Lange Nacht der Spiele: Studenten, Zocker und Familien an einem Tisch

16. März 2019
fulda

Bereits zum 56. Mal treffen sich am Samstag, 16. März, Freunde von Brett-, Karten- und Rollenspielen zur Langen Nacht der Spiele im Kanzlerpalais in Fulda. Nicko Schelian, Ansprechpartner für die Veranstaltung und Andreas Goldberg, der die Lange Nacht 25 Jahre lang organisiert hat, über eine Szene, die Jung und Alt in ihren Bann zieht.

Von unserem Redaktionsmitglied Marcus Lotz

Bis zu 24 Stunden am Stück spielen – das hatten in den vergangenen Jahren bei der Langen Nacht jeweils etwa 150 Besucher getan. Angefangen hat die Veranstaltungsreihe mit Ulli Greb, der früher im Jugendtreff am Aschenberg Brettspielwochen für die Jugendlichen veranstaltet hat. Die ursprüngliche Idee war, die Zeitumstellung zum Anlass für die Lange Nacht zu nehmen. Deshalb findet sie seither immer im Frühling und im Herbst, etwa zur Umstellung, statt.

„Wir haben uns zusammen überlegt, dass es toll wäre, wenn dabei nicht nur Brettspiele, sondern auch Rollenspiele und Tabletop gespielt werden würde“, erzählt Andreas Goldberg, der in dieser Anfangsphase mit dabei war. Daraus ist 1991 die erste dreitägige Veranstaltung entstanden, das Fullplay Con mit bis zu 250 Interessierten, und daraus 1993 die erste Lange Nacht.

Im Laufe der Zeit hat die Szene viele Veränderungen durchlebt. Was früher hauptsächlich auf Spiele wie Monopoly, Mensch-ärgere-dich-nicht und Memory fokussiert war, ist mittlerweile zu einer Szene mit Hunderten Neuerscheinungen pro Jahr geworden, die auf Spielemessen einem breiten Publikum präsentiert werden. „Es haben sich neue Spielformen entwickelt. Nehmen wir nur mal die Escape-Spiele, die an den Boom der Escape-Rooms anknüpfen. Oder viele kooperative Spiele, bei denen alle am Tisch nicht mehr gegeneinander, sondern gegen den Spielemechanismus antreten“, erzählt der 52-Jährige. Hierbei müssen alle Spieler gemeinsam beispielsweise ein bestimmtes Spielziel in einer vorgegebenen Anzahl an Runden erreichen.

Neben den Spielen selbst hat sich auch die Klientel verändert. „Der Zulauf ist ein anderer. Seit zwei, drei Jahren kommen Leute zur Langen Nacht, die vorher nichts mit uns zu tun hatten, die einfach mal vorbeischauen wollten und dann feststellen: ,Oh, toll!‘“, erzählt Nicko Schelian. Der 46-Jährige hat vor drei Jahren die Organisation übernommen. „Das sind dann nicht die typischen Brettspieler. Das sind teilweise Leute, die ihr erstes Spiel in einem Warenhaus gekauft haben oder Familien aus der Rhön. Früher waren auch nie Kinder dabei, heute sind es immer mal fünf, sechs mit ihren Eltern. Wir hatten auch schon Leute mit Rollator zu Gast.“

Mittlerweile sei das Klientel der Langen Nacht bunt gemischt: „Früher kamen primär Akademiker von der Hochschule. Heute sitzen Soldaten, Lehrer, Architekten und Rentner zusammen mit Physikern, Kaufleuten, Hausfrauen, Handwerkern, Paketfahrern und Schülern an einem Tisch und spielen Brettspiele. Und das harmoniert hervorragend, denn Spielen verbindet.“

Zu verdanken ist dieser bunte Zulauf den neuen Medien, findet Goldberg: „Früher konnte man sich nur über lokale Shops austauschen. Heute geht das über das Internet. Wir haben auch eine App in Planung, die alle Spieltermine anzeigen soll.“ Schelian ergänzt: „Dadurch verbreiten sich ganz neue Ideen. Zum Beispiel die Legacy-Spiele, bei denen Spielentscheidungen unumkehrbar sind, indem die Spieler das Material bekleben oder teilweise zerstören. Früher hätte jeder Verlag gesagt: ,Ein Spiel, bei dem man Karten zerreißt und das man nur ein Mal spielen kann? Ihr seid doch verrückt, das kauft keiner.‘ Durch das Internet erkennen die Verlage aber, dass solche Ideen Potenzial haben.“

Solche Spiele kommen auch bei der Langen Nacht auf den Tisch, die laut Goldberg und Schelian zudem eine gute Gelegenheit sei, alte Freunde wiederzusehen und eine praktische Plattform für Turniere biete: „Passend zum Thema der Veranstaltung, Luft, werden wir ein Looping-Louie-Turnier veranstalten“, kündigt Schelian an. Außerdem wird wieder ein großer Spieleflohmarkt für Sammler und Brettspieler mit zu vollen Spieleregalen geöffnet haben. Zusätzlich findet ein Magic-Karten-Turnier und eine Krimiparty statt. Der Eintritt ist frei.

Spielzeit ist – angelehnt an das Stadtjubiläum – von Samstag, 16. März,12 Uhr, bis Sonntag, 9.15 Uhr, im Kanzlerpalais in Fulda (Unterm Heilig Kreuz), also genau 1275 Minuten. Veranstalter ist das Jugendbildungswerk Fulda und die Spielberatung. Weitere Infos unter Telefon (0661) 1 02 19 90 oder unter einfach-nur-spielen.de.