Kinderpornos verbreitet: 34-Jähriger wird verurteilt

07. Dezember 2019
Fulda

Ein 34-jähriger Fuldaer musste sich am Freitag vor dem Amtsgericht Fulda verantworten, weil er Kinderpornos im Internet heruntergeladen und sie gleichzeitig über eine Tauschbörse mit anderen Nutzern geteilt hat. Er war geständig und wurde zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

Die Dateinamen sprechen Bände. Für alle im Saal ist es schwer zu ertragen, als Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer die abstoßenden Bezeichnungen vorliest. Dabei ist die Rede von Kindern, zum Teil Kleinkindern, die zu sexuellen Handlungen gezwungen werden, vom Vater, von der Mutter.

142 kinderpornografische Bilder und Videos

Diese Dateien, 142 kinderpornografische Bild- und Videoaufnahmen, hatte der Angeklagte in der Zeit von Januar 2014 bis Mai 2015 auf der Festplatte seines Computers gespeichert.

Den Besitz streitet der 34-jährige Informatikstudent auch nicht ab. Er erklärt aber über seinen Anwalt Knut Hillebrand, dass er nicht explizit nach Kinderpornos gesucht habe. Sie seien eine Art Beiwerk gewesen. Insgesamt wurden bei ihm 100 000 Pornos sichergestellt, die er über Suchbegriffe wie „Mum“, „Son“ oder „Inzest“ auf der Tauschbörse gefunden habe. „Er wollte die Dateien nicht verbreiten“, erklärt Hillebrand.

Doch beim Herunterladen wurden die Dateien auf der Tauschbörse gleichzeitig wieder hochgeladen, sodass sie doch an andere weitergegeben wurden – und das obwohl der 34-Jährige den sogenannten Upload-Button nach eigener Aussage auf 0 gestellt hatte.

„Er nahm es billigend in Kauf, dass die Dateien hochgeladen werden“, sagt Oberstaatsanwalt Willanzheimer und fordert eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung sowie 100 Stunden gemeinnützige Arbeit. „Eine solche Strafe halte ich für unverhältnismäßig. Er ist geständig und hat versucht, das Hochladen zu verhindern.

Freiheitsstrafe von einem Jahr

Die hohe Anzahl der heruntergeladenen Pornos zeigt, dass eine Art Automatismus vorlag, der größte Teil war legale Pornografie“, sagt Hillebrand, der neun Monate für angemessen hält. Richter Michael Wehner verurteilt den Fuldaer, der nicht vorbestraft ist, schließlich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre, zudem muss er 60 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten.

Richter: „Beifang oder nicht, für mich zählt die absolute Zahl“

„Ich nehme Ihnen ab, dass Sie das Hochladen verhindern wollten. Aber man hätte sehen können, dass etwas hochgeladen wird.“ Die große Menge der legalen Dateien setze er nicht ins Verhältnis: „Beifang oder nicht, für mich zählt die absolute Zahl“, sagt Wehner.

In seinem Urteil erklärt er auch, dass von zwölf Monaten Freiheitsstrafe vier Monate als verbüßt gelten, weil die Verfahrensdauer so lange war. Das sieht der Bundesgerichtshof so vor. Schon im Mai 2015 kamen die Beamten dem Angeklagten auf die Schliche, eher durch Zufall, wie der Oberstaatsanwalt erklärt.

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