Abiprüfungen gehen nun doch weiter: Dennoch viel Ungewissheit bei Fuldaer Schülern

26. März 2020
FULDA

Ungewissheit wegen Corona: Ob die Abiturprüfungen stattfinden oder nicht – darüber haben am Mittwoch die Kultusministerkonferenz entschieden. In Hessen liefen die Prüfungen zu dem Zeitpunkt bereits. Ein Abiturient am Marianum Fulda erzählt uns, wie es ihm in dieser Zeit ergeht.

Von unserem Redaktionsmitglied Lea Marie Kläsener

Zwei Meter Abstand zu den Schulkameraden, offene Türen und nach den Prüfungen der direkte Weg nach Hause: Die Bedingungen, unter denen die Abiturienten momentan ihre Prüfungen ablegen, sind außergewöhnlich.

Dennoch: „Es sind nicht so sehr die Schutzmaßnahmen, sondern mehr die Ungewissheit, ob die Prüfungen überhaupt stattfinden, die mich gestresst haben“, erzählt Claudius Müller, Abiturient am Marianum Fulda. „Ich muss zugeben, dass ich mich die letzten drei, vier Tage vor der Prüfung nicht mehr richtig konzentrieren konnte.“

Abi ohne Prüfungen?

Denn andere Bundesländer hatten verlauten lassen, ihre Prüfungen verschieben zu wollen. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte gar den Plan angekündigt, den Schülern das Abitur ohne Prüfungen zu geben.

Hessen steckt schon mittendrin

Die Note sollte anhand der normalen Zeugnisnoten ermittelt werden. Mit dem Beschluss vom Mittwoch der Kultusministerkonferenz hat sich diese Idee erübrigt. Die Abschlussprüfungen sollen nicht ausfallen. Ein Argument dafür: Rheinland-Pfalz hat seine schriftlichen Prüfungen bereits hinter sich, Hessen steckt mittendrin.

„Wir konnten uns danach gar nicht richtig beglückwünschen“

Eine Prüfung hat Claudius Müller bereits am Montag geschrieben. „Wir konnten uns danach gar nicht richtig beglückwünschen“, bedauert der 19-Jährige. Das einzig Positive in dieser Situation: „Die Abiturprüfung hat sich wie eine normale Klausur angefühlt.“ Und: Weil die Schule geschlossen war, hatten sich die Schüler längere Zeit nicht gesehen und konnten sich so nicht gegenseitig verrückt machen.

Von Angesicht zu Angesicht funktioniert es besser

Einige Schüler seiner Stufe hätten sich gewünscht, dass die Prüfungen ausfallen – à la Karin Prien. „Aber ich wollte es einfach hinter mich bringen“, erklärt Claudius Müller, der sich seit Januar auf die Prüfungen vorbereitet.

Der 19-Jährige aus Flieden lernt meistens allein. Aber für seinen Chemie-Leistungskurs „hatte ich vor, mit anderen eine Lerngruppe zu bilden. Die fällt jetzt flach.“ Über Skype würden sie nun das Gröbste durchsprechen, von Angesicht zu Angesicht würde das aber wesentlich besser funktionieren, findet Claudius Müller.

Kein Training für die praktische Prüfung

Mit seinem zweiten Leistungskurs Sport muss sich der Abiturient noch einem weiteren Problem aussetzen: „Für die praktische Prüfung können wir derzeit überhaupt nicht trainieren.“ Denn in Hessen sind die Sportplätze dicht. Seine Lehrerin könne den Schülern da keine Sicherheit geben, denn „sie weiß ja genau so wenig wie wir“.

Keine Entlassungsfeier, keine Motto-Woche, kein Abiball

Das und die Aussicht darauf, dass es keine Entlassungsfeier, keine Motto-Woche, bei der sich die Abiturienten verkleiden, und keinen Abiball geben könnte, „reißt einem die Motivation sozusagen unter den Füßen weg“, beschreibt der 19-Jährige.

„Zu Hause eingesperrt“

„Wir können unsere Freude mit niemandem teilen, weil wir zu Hause eingesperrt sind.“ Das sei in den letzten Monaten und Wochen der Schulzeit besonders traurig.

Reise nach dem Abi möglich?

Nach seinem Abitur möchte Claudius Müller nach Neuseeland reisen. „Ob das bis Oktober wieder geht, weiß ich noch nicht“, sagt der 19-Jährige. Sein Plan B ist es, direkt zu studieren. „Doch auch da gibt es ja Fristen, die ich einhalten muss.“ Die große Ungewissheit, wann die Krise überstanden ist, macht die Zukunftsplanung von seinen Mitschülern und ihm zu einem Drahtseilakt.

Weißer Sonntag erst im Herbst - Betroffene Familie berichtet

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer Der „Weiße Sonntag" gehört im katholisch geprägten Fuldaer Land fest zur Osterzeit. An diesem Tag gehen im Bistum mehr als zweieinhalb Tausend Kinder zur Erstkommunion. Dieser Anlass wird von den Familien natürlich gebührend gefeiert. 2020 ist alles anders: Die Coronavirus-Pandemie lässt weder die Gottesdienste noch die Feiern zu.

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