Reges Balzgeschehen des Birkwilds im Frühling

26. Mai 2014
Rhön

Der Bestand des Birkwilds in der Rhön hat sich stabilisiert. So interpretiert der Birkwildhegeringleiter, Christoph Helm, das Ergebnis der jüngsten Birkwildzählung. Elf Hähne und sieben Hennen wurden im Naturschutzgebiet Lange Rhön, dem Himmeldunkberg und am hessischen Roten Moor gesichtet.

Gebietsbetreuer Torsten Kirchner ist hoffnungsvoll, dass sich das rege „Balzgeschehen“ auch auf die Fortpflanzung auswirkt und endlich die Talsohle bei der Entwicklung der Population durchbrochen werden kann. Eine erfolgreiche Brut vom vergangenen Jahr nährt die Hoffnung.

Allerdings sind die Zahlen in diesem Jahr nicht sehr aussagekräftig, wie Kirchner erläutert. Nicht nur in der Rhön war der Frühling besonders mild, sondern auch in Mittelschweden. Da mussten die ehrenamtlichen Helfer um Kirchner, Berufsjäger Christian Lintow und den hessischen Ranger Georg Sauer, die dort wieder Hähne und Hennen einfangen wollten, um sie in der Rhön auszuwildern, früher als üblich in den Vorjahren Richtung Schweden starten. Denn fangen lassen sich vor allem die weiblichen Tiere nur beim witterungsabhängigen Höhepunkt der Balz.

Mit fünf Hähnen und acht Hennen kehrten sie in die Rhön zurück – aber das ganz kurz vor der Birkwildzählung. Da die Tiere natürlich sofort freigelassen wurden, brachten sie das Zählergebnis doch etwas durcheinander. Ein Teil der Vögel wurde bei der Zählung registriert, ein anderer bleibt in der ersten Zeit in der neuen Heimat vollständig in Deckung und manche Tiere entfernen sich erst einmal weit weg von ihrem Freilassungsort, erläutert Kirchner. Dennoch sieht er eine Stabilisierung des Birkwildbestands in der Rhön. Im Vorjahr waren sechs Hähne und zwei Hennen registriert worden, in diesem Jahr hatte er vor der Auswilderung der Schwedenimporte immerhin schon acht Hähne gesichtet.

Mit der diesjährigen Auswilderung, die einmal mehr von der Wildlandstiftung, den Birkwildhegeringen aus Bayern und Hessen, der hessischen Verwaltungsstelle für das Biosphärenreservat und Rhön-Sprudel unterstützt wurde, läuft die für fünf Jahre geltende Genehmigung der schwedischen Behörden zunächst einmal aus. Nach dieser Vereinbarung durften maximal 15 Tiere im Jahr für die Rhön gefangen werden. Insgesamt wurden in dieser Zeit 68 Tiere (45 Hähne und 23 Hennen) in die Rhön gebracht.

Das erste Fazit lautet, dass mit der Auswilderung als ein besonders wichtiges Ziel das Aussterben des Birkwilds in der Rhön verhindert wurde. Der Bestand hat sich nach Kirchners Ansicht auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Zudem gilt als nachgewiesen, dass neue Gene in die Population eingebracht wurden.

Ein weiteres entscheidendes Ziel wurde allerdings noch nicht erreicht. Der Rhöner Birkwildbestand hat offenbar die Gefahr des Aussterbens noch nicht endgültig überwunden. Denn trotz der Fangaktionen gab es in den vergangenen Jahren kaum Nachwuchs. Auch hier ist das Wetter ein wesentlicher Grund. „Dass 30 bis 50 Prozent der Alttiere pro Jahr verloren gehen“, ist normal, so Kirchner. Sie werden gefressen, von Autos angefahren oder kommen auf andere Art ums Leben. Normal sei dann aber, dass diese Verluste über den Nachwuchs ausgeglichen würden. / ic