Mordprozess um Bluttat in Künzell: Staatsanwaltschaft fordert lebenslang

26. März 2020
Fulda

Aus Eifersucht soll er seine Ehefrau heimtückisch erstochen haben. Am Mittwoch im Mordprozess am Landgericht Fulda forderte die Staatsanwaltschaft für den 55-jährigen Angeklagten aus Künzell lebenslange Haft.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

„Ich habe nichts zu sagen. Ich bin schuldig.“ Es dauert ein paar Sekunden bis der Angeklagte diese Worte spricht. Schnell und abgehakt – mehr zu seinem Dolmetscher als in den Saal gerichtet.

Dem 55-Jährigen, der vor Jahren aus dem Kosovo nach Deutschland kam, wird vorgeworfen, dass er am 14. Juni 2019 seine gleichaltrige Ehefrau im Auto in der Peter-Henlein-Straße in Künzell heimtückisch ermordet hat. Staatsanwaltschaft und Nebenklage fordern in ihren Plädoyers eine lebenslange Haftstrafe.

Schuldfähig oder nicht?

Pflichtverteidiger Hans J. Hauschild bittet das Gericht, sich frei zu machen von „Sympathien und moralischen Aspekten“: „Auch für mich ist der Angeklagte kein sympathischer Mann. Es ist schwierig, mit ihm zu reden, einen Zugang zu ihm zu bekommen und das, was er sagt, nachzuvollziehen. Aber: Wir müssen schauen, inwieweit er für das, was er getan hat, verantwortlich zu machen ist“, sagt Hauschild.

Psychische Auffälligkeiten

Zwei Dinge seien für ihn ungewiss: Ob es vor der Tat einen Streit gab und ob der 55-Jährige die fünf Messer im Auto deponiert oder kurz vorher mitgenommen habe. „Ich gehe davon aus, dass die Schuldfähigkeit vermindert einzuschätzen ist. Es gibt eine Reihe an psychischen Auffälligkeiten. Er stand offenbar unter einem starken Druck, der durch die Tat von ihm genommen wurde.“

Der Beschuldigte habe mit der Tat auch sein eigenes Leben zerstört. Bei seinen Ausführungen wendet sich der Anwalt ab von seinem Mandanten, der wie bei allen Verhandlungstagen regungslos und in sich gesunken da sitzt.

Ein Pascha, der sich habe bedienen lassen

Zwei der sechs Kinder sind gekommen, um die Plädoyers zu hören. Sie werden als Nebenkläger von Knut Hillebrand und Christian Celsen vertreten. „Gerade für die behinderte Tochter war die Frau die Bezugsperson. Jetzt hat die Tochter, die geistig auf dem Stand einer Fünfjährigen ist, Angst, schreit nachts und kann nicht mehr ohne Licht schlafen“, sagt Celsen. Der Angeklagte sei ein Pascha gewesen, der sich habe bedienen lassen.

„Er ließ sich sogar die Socken ausziehen. Er hatte Spaß daran, seine Ehefrau zu kontrollieren. Die Eifersucht war eine Rechtfertigung dieser Kontrolle. In meinen Augen war diese Eifersucht nicht sexuell motiviert. Vielmehr war er neidisch darauf, dass die Frau soziale Kontakte und eine Arbeit hatte – und er nicht.“

Knut Hillebrand spricht von einer Tragödie: „Der Familie wurde der Mittelpunkt genommen.“ Als die 55-Jährige ins Auto gestiegen sei, weil sie annahm, dass ihr Mann sie zur Arbeit fährt, sei sie völlig arglos gewesen.

„Vertrauen heimtückisch ausgenutzt“

„Sie hatte ein Grundvertrauen, das der Angeklagte heimtückisch ausgenutzt hat. Sie wurde niedergemetzelt. Hier ist jemand regelrecht abgeschlachtet worden. Es ging bei der Tat nicht darum, jemanden zu verletzten. Es ging darum, jemanden zu töten. Das Opfer war im Auto angeschnallt. Zu keinem Zeitpunkt hatte sie eine Chance, sich gegen den Angriff zu wehren.“

Staatsanwältin Dr. Christine Seban stellt heraus, dass die Frau nicht mit einem Angriff gerechnet habe. Gewalt sei in der Familie kein Thema gewesen. Nachdem es einige Wochen vor dem 14. Juni immer wieder zu Streit gekommen war, hatten sich die Eheleute wieder angenähert.

„Kein Anlass zu verminderter Schuldfähigkeit“

„Zeugen haben uns berichtet, dass sie die beiden vor der Tat im Auto gesehen haben und dass die Frau lächelte und grüßte. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass es zu einem Streit kam.“ Seban geht nicht davon aus, dass der Angeklagte im Affekt gehandelt habe. Auch sieht sie keinen Anlass, eine verminderte Schuldfähigkeit anzunehmen.

„Es gibt keine Hinweise auf eine krankhafte seelische Störung, Schwachsinn oder eine andere seelische Abartigkeit.“ Das habe das Gutachten von Dr. Helge Laubinger aufgezeigt.“

Mildernde Umstände seien keineswegs angebracht: „Im Gegenteil: Er hat eine unbescholtene Frau, die sich für ihn und die sechs Kinder aufgeopfert hat, heimtückisch ermordet.“ Die besondere Schwere der Schuld liege zwar nicht vor, aber eine lebenslängliche Haftstrafe sei anzuordnen. So sieht das auch die Nebenklage: „Er hat die Frau ermordet, und dafür hat er lebenslang zu sitzen“, sagt Hillebrand. Das Urteil spricht Richter Josef Richter am Donnerstag, 2. April, um 11 Uhr.

Mordprozess gegen Künzeller: Gutachter geht nicht von Tat im Affekt aus

Depressiv verstimmt - ja. Aber wahnhaft eifersüchtig oder krankhaft seelisch gestört? Eher nicht. Zu dem Ergebnis kommt Gutachter Laubinger, nachdem er mehrmals mit dem Angeklagten gesprochen hat. Auch geht er davon aus, dass die Tat nicht im Affekt begangen wurde ist. Typischer Affektverlauf fehlt „Es fehlt der typische Affektverlauf.

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