Spektakulärer Fall vor Gericht: Prozess-Start zur Entführung von Markus Würth

11. September 2018
Schlitz/ Gießen

Rund drei Jahre nach der Entführung des Sohnes von Schrauben-Milliardär Reinhold Würth aus einer Behinderteneinrichtung in Schlitz hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Kidnapper begonnen. Der 48-Jährige musste sich am Dienstagmorgen wegen erpresserischen Menschenraubes vor dem Landgericht Gießen verantworten.

Spektakulärer Fall vor Gericht: Prozess-Start zur Entführung von Markus Würth

2015 wurde der Milliardärssohn entführt. Archivfoto: Volker Nies

Ein riesiges Medienaufgebot begleitete den Prozessstart in Gießen. Mit Handschellen wurde der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt. Der Offenbacher mit serbischen Wurzeln soll den behinderten, erwachsenen Sohn des baden-württembergischen Unternehmers Reinhold Würth im Juni 2015 in Schlitz-Sassen entführt und drei Millionen Euro Lösegeld gefordert haben. Nach einer gescheiterten Übergabe wurde Markus Würth einen Tag später in einem Wald bei Würzburg unversehrt an einen Baum gekettet gefunden.

Außergewöhnlicher Fall

Der Fall ist aus zweierlei Gründen außergewöhnlich: Thomas Hauburger, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, erklärte: Ein Stimmgutachten von Wissenschaftlern wird im Mittelpunkt stehen – eine Besonderheit.“ Es sei ein Novum, dass ein solches Gutachten das zentrale Beweismittel in einem Verfahren sei, erläuterte Hauburger. Die Experten hatten einen Telefon-Mitschnitt des Entführers analysiert.

Außerdem sei der Fall spektakulär, weil das Opfer die Entführung unversehrt überstanden hat. „Das ist leider nicht immer so“, so der Sprecher.

Dass der Entführte Markus Würth, damals 50, aufgrund einer Behinderung nicht sprechen kann, „hat ihm sehr wahrscheinlich das Leben gerettet“, hatte der Leiter der Fuldaer Kriminalpolizei, Daniel Muth, gegenüber unserer Zeitung im März erklärt. Kurz davor war der Tatverdächtige festgenommen worden.

Bis zu 15 Jahre Haft

Der Mann bestreitet die Tat. Seit seiner Festnahme sitzt er in Gießen in Untersuchungshaft.

Der erste Prozesstag war kurz: Nur die Anklageschrift wurde verlesen. Demnach wird dem 48-jährigen Familienvater erpresserischer Menschenraub vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm 5 bis 15 Jahre Haft.

12 Zeugen geladen

Das Landgericht Gießen will den Fall an insgesamt zwölf Prozesstagen bis Anfang Dezember verhandeln. Zwölf Zeugen – darunter auch die Mutter des Entführten Carmen Würth – werden gehört.

Die Ermittlungen der Polizei nach weiteren Tatbeteiligten laufen unterdessen weiter. / jev, dpa

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