„Unsicherheit, aber gute Voraussetzungen“: Sternekoch Rosin krempelt Rhöner Berggasthof um

15. Februar 2016
Hausen

Der Berggasthof „Rother Kuppe“ startet mit neuer Speisekarte und vielen guten Ratschlägen in eine bessere Zukunft – das wünschen sich Inhaberin Anja Schill, ihre Mutter Ramona Hacker, Küchenchef Peter Heberer aus Schlitz und vor allem der bekannte Starkoch Frank Rosin, der einige Tage lang das Traditionsgasthaus durchleuchtete, Schwachstellen erkundete und für Verbesserungen sorgte.

Von Regina Vossenkaul

Im April 2015 hatte Anja Schill den Berggasthof mitten in der nordbayerischen Rhön übernommen und damit den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Bekannt war ihr die Gaststätte aus einer Aushilfstätigkeit im Service, und sie wusste, dass sich dort viele Wanderer und Urlauber einfinden, die die schöne Aussicht genießen wollen, und dass der Rhönklub-Zweigverein Nordheim, der Verpächter, dort sein Vereinsheim hat.

„Am Anfang lief alles gut, aber dann blieben viele Gäste weg, nur Kaffee und Kuchen waren noch gefragt – davon kann man nicht leben“, berichteten Anja Schill und Ramona Hacker. Sie bewarben sich bei Frank Rosin für die Sendung „Rosins Restaurants“ und hatten Glück. „Wir erhielten einen Anruf, dass wir auf der Liste stehen, und eines Tages stand Rosin plötzlich vor der Tür“, erinnert sich Anja Schill.

„Ich bin von Anfang an involviert.“

Inzwischen ist viel passiert und die Phase der Neugestaltung wurde mit dem Testessen der geladenen Gäste abgeschlossen. Bei einem Pressetermin beantwortete Frank Rosin viele Fragen. Das Format „Rosins Restaurants“ sei zu einer richtigen Community geworden, berichtet der aus Dorsten stammende Sternekoch (seit 2011 zwei Michelin-Sterne), der mit vielen von ihm auf Vordermann gebrachten Restaurants immer noch in Verbindung steht.

Nach Besuch von Starkoch Rosin: Fuldaer Restaurant Eidmann’s abends richtig voll

Seit 2009 sei er „auf Sendung“ und strebe die 100. Folge an. Bis zu 500 Anfragen von Gastronomen erreichen ihn pro Jahr – da heißt es abwägen und genau hinschauen, ob der Betrieb Potenzial hat und sich der Hilfseinsatz lohnt. „Ich bin von Anfang an involviert“, bestätigte Rosin.

Ärgert es ihn, dass so viele Quereinsteiger denken, in der Gastronomie müsse man nichts können und ein Betrieb laufe fast von allein? Wirklich „unsäglich“ findet er mangelnde Qualität beim Wein und bei Speisen. „Beherbergung und Beköstigung sind die ältesten Dienstleistungen der Gesellschaft. Das setzt Bildung und fachliches, ökonomisches Wissen voraus.“ Gegen Quereinsteiger hat er nichts, wenn der nötige Hintergrund aus den Bereichen Gastronomie oder Betriebswirtschaft vorhanden ist.

Rosin: Ernährungslehre ein ganz wichtiges Schulfach

Welche Probleme traf er vor Ort an? Die Küche, die mit Hilfe eines Mietkochs betrieben wurde, bereitete im Berggasthof Schwierigkeiten. Inzwischen konnte mit Peter Heberer aus dem Raum Fulda ein neuer Küchenchef eingestellt werden. Er formte eifrig Semmelknödel für das Testessen, als ein Blick in die Küche gestattet wurde. „Ein bisschen stressig“ fand der Neuling das Ganze, er arbeitet jedoch nach der Devise „man lernt nie aus“.

Unsicherheit, aber insgesamt gute Voraussetzungen bescheinigte Rosin der Inhaberin, die gut mit Menschen umgehen kann. Sie habe die Selbständigkeit vielleicht ein wenig zu leicht genommen, ist seine Meinung. Was Rosin am Herzen liegt, ist der Erhalt der Kochkultur, wobei die Globalisierung auch hier nicht Halt macht. „Warum nicht regionale Küche mit internationalen Bestandteilen kombinieren?“ fragt er. So entstehen zum Beispiel „Neapolitanische Rouladen“, die dem Geschmack der Leute mehr entgegenkommen als die bekannte Zubereitung aus Omas Zeiten.

Rosins fieser Trick: So wollte der TV-Koch das Eidmann’s in Fulda in den Dreck ziehen

„Kochsendungen finde ich wichtiger als die Tagesschau, die jede Stunde wiederholt wird“, beantwortet Rosin eine entsprechende Frage. Er bedauert, dass die Deutschen und besonders die Kinder, die mit Kita- und Mensaessen aufwachsen und noch nicht einmal ein Butterbrot dabei haben, das Kochen verlernen. „Ernährungslehre in der Schule ist ein ganz wichtiger Beitrag. Sie muss das vermitteln, was zu Hause oft nicht mehr geschieht“, meint er. Die Kochsendungen zeigen, dass frisches Kochen nicht länger dauert als der Griff in die Tiefkühltruhe.

Ausstrahlung für den 29. März geplant

„Meine Intention ist es, Menschen zu helfen“, sagt Rosin, der seit 25 Jahren selbständiger Koch ist und 1991 das Restaurant „Rosin“ in seiner Heimatstadt Dorsten eröffnete. Seine Empathiefähigkeit und sein fachliches Können sind Teil des Erfolgs der mittlerweile achten Staffel von „Rosins Restaurants“. Hinter ihm steht ein Team mit Aufnahmeleiter Alexandru Pisculescu, Autor Florian Grewert, Kosmetikerin Sonja Heinekind und Bauleiter Willi (Matthias Wilke), um nur einige zu nennen.

Hat sich Anja Schill das so vorgestellt, als sie Rosin um Hilfe gebeten hat? „Man muss Kritik vertragen können, aber sie hilft uns weiter“, lautet ihr Fazit. Etwas anderes als die ehrliche Meinung des Fachmanns würde ja nichts bringen. Die Ausstrahlung dieser Folge von „Rosins Restaurants“ ist für den 29. März, 20.15 Uhr, auf Kabel 1 vorgesehen, Änderungen vorbehalten. Kürzlich war der Sternkoch auch in einem Lokal in Fulda tätig. Lesen Sie hier mehr: Rosins fieser Trick: So wollte der TV-Koch das Eidmann’s in Fulda in den Dreck ziehen.