Exzess in Fulda: So erlebte eine junge Frau die Attacke

18. August 2016
Fulda

Der Fall eines 17-Jährigen, der am frühen Sonntagmorgen mehrere junge Frauen in der Fuldaer Innenstadt bedrängt und verprügelt hatte, sorgt für Entsetzen. Anastasija von Alkier aus Petersberg ist eines der Opfer. Tage später versucht sie, mit dem Angriff klarzukommen.

Von unserem Redaktionsmitglied Markus Kubiak

Am kommenden Freitag wird Anastasija von Alkier 21 Jahre alt. Ihren Geburtstag wollte sie eigentlich mit ihren Freundinnen in Fulda feiern. Doch der Plan ist jetzt gestrichen. Vergangenen Samstag ist sie das vorerst letzte Mal in der Stadt gewesen, sagt sie. An jenem Abend liefen die 20-Jährige und ihre Freundinnen einem 17-jährigen Betrunkenen über den Weg, der wahllos Frauen bedrängte und schlug. Ebenfalls zu seinem Opfer wurde Anastasija von Alkier.

Sie hatte Besuch. Eine Freundin kam nach Fulda. Am Abend gingen sie in die Stadt. Dort stießen vier weitere Mädchen hinzu, alle etwa 20 Jahre alt. Es war bereits am frühen Morgen, als die Sechsergruppe zusammen nach Hause aufbrach. Auf dem Weg zu den Autos kamen ihnen auf Höhe der Handelsschule Herrmann drei Männer entgegen. Einer von ihnen wurde gestützt.

17-Jähriger holte wahllos aus

Der Gehweg war an dieser Stelle eng, zu eng, dass die sechs Frauen nebeneinander gehen konnten. Von Alkier lief hinter ihren Freundinnen, sah dennoch den Betrunkenen auf sich zukommen. Plötzlich sei er nach vorn gestürzt, sagt sie. „Es sah so aus, als wäre er gestolpert.“ Doch es war schlimmer.

Der 17-Jährige holte aus und versuchte, – aus dem Nichts heraus – ihre Freundin zu schlagen. Er verfehlte. Bevor die jungen Frauen realisierten, was sich gerade abspielte, holte der junge Mann erneut aus – und suchte sich ein neues Opfer.

Schwarz vor Augen

Mit geballter Faust schlug er gegen den Unterkiefer der 20-jährigen Anastasija von Alkier. „Hätte ich meinen Kopf nicht weggedreht, hätte er mir die Nase gebrochen“, ist sie sich sicher.

Alles drehte sich, ihr wurde schwarz vor Augen. „Ich habe nicht verstanden, was los ist: Was habe ich ihm getan? Wieso hat er mich geschlagen?“ Später im Krankenhaus diagnostizierte ein Arzt eine Gehirnerschütterung und einen geprellten Kiefer.

Als sie die Polizei anrief, war die bereits auf dem Weg. Warum, wurde wenig später klar. Zwei weitere junge Frauen stießen zur Gruppe. Offenbar war von Alkier nicht das erste Opfer an diesem Abend.

„Ich habe es mit der Armlänge Abstand versucht“

Zwei andere Frauen hatte der 17-Jährige zuvor massiv bedrängt – und anschließend ebenfalls zugeschlagen. Oberkörperfrei stand der junge Mann vor ihnen, die Hand im Intimbereich, erzählten die aufgebrachten Frauen. Sie schrien nach Hilfe, rannten davon – die Männer verfolgten sie.

„Die beiden waren verängstigt“, erinnert sich von Alkier. Als die Polizei eintraf, platzte es aus einer der beiden heraus: „Ich habe es mit der Armlänge Abstand versucht. Hat super funktioniert“, sagte sie spöttisch. Sie hatte ein blaues Auge, aus der Nase lief Blut.

Brutalität macht 20-Jährige fassungslos

Die Polizei nahm den Täter fest. Seine Brutalität macht Anastasija von Alkier selbst Tage später fassungslos: „Er hat im Vorbeigehen zugeschlagen – völlig grundlos.“

Eine Frage lässt von Alkier nicht mehr los: „Was wäre wohl passiert, wenn wir nicht zu sechst, sondern nur zu zweit gewesen wären?“ Angst habe sie keine, sagt sie dennoch. Nur der Gedanke, den Angreifer wiederzutreffen, bereite ihr Bauchschmerzen. Deswegen geht sie zunächst abends nicht mehr in Fulda weg. „Zumindest nicht ohne meinen Freund.“

Den 17-Jährigen, einen unbegleiteten Flüchtling, erwarten nun mehrere Anzeigen, heißt es von Seiten der Polizei. Welche das genau sind, muss noch zusammengetragen werden. Eine Anzeige von Anastasija von Alkier ist jedenfalls dabei – obwohl sie nicht an eine gerechte Strafe glaubt. „Weil er noch ein Jugendlicher ist, wird er mit Samthandschuhen angefasst“, vermutet sie.

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