FZ-Wahlforum: OB-Kandidaten gaben sich kampflustig, immer wieder tosender Applaus für Wingenfeld

08. März 2015
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Fulda

Am Sonntagmittag ist es zum direkten Schlagabtausch zwischen den Fuldaer OB-Kandidaten Birgit Kömpel (SPD), Ralf Zwengel (Grüne) oder Heiko Wingenfeld (CDU) gekommen. Wir berichteten ab 11 Uhr live aus der Orangerie. Verfolgen Sie hier noch einmal die Wortgefechte in unserem Minutenprotokoll.

+++13.12 Uhr+++ Zum Abschluss vervollständigen die Kandidaten nach der Fragerunde noch einige Sätze. Zum Beispiel: Wann am kommenden Sonntag nach der Wahl der Sektkorken knallen werde. Die Zuhörer erfahren, dass SPD-Kandidatin Kömpel keinen Sekt mag, aber gerne mit einem Glas Wein auf ihren Sieg anstoßen würde. Grünen-Kandidat Zwengel würde es knallen lassen, wenn er nicht Dritter werde. Und Heiko Wingenfeld (CDU) will auf jeden Fall mit Sekt anstoßen, wie auch immer die Wahl ausgeht. Als Lieblingsplatz in Fulda nennen die Kandidaten den Schlossgarten (Zwengel), das Rädchen (Kömpel) und den Schulzenberg (Wingenfeld).


Das Wahlforum unserer Zeitung ist nun vorüber. Für die knapp 500 Gäste in der Orangerie war es sicherlich eine interessante Runde. Hintergründe zur heutigen Veranstaltung sowie das Ergebnis unserer Probeabstimmung lesen Sie am Montag in unserer gedruckten Tageszeitung sowie im E-Paper.

+++13.02 Uhr+++ Hanns-Uwe Theele regt als Vorsitzender der Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda e.V. an, Fulda doch nicht nur zu schönsten, sondern zur barrierefreisten Stadt Hessens zu machen. Ob die Kandidaten mitmachen würden? Kömpel: „Ich setze mich für das Thema schon auf Bundesebene so gut ein wie es geht." Gerne würde sie das auch als Oberbürgermeisterin tun. Wingenfeld betont, dass durch die Arbeit des Behindertenbeirats sich schon viel in den vergangenen Jahren verbessert habe. „Es ist eine Daueraufgabe, die teilweise hohe Kosten erfordert", betont Wingenfeld, der sich gerne im intensiven Kontakt der Herausforderung stellen wolle. Zwengel betont, dass er bei diesem Thema immer ein offenes Ohr habe und dass es wichtig sei, bei allen Entscheidungen auch solche Gesichtspunkte zu berücksichtigen. (Hier erfahren Sie mehr über die Hintergründe: Barrierefreie Freizeit – mit dem Rollstuhl in Fulda unterwegs)

+++12.49 Uhr+++ Vorurteile von Muslimen gegenüber Christen und umgekehrt
seien laut Fragesteller auch in Fulda zu beobachten. Kömpel: „Im Moment haben wir da in der Tat ein Problem. Den Vorbehalten können wir nur entgegenwirken, wenn wir weiter in einem engen Dialog stehen." Die Stadt sollte den Muslimen insgesamt noch ein wenig offener gegenüberstehen. Wingenfeld: „Aus meiner Sicht haben wir in Fulda die Situation, dass Meinungsfreiheit eine große Rolle spielt, wir aber auch sehr tolerant sind." Alle Religionen, die sich zu den geltenden Freiheitswerten bekennen, seien in Fulda herzlich willkommen. Dabei gebe es einen überparteilichen Konsens. Wingenfeld ist froh, dass sich in Fulda kein einziger für eine der Pegida nahen Bewegung auf die Straße gegangen sei. Zwengel spricht sich für Respekt, Toleranz und Augenhöhe aus. Das Miteinander der Vertreter unterschiedlicher Religionen sei ein Beitrag, „deren Wert man nicht hoch genug einschätzen könne." (Lesen Sie mehr über das Thema: Wie fremdenfeindlich ist Fulda?)


+++12.42 Uhr+++
Der erste Fragesteller wünscht sich eine Bürgersprechstunde mit dem Oberbürgermeister beziehungsweise Oberbürgermeisterin. Zwengel spricht sich dafür aus, in den Stadtteilen regelmäßig in bürgernahen Runden zur Verfügung zu stehen. Kömpel: „Ich bin da absolut dafür. Für Menschen wie Sie würde ich so etwas auch in den Stadtteilen anbieten". Aber auch eine Onlineplattform für jüngere Mitmenschen sei eine wichtige Maßnahme. Auch Wingenfeld spricht sich für Bürgernähe aus: „Wir sitzen nicht nur an Konferenztischen und sind auf Feierlichkeiten. Menschen haben konkrete Anliegen". Denen gelte es gerecht zu werden. Regelmäßige Stadtteilbegehungen seien wunderbare Möglichkeiten, Kommunalpolitiker und Bürger zusammenzubekommen.

+++12.38 Uhr+++ Zur Auflockerung bekommen die Kandidaten nun einige Fragen zu Fulda gestellt. Wie lange war OB Hamberger im Amt? Wie viele Kneipen gibt es in der Stadt Fulda? Wie viele Studenten hat die Hochschule? Die Kandidaten antworten oft wie aus der Pistole geschossen. Manchmal haben sie auch keine Ahnung. Zumindest die Lacher haben sie auf ihrer Seite. Als Kömpel wiederholt den Kopf schütteln muss, empfiehlt Zenner: „Schließen Sie sich doch einfach den Herren an". Zwengel greift daneben, als er den Eichenzeller Ortsteil Löschenrod als den kleinsten Stadtteil Fuldas vermutet. Nun ist das Publikum an der Reihe und darf Fragen an die Kandidaten richten. „Wir sind fürchterlich hinter der Zeit, weil die Kandidaten so viel zu erzählen hatten" räumt Tillmann ein, Dennoch soll es eine ausgedehnte Fragerunde geben.

+++12.31 Uhr+++
Michael Tillmann fragt, was die Kandidaten in ihrem Wahlkampf bisher gelernt hätten. „Dass wir eine viel größere Vielfalt an Lebenswelten in der Stadt haben, als wir alle denken", sagt Wingenfeld unter anderem. Kömpel sagt, dass ihr immer weniger einfalle, was sie gelernt habe, je länger sie darüber nachdenke. „Es gibt hier eine riesen Aufgeschlossenheit, auch mir gegenüber – obwohl ich Sozialdemokratin bin. Das hätte ich ehrlich gesagt in der Form nicht erwartet." Zwengel betont, dass er ja von den Kandidaten der einzige sei, der schon Erfahrungen in der Fuldaer Kommunalpolitik gesammelt habe. „Ich habe bewusst gesehen, was man alles leisten muss, wenn man dieses Amt innehat", sagt Zwengel und spricht in diesem Zuge dem noch amtierenden OB Gerhard Möller Respekt aus. (Lesen Sie hier mehr über den Wahlkampf der Drei: Wingenfeld, Kömpel, Zwengel: Die Online-Auftritte der OB-Kandidaten im Check)

+++12.16 Uhr+++ Nun ist die Stromtrasse von Suedlink als Thema an der Reihe. Zwengel: „Unsere Netze werden nicht so genutzt, wie es möglich wäre. Wir reden nur noch über Netzausbau. Das halte ich für falsch." Kömpel: „Man könnte es sich einfach machen und sagen: Okay, es ist Wahlkampf, ich spreche mich dagegen aus. Aber so einfach mache ich es mir nicht." Es habe ihr noch niemand plausibel erklären können, wie der Strom nach Bayern kommen soll, wenn die Kernkraftwerke im Süden erst einmal abgeschaltet seien. „Ich werde aber mein Bestes dafür tun, dass wir Erdverkabelung bekommen. Das ist die ehrliche Variante und nicht die Wahlkampfvariante", so die SPD-Bundestagsabgeordnete. Wingenfeld bekennt sich zur Energiewende, gibt aber zu bedenken, dass auf Bundesebene viel zu schnell viel zu überhastet entschieden worden sei. „Hochmoderne Gaskraftwerke werden derzeit vom Markt genommen, dafür profitieren mit Braunkohlekraftwerken echte Dreckschleudern", kritisiert er. Er erwarte den Nachweis, dass der Bau einer solchen Trasse überhaupt erforderlich ist. (Erst am Freitagabend hatte es eine Demo in Fulda gegen Suedlink gegeben. Erfahren Sie hier mehr: Hunderte demonstrieren – Nein zu SuedLink-Trasse)

+++12.03 Uhr+++
Die Atmosphäre in der Orangerie ist kampflustig, aber freundlich. Die Kandidaten sind alle für einen Scherz zu haben, lassen es sich aber alle nicht nehmen, ihren Kontrahenten hin und wieder vehement zu widersprechen. Das Publikum lauscht interessiert und honoriert Aussagen immer wieder mit freundlichem Applaus. Einige Unmutsäußerungen erntet jedoch Kömpel, als sie die These aufstellt, dass Fulda in der Außenwirkung schlecht dastehe. Wingenfeld reagiert sofort und widerspricht vehement, was das Publikum mit tosendem Beifall belohnt.

+++11.55 Uhr+++
Zum Thema Friedrichstraße äußern sich auch noch die anderen beiden Kandidaten. Wingenfeld spricht von zwei extremen Positionen von Händlern auf der einen und Innenstadtbesuchern und äußert Verständnis für beide Positionen. „Ich bin nicht dafür, den Händlern etwas überzustülpen. Am Ende gehen die dann woanders hin." Es ginge darum, gemeinsam zu arbeiten. Wingenfelds Vorschlag: „Wir versuchen in es in den Sommermonaten einmal, die Friedrichstraße samstags oder sonntags zu einer Erlebnismeile zu machen:" Anhand der dabei gemachten Erfahrungen könnte man dann weiterdenken. Zwengel nennt die Liberalisierung der Parkhäuser als Problem. „Aber wir wollen doch niemanden enteignen", wirft Wingenfeld ein und erntet Applaus. Zwengel: „Es ist für mich überhaupt nicht einsichtig, weshalb wir überirdische Parkplätze wie in der Friedrichstraße überhaupt noch finanzieren sollen. Mein Kredo lautet: Autos raus aus der Innenstadt!"

Innenstadt und speziell Friedrichstraße: Erfahren Sie hier mehr über die Positionen der Kandidaten:
Kampf um die Innenstadt: OB-Kandidaten wollen Fuldas Zentrum stärken
Parken, Weihnachtsmarkt, Wohnraum: Das planen die OB-Kandidaten mit der Innenstadt

+++11.45 Uhr+++
Nun geht es um Fuldas Innenstadt. „Unsere Händler haben mit Problemen wie dem wachsenden Onlinehandel zu kämpfen", sagt Wingenfeld. „Wir müssen darum kämpfen, die Innenstadt attraktiv für den Einzelhandel zu gestalten", gibt der CDU-Kandidat zu bedenken. Auch Hoteliers und Gastronomie müsse man berücksichtigen. Wingenfeld: „Unsere Stadt wird noch nicht angemessen wahrgenommen." Zwengel kritisiert, dass viele Ärzte aus der Innenstadt in das Münsterfeld umgezogen seien. „Das finde ich vorsichtig ausgedrückt sehr problematisch", sagt Zwengel. Tillmann will von Kömpel wissen, ob die Einkaufszentren rund um die Stadt für die Innenstadt problematisch seien. Sie beklagt sich über die hohen Parkpreise in der Fuldaer Innenstadt und nennt dabei die Parkhaus-Kette „Q-Park". Außerdem brauche man in Fuldas Innenstadt mehr Attraktivität für den Publikumsverkehr – zum Beispiel durch eine Friedrichstraße ohne Autoverkehr.

+++11.31 Uhr+++
Die Kandidaten sind sich einig, dass die Zusammenarbeit der Kommunen in der Stadtregion verbesserungswürdig ist. „Wir sollten nicht gegeneinander konkurrieren", sagt Kömpel. Sie und Zwengel schlagen vor, Ausgaben für kulturelle Zwecke auf die Kommunen aufzuteilen, da alle von mehr Kultur in Fulda profitieren würden. „Die Menschen sind in den Köpfen viel weiter als es die Kommunalpolitik ist", stellt Wingenfeld fest. „Wir können hier aber nichts mit Zwang erreichen. Es muss aber zusammenwachsen, was zusammengehört. Und Stadt und Stadtregion gehören zusammen", sagt der CDU-Kandidat, betont aber, dass dafür keine Gebietsreform notwendig sei.

+++11.26 Uhr+++
Fulda könnte eine Großstadt sein", gibt Tillmann zu bedenken und verweist darauf, dass die Stadt Fulda in einem Zusammenschluss mit Petersberg, Künzell und Eichenzell mehr als 100.000 Einwohner hätte. „Wäre das schlimm?", fragt der Chefredakteur.

Kömpel als Eichenzellerin: „Ich bin nicht für keine neue Gebietsreform, aber wir müssen besser zusammenarbeiten. Das hat man am Beispiel Sommerlad gesehen." Zwengel: „Wäre das so einfach, wäre das schon geschehen", sagt Zwengel und spricht von vier Bürgermeistern im „Schützengraben". Die oberzentralen Funktionen fänden ja ohnehin in Fulda statt. Eine engere Zusammenarbeit wie bei interkommunalen Gewerbegebieten sei aber wünschenswert. Wingenfeld wagt es, sich trotz seiner Petersberger Wurzeln dafür auszusprechen, „viel, viel stärker zusammenzuarbeiten." Fulda habe keine Gewerbeflächen mehr, deshalb müsse man dringend Konzepte für weitere interkommunale Gewerbegebiete erarbeiten.

+++11.18 Uhr+++ Die Auftaktfrage geht an Heiko Wingenfeld. Warum er nicht beim Landkreis Fulda weiterarbeiten möchte, wenn es ihm dort doch so gut gefalle. Darauf antwortet Wingenfeld: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis noch weiter verbessern können."

Michael Tillmann fragt Frau Kömpel, weshalb sie ihr Amt als Bundestagsabgeordnete abgeben möchte und ob sie damit nicht ihren Wählern im Wahlkreis außerhalb der Stadt Fulda in den Rücken falle. „Fulda ist bunter, als es das Stadtschloss widerspiegelt", sagt Kömpel, die allen Frauen zum Internationalen Frauentag gratuliert.

Zuletzt ist Zwengel in der Vorstellungsrunde an der Reihe. „Sie haben im Vorfeld gesagt, dass Sie bei der Wahl nicht Dritter werden wollen", sagt Zenner. „Das stimmt", antwortet dieser.

+++11.08 Uhr+++ Michael Tillmann stellt zum Auftakt fest, dass im Gegensatz zu den Foren in Burghaun und Künzell der Saal nicht voll sei. Dennoch gehe er davon aus, dass die Runde nicht minder interessant sei. Eike Zenner erklärt dem Publikum den Ablauf: „Im ersten Block stellen wir Moderatoren den Kandidaten Fragen zu Sachthemen, danach haben Sie die Möglichkeit, Ihre Fragen zu stellen." Zum Abschluss gibt es dann wieder eine Probeabstimmung.

+++11.01 Uhr+++
Es ist Sonntagmittag, draußen scheint zum ersten Mal in diesem Jahr richtig frühlingshaft die Sonne – und trotzdem warten knapp 500 Menschen gespannt in der Fuldaer Orangerie auf das, was da gleich kommt. In wenigen Augenblicken startet das Wahlforum unserer Zeitung zur Oberbürgermeisterwahl in Fulda. Die drei Kandidaten sind eingetroffen und führen erste aufwärmende Gespräche, gleich werden sie von den Moderatoren Michael Tillmann, Chefredakteur unserer Zeitung, sowie Eike Zenner, Stellvertretender Leiter der Lokalredaktion Fulda, auf die Bühne gebeten.

Hintergrund:

In genau einer Woche, am 15 März, sind die Fuldaer aufgerufen, ihren neuen Oberbürgermeister zu wählen. Wer wird es werden: Birgit Kömpel, Ralf Zwengel oder Heiko Wingenfeld?