Komplett belegt: Patientin von allen drei Krankenhäusern im Kreis Fulda abgelehnt

28. Februar 2020
Fulda

Die Angehörigen der Patientin waren ganz verzweifelt: Keine der drei Krankenhäuser im Kreis Fulda konnte ihre Verwandte am vergangenen Samstag aufnehmen – sie waren alle komplett belegt. Solche Tage kommen sehr selten vor, beruhigt das Klinikum Fulda.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Der konkrete Fall am vergangenen Wochenende ging schließlich gut aus: Die Patienten wurde mit dem Krankenwagen ins Medizinische Zentrum Eichhof nach Lauterbach gebracht, dort aufgenommen und zur Zufriedenheit der Angehörigen behandelt. Aber die Frage bleibt: Wie kann es überhaupt sein, dass keine Klinik im Landkreis Fulda eine Patientin aufnehmen kann?

Der Fall der von drei Kliniken abgelehnten Patientin beschäftigt viele Menschen in Osthessen

Keine der drei Krankenhäuser im Kreis Fulda konnte die Dialyse-Patientin aufnehmen. Die Kliniken waren alle komplett belegt. Der Fall der Frau, die am vergangenen Wochenende weder im Klinikum Fulda, noch im Herz-Jesu-Krankenhaus und im Helios Hünfeld aufgenommen werden konnte, beschäftigt viele Leser.

„Eine Abmeldung der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des Klinikums Fulda ist eine seltene Ausnahme“, erklärt Klinikum-Sprecherin Barbara Froese. „Die Gründe, die zu einer Abmeldung führen können, liegen in der Auslastung der räumlichen und personellen Kapazitäten im Haus oder der Notaufnahme selbst.“

„Notfallversorgung von akuten schweren Erkrankungen ist jederzeit gewährleistet“

Die Übernahme von Patienten aus der ZNA auf die Stationen sei aufgrund der schwierigen Personalsituation in der Pflege, die sich nicht zuletzt aufgrund der Anfang 2019 eingeführten Pflegepersonaluntergrenzen deutlich verschärft habe, nicht immer möglich, berichtet Froese. Sie stellt aber heraus: Ganz schwer erkrankte Patienten werden in jedem Fall aufgenommen – auch wenn eigentlich alle Kapazitäten erschöpft sind.

„Eine Notfallversorgung von akuten schweren Erkrankungen oder Verletzungen wie beispielsweise schweren Unfallverletzungen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen ist im Klinikum Fulda, entsprechend dem Versorgungsauftrag eines Maximalversorgers, jederzeit gewährleistet.“

Krankenwagen finden mit Ivena das richtige Krankenhaus

Am vergangenen Samstag hatte sich aber nicht die gesamte Notaufnahme abgemeldet. Krankenwagen finden seit einigen Jahren mit dem System „Ivena“ (Interdisziplinärer Versorgungsnachweis) in Hessen schneller das richtige Krankenhaus. Die Unterlagen vom Eine Auswertung der Ivena-Protokoll vom vergangenen Samstag zeigen, dass keine Abmeldung des Klinikums Fulda von der Notfallversorgung vor lag.

„Es war lediglich die Medizinische Klinik V – Lungeheilkunde – abgemeldet“, erläutert Froese. Warum im aktuellen Fall die Patientin nach Lauterbach verlegt wurde, lasse sich erst dann beantworten, wenn neben den Abmeldungen von Herz-Jesu-Krankenhaus und Helios Hünfeld über Ivena auch der medizinisch-fachliche Grund benannt wird.

Klinikum: Stadt und Kreis wollen reden

Von unserem Redaktionsmitglied Eike Zenner In einer Resolution hatte die Fuldaer Stadtverordnetenversammlung vergangene Woche an Bund und Land appelliert, mehr für die Krankenhäuser zu tun. SPD-Fraktionsvorsitzender Jonathan Wulff nahm auch den Kreis in die Pflicht - und bekam indirekt Rückendeckung von OB Dr. Heiko Wingenfeld (CDU).

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