Maria Brooks hat MS und steckt in ihrer Wohnung im Osthessen-Center fest

16. Mai 2019
Fulda

Seit mehr als einem Jahr ist einer der zwei Aufzüge in der Hausnummer 60 des Osthessen-Centers defekt (wir berichteten). Seit Donnerstag funktioniert auch der zweite nicht mehr. Das berichtet Maria Brooks, die seit 1984 in dem Haus lebt. Für sie ist der Zustand besonders schlimm: Die 59-Jährige leidet an Multiple Sklerose.

Von unserem Redaktionsmitglied Jacqueline Kleinhans

„Meine Wohnung ist meine Welt“, sagt Maria Brooks. Mit ihrer Mutter lebte sie dort 30 Jahre zusammen. In einer Vitrine stehen viele Fotos von ihr. Bilder aus ihrer Heimat USA hängen an der Wand. „Ausziehen möchte ich hier nicht“, sagt sie, obwohl das Leben im Osthessen-Center für sie zu einer Falle geworden ist. Die 59-Jährige wohnt im 14. Stock – und beide Aufzüge sind defekt. „Als der zweite Fahrstuhl am Donnerstag ausfiel, sind sogar Bewohner stecken geblieben, sodass die Feuerwehr anrücken musste“, erklärt sie. Für Brooks ist Treppenlaufen keine Option. Seit 2014 leidet sie an Multiple Sklerose. Ihr Zustand hat sich mittlerweile so verschlechtert, dass sie alleine nicht mehr vor die Tür kann.

Hilfe bekommt die 59-Jährige von Montag bis Samstag vom Pflegedienst. Zudem unterstützt sie ihr Nachbar Karl Stark (77), wo er nur kann. „In seinem Alter ist es auch schwierig, täglich mehrmals die Treppen zu laufen“, sagt Brooks. Um überhaupt zu der 59-Jährigen zu gelangen, müssen Besucher entweder 14 Stockwerke Treppen laufen oder im Haus mit der Nummer 58 mit dem Fahrstuhl bis in den 9. Stock fahren. Von dort ist es möglich, in das Treppenhaus der Nummer 60 zu laufen. Doch auch der Aufzug im Haus nebenan scheint an seine Grenzen zu kommen, wie Brooks berichtet wurde. „Am Samstag hatte ich Besuch, der mir sagte, dass der Fahrstuhl in der 58 auch streikt“, so Brooks. Mittlerweile funktioniere er aber wieder.

„Es ist wochenlang her, dass ich vor der Tür war. Ich habe versucht, ein Stockwerk zu laufen, aber mit meinem Bein kann ich das nicht meistern.“ Zudem schmerze ihre Hand seit einiger Zeit, wie die 59-Jährige berichtet, die fast 30 Jahre in einem Seniorenheim gearbeitet hat. Auch ihren Friseurtermin habe sie etliche Male absagen müssen, weil sie ihre Wohnung nicht verlassen kann. Dabei würde die Bewohnerin gern wieder in die Natur, die sie so sehr liebt. Ihre Wut und Enttäuschung kann sie nicht verbergen und fängt an zu weinen. „Es muss endlich etwas passieren. Es kann doch nicht sein, dass die Menschen hier festsitzen.“ Maria Brooks sucht oft Zuflucht in der Musik. „Die ist mein Leben.“

Mit dem Thema hatten sich am Montagabend auch die Stadtverordneten befasst. Sowohl die SPD als auch die Linken hatten eine Anfrage an den Magistrat gestellt. „Die Stadt Fulda hat bereits Anfang Mai ein ordnungsbehördliches Verfahren eingeleitet und wird den Druck auf die Eigentümergemeinschaft hoch halten. Diese muss die Missstände beseitigen und ist für die daraus resultierenden Kosten zuständig“, erklärt Pressesprecherin Monika Kowoll-Ferger auf Nachfrage unserer Zeitung.

Nachdem die Stadt am Wochenende Kenntnis von dem zweiten defekten Aufzug bekommen habe, habe das Bauordnungsamt die Hausverwaltung am Montag kontaktiert und die Zusicherung erhalten, dass bereits ein Auftrag für die Reparatur der defekten Aufzugsanlage erteilt worden sei. Der Geschäftsführer der Hausverwaltung war gestern wegen Urlaubs nicht zu erreichen.

Maria Brooks will dafür kämpfen, dass die Aufzüge erneuert werden. Als nächsten Schritt wolle sie die Mietminderung geltend machen – um so den Druck auf die Eigentümer zu erhöhen und „damit sich für alle Bewohner etwas ändert.“