Milseburg-Siedlung ist älter als bisher angenommen

29. August 2014
Hofbieber

Die Besiedlung der Milseburg hat früher begonnen als bisher angenommen: Kelten haben schon im fünften vorchristlichen Jahrhundert dort gesiedelt. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler einer sechswöchigen Lehrgrabung. Von den Funden zeigen sie sich überrascht.

„Die Milseburg muss anders bewertet werden“, sagte Fuldas Stadt- und Kreisarchäologe Dr. Frank Verse, der mit Grabungsleiterin Dr. Ulricke Söder vom vorgeschichtlichen Seminar der Philipps-Universität Marburg und Politikern erste Ergebnisse bei einer Pressekonferenz an der Grabungsstelle erläuterte. Bislang sei von einer intensiven Besiedlung im 1. und 2. Jahrhundert vor Christus und einer sporadischen davor ausgegangen. Die aktuellen Funde belegten, dass Kelten schon im 5. und 4. Jahrhundert vor Christus eine große Rolle am Berg gespielt hätten. „Wir müssen von einer Art Stadt ausgehen mit vielleicht 1000 Einwohnern“, sagte Verse.

Ähnlich äußerte sich Söder, die in den zurückliegenden sechs Wochen mit 20 Studenten inmitten des Naturschutzgebietes gegraben hatte. „Wir sind von den Funden überrascht“, sagte sie. Gefunden worden waren an der rund 50 Quadratmeter großen Ausgrabungsstelle, der einst ein Siedlungsplatz am Berg – ein sogenanntes Podium – war, unter anderem mehr als 20 Kilogramm Scherben in der Erde, die einen Überblick der großen Gebrauchs- und feiner Zierkeramik der Kelten in fünf Jahrhunderten geben.

Zudem wurde ein vollständig erhaltener Bronze-Armreif, Fragmente eines blauen Glasarmreifs aus dem 3. Jahrhundert vor Christus und von Reibsteinen, ein Spinnwirtel und ein Teil einer Fibel aus Eisen und Bronze, die Teil einer Keltentracht gewesen sein könnte, gefunden. Den Erhaltungszustand des Armreifs nannte Verse phänomenal. Da auf dem Areal keine Landwirtschaft betrieben worden sei, ist das Metall kaum verwittert.

Die mehr als 2000 Jahre alten Metallfunde belegten zudem, dass Schmuck von Menschen im Alltag getragen worden sei und nicht nur Teil von Bestattungsriten der Kelten gewesen sein muss, denn bislang wurde Keltenschmuck nur in Gräbern gefunden. Die Funde passten ins Bild, dass Siedlungsräume zwischen dem Neuwieder Becken und Ost¬thüringen im Austausch miteinander gestanden hätten. Von der Milseburg aus hätten wichtige Handelsrouten kontrolliert werden können. „Die Milseburg hatte überregionale Bedeutung, es war die größte Anlage der Rhön“, sagte Verse.

Landrat Bernd Woide (CDU), der sich mit Hofbiebers Bürgermeister Markus Röder (parteilos) und Naturschützern unterrichten ließ, bot vor dem Hintergrund der vielen Funde und der schwierigen Finanzierung von Grabungskampagnen Gespräche mit den Forschern an. Er wolle „schauen, welchen Beitrag der Landkreis leisten kann, dass es eine Fortsetzung“ der Grabungen geben kann. / nz