Nach Fund in Fulda und Großenlüder: Wie gefährlich sind Coli-Bakterien im Trinkwasser?

17. Mai 2015
Fulda/Großenlüder

Verunsicherung bei den Verbrauchern: Nach dem Nachweis von Coli-Bakterien im Trinkwasser in drei Fuldaer Stadtteilen sowie Unterbimbach sollen die Einwohner mindestens bis Montagmittag ihr Leitungswasser abkochen. Bei höherer Konzentration können Coli-Bakterien Durchfall auslösen und für besonders geschwächte Menschen gefährlich sein. Sie können aber auch ein Anzeichen für noch gefährlichere Keime sein.

Bei einem Vorfall im Sommer 2012 in Thüringen waren in mehreren Trinkwasserproben sieben bis zehn Coli-Bakterien je 100 Milliliter nachgewiesen worden. Die Quelle der Verunreinigung war damals trotz intensiver Suche und Dutzenden Wasserproben nicht gefunden worden. Wie hoch die aktuelle Verunreinigung in den Fuldaer Stadtteilen und in Großenlüder nun ist, kann OsthessenNetz erst Montagvormittag mitteilen. „Das ist unerheblich. Ob ein, zwei oder 100 Coli-Bakterien je 100 Milliliter nachgewiesen werden – es gilt der Nullwert für coliforme Bakterien“, sagte Horst Noack von OsthessenNetz. Auch am Samstag konnte er noch keine Ursache für die Verschmutzung mitteilen.

Coli-Bakterien kommen bei jedem Menschen natürlich vor und lösen normalerweise erst bei hohen Konzentrationen Erkrankungen wie Durchfall aus. „Bei einem Wert von 10 Coli-Bakterien je 100 Milliliter müsste ein gesunder Mensch 1000 Liter trinken, um in den Bereich einer gesundheitsgefährdenden Dosis zu kommen“, erläuterte der Leiter der Klinischen Infektiologie der Uniklinik Jena, Mathias Pletz. Vorsichtig sollten allerdings alte oder von Krankheiten geschwächte Menschen sein.

Abkochen ist sehr wirksam

Trinkwasser darf
laut Verordnung in Deutschland keine Coli-Bakterien aufweisen, weil sie ein Indikator für andere, gefährlichere Darmkeime sein könnten. Diese ließen sich durch das vom Amt empfohlene fünfminütige Abkochen jedoch sehr gut abtöten. Ob OsthessenNetz Chlor einleitet, wird in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt frühestens am Sonntag entschieden. Das erklärte Mitarbeiter Noack am Samstag auf Nachfrage von fuldaerzeitung.de.

Im Wasser in mehreren Fuldaer Stadtteilen und im angrenzenden Großenlüder aus einem Brunnen des Versorgers OsthessenNetz waren schädliche Coli-Keime entdeckt worden. Das Unternehmen hatte deshalb am Freitag mitgeteilt, dass die betroffenen Haushalte ihr Trinkwasser abkochen müssen. Die Warnung betraf die Orte Industriepark Fulda-West, Malkes, Besges und Rodges sowie Unterbimbach. Die drei kleinen Fuldaer Stadtteile haben zusammen gemäß der Statistik des Bürgerbüros Fulda knapp 500 Einwohner. In Unterbimbach leben etwa 1.250 Einwohner.

Betroffen sind im Industriepark Fulda-West indes auch Unternehmen, die Lebensmittel produzieren. Nach dem Fund im Raum Erfurt mit etwa 280.000 betroffenen Abnehmern lagen insgesamt 19 Forderungen auf Schadenersatz vor. Im aktuellen Fall im Bereich Fulda/Großenlüder würden die nächsten Labor-Ergebnisse frühestens Montagmittag vorliegen, sodass die betroffenen Haushalte bis dahin ihr Wasser weiter abkochen sollten.

Was das Trinkwasser im Sommer 2012 in Teilen Thüringens verseucht haben soll, wurde ein halbes Jahr später heftig diskutiert. Die Quelle für die Coli-Bakterien war die Ohra-Talsperre. Das habe der Chef der Thüringenwasser GmbH (Thüwa), Andreas Reinhardt, öffentlich vor dem Ausschuss für Ordnung und Sicherheit des Erfurter Stadtrates angegeben, berichtete die „Thüringer Allgemeine“. Starker Regen nach langer Trockenheit habe demnach massenhaft tierisches Material wie Kot oder Überreste von Kadavern aus den Wäldern in den Wasserspeicher gespült. Damit seien die Bakterien in außergewöhnlich hoher Konzentration aufgetreten, zitierte Reinhardt aus einem Gutachten. Trotz des Gutachtens stehe aber die Ursache für die Trinkwasser-Verunreinigung nach Angaben des Sozialministeriums weiter nicht fest. In dem Gutachten werde keine ursächliche Aufklärung der Verunreinigung mit Coli-Bakterien geleistet, sagte ein Sprecher. / sar, sts, dpa