befinden sich mehrere Quellen zur versorgung der Bewohner. Nach Auskunft von Stadt- und Kreisarchäologe Dr. Frank Verse ist die Milseburg weit größer als bislang angenommen.

Neue Luftbilder hätten Strukturen weiterer Wälle offengelegt, die den Schluss nahelegen, dass die Siedlung 50 Hektar groß gewesen sei. Bislang ging man von 30 aus. Es gebe zwar noch keine archäologischen Befunden dafür, aber die Zahl von 1000 Bewohnern in dieser vorgeschichtlichen Keltenstadt könne angenommen werden. Wie die Menschen damals gelebt haben, ist kaum etwas überliefert und wenig bekannt.

/ nz