Literaturpreisträgerin Johanna Maxl liest für Marienschülerinnen

16. Mai 2019
Fulda

Die Preisträgerin des ersten Fuldaer Literaturpreises Johanna Maxl war zu Gast in der Marienschule, sprach mit den Schülerinnen über ihr Werk und gab ihnen ein Gespür für zeitgenössische Literatur.

Als die Schriftstellerin in den Räumen der Marienschule eintraf, um aus ihrem Debütroman „Unser großes Album elektrischer Tage“ den Schülerinnen der E-Phase vorzulesen, empfand sie ihren Vorleseplatz an einem Tisch, unnötig getrennt vom Publikum, zu konventionell: Die junge Schriftstellerin setzte sich lieber direkt in die Reihen ihrer Hörerschaft und lieferte den anwesenden Mädchen einen hautnahen Literaturunterricht. Das schreibt die Marienschule in einer Pressemitteilung.

Erst am 14. Mai, einen Tag zuvor, erhielt die 31-jährige bayerische Autorin, die in Leipzig am renommierten Deutschen Literaturinstitut studierte, für ihren ersten Roman den ersten Literaturpreis der Stadt Fulda, der jährlich zum Abschluss der Lesereihe „Literatur im Stadtschloss“ das Debüt des Jahres auszeichnet. Gerrit Ruwe, Deutschlehrer an der Marienschule, begrüßte die Autorin, die auf dem zeitgenössischen Literaturmarkt die Konventionen sprengt.

In seiner Rede betonte er, Maxl werfe mit ihren Texten mehr Fragen als Antworten auf. Die Leerstellen und die Unschärfe des Inhalts erlaubten keine Eindeutigkeit. Für diese neue Art des Schreibens, die kein Vorbild auf dem Markt habe und bisher einzigartig sei, müsse ein neuer Begriff gefunden werden: Gerrit Ruwe nannte es „maxlesk“ und was genau darunter zu verstehen ist, zeigte die Autorin dann selbst in ihrer Lesung.

Die junge Frau erreichte mit ihren vorgetragenen Zeilen ihres eigenwilligen Werkes konzentrierte Stille beim Publikum. Die Schülerinnen tauchten in die Welt von Johanna ein, welche von allen Kindern des Romans gesucht wird. Teilweise verwirrend, tragisch und auch ganz verständlich nah und emotional muteten die Zeilen an, die ein Abbild der Zeit sein sollen.

Im zweiten Teil der Lesung beantwortete die Autorin der jungen Generation all die Fragen, warum sie so schreibe, wie sie überhaupt schreibe, locker auf dem Tisch sitzend. Fragen zum Layout des Romans, zum Schriftstellerdasein und zu Möglichkeiten einer Veröffentlichung, Fragen zu Stilmitteln, Erzählperspektiven oder zum erweiterten Textbegriff Maxls, das alles machte einen rund neunzig minütigen Deutschunterricht in der Schule aus, der nicht nur Literaturfans ansprach, sondern Literatur auch zeitgenössisch erleben ließ. / lea