Kultusminister Lorz würdigt inklusives Konzept der Antonius-von-Padua-Schule

08. März 2018
Fulda/Wiesbaden

Hessens Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz hat am Donnerstag, 8. März, eine Abordnung um die Fuldaer Antonius von Padua Schule (AvP-Schule) empfangen. Anlass der Einladung ins Kultusministerium war die Auszeichnung der AvP-Schule mit dem Jakob Muth-Preis 2017 für ihr außergewöhnliches Konzept einer inklusiven Grundschule.

Das teilte die St. Antonius gGmbH in einer Presseinformation mit, die Sie nachfolgend im Wortlaut lesen: Im Rahmen des Empfangs sprach Lorz seine Anerkennung für das Engagement der Schule aus: „Gemäß des schulischen Leitgedankens ‚Normal ist die Vielfalt, das Vorhandensein von Unterschieden‘, fokussiert die Schule besonders den Aspekt des kind- und begabungsgerechten Lernens. Das Konzept, das den individuellen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler Rechnung trägt, erfreut sich steigender Beliebtheit. Daher freue ich mich mit der ganzen Schulgemeinde über die Auszeichnung.“

Öffnen sich üblicherweise Regelschulen für Schüler*innen mit Behinderung, zeigt das Grundschulkonzept der AvP-Schule, dass die Umsetzung von Inklusion im Schulwesen auch andersherum gelingen kann. Mit dem Schuljahr 2014/15 öffnete die AvP-Schule ihre Grundstufe für Regelschüler. Seitdem lernen dort 60 Kinder von- und miteinander, ein Drittel der Kinder hat eine geistige Behinderung.

Es unterrichten vier Grundschullehrer und zwei Förderschullehrer. Durch die hohe Flexibilität im Unterricht können die Entwicklungsstände der Kinder optimal berücksichtigt werden. Leistungsstärkere Kinder werden gefordert und die hohe Qualität der Förderung im Bereich geistiger Entwicklung wird ebenfalls gewährleistet.

Eine räumliche Besonderheit der Schule stellt das Konzept der offenen Klassenräume dar. Die Schule braucht keine Türen, die die Klassenzimmer abtrennen, denn hier wird jahrgangsübergreifend in heterogenen Gruppen gelernt, deren Zusammensetzung im Tagesverlauf wechselt. Nach vier Jahren kann die AvP-Schule eine erste Zwischenbilanz ziehen: „Wir haben im Bereich inklusive Bildung ein funktionierendes Modell entwickelt“, sagte Hanno Henkel, Leiter der AvP-Schule.

„Erste Befürchtungen, dass Kinder ohne Behinderung nicht ausreichend gefördert werden, hat die bundesweite Lernstandserhebung eindeutig widerlegt. Darüber hinaus zeigen uns die zahlreichen Bewerbungen von Eltern von Kindern mit und ohne Behinderung, wie hoch das Interesse an unserem Schulkonzept ist.“ Die AvP-Schule ist eine Einrichtung von antonius – Netzwerk Mensch. antonius fördert Inklusion, indem es Modellprojekte initiiert, die Menschen mit Behinderung eine umfassende Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen.

„Mit unserem inklusiven Schulmodell“, so Rainer Sippel, Geschäftsführer von antonius, „wollen wir ein Schulsystem für alle ermöglichen, das niemanden ausschließt. Die finanzielle Unterstützung von engelbert strauss ermöglichte uns den Bau des Schulgebäudes. Das Modell hat sich bewährt und wir wünschen uns, dass dieses Konzept auch anderen Schulen als Orientierung dient und sie ermutigt neue, inklusive Wege im Bereich Bildung zu gehen.“

Nicht nur in der Bildung engagiert sich antonius, sondern in allen Bereichen des Lebens wie Wohnen, Arbeiten, Freizeit sowie in der Unterstützung und Beratung und fördert damit den Zusammenhalt in der Gesellschaft nachhaltig. „antonius ist eine Keimzelle für Gemeinsinn und Bürgerengagement“, so Dr. Heiko Wingenfeld, Oberbürgermeister der Stadt Fulda. „antonius schaftt es immer wieder, eine Vielzahl von Menschen dafür zu gewinnen, sich für ein humanes Miteinander in unserer Bürgerschaft und darüber hinaus einzusetzen. Das hat unserer Stadt im Jahr 2015 zu dem Titel Inklusivste Stadt Deutschlands verholfen, worauf wir sehr stolz sind.“

Aktuell endet das inklusive Schulkonzept der AvP-Schule mit dem 4. Schuljahr. Die Eltern haben aber den Wunsch, dass sich ihre Kinder nach Abschluss der Grundschule nicht mehr zwischen Förderschule und Regelschulen entscheiden müssen und dass das inklusive Schulkonzept der AvP-Schule auf die gesamte Schulzeit ausgeweitet wird, damit gemeinsames inklusives Lernen auch über die Grunschulzeit hinaus möglich ist. Ihren Wunsch fasste der Elternbeirat in einem Schreiben zusammen und übergab es im Rahmen des Empfangs an Kultusminister Lorz. / FZ