Biosphärenreservat-Verwaltung muss umziehen – Groenhoff-Haus marode

02. September 2019
Gersfeld/Hilders

Der bauliche Zustand des Groenhoff-Hauses auf der Wasserkuppe ist so schlecht, dass die Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön, die dort untergebracht ist, im Frühjahr auszieht. Die 21 Mitarbeiter werden dann im Gebäude der Konrad-Zuse-Schule in Hilders ein neues Zuhause finden.

Von unserem Redaktionsmitglied Rainer Ickler

„Der Platz ist beengt, die technische Ausstattung unzureichend, der bauliche Zustand schlecht und die Heizkosten enorm hoch“, umschreibt Landrat Bernd Woide die Problematik. „Wir mussten handeln. In den nächsten Wochen wird das Schulgebäude in Hilders für die Belange des Biosphärenreservats hergerichtet.

Das berichtet er auf Nachfrage unserer Zeitung. Das soll aber nur für eine Übergangszeit der Fall sein. „Die Verwaltungsstelle mit dem Informationszentrum gehört auf Hessens höchsten Berg. Deshalb ist es das Ziel des Landkreises, das Groenhoff-Haus zu sanieren, damit die Mitarbeiter wieder gute Arbeitsbedingungen vorfinden.“

Dringender Sanierungsbedarf

Derzeit sei dies nicht der Fall. Dass das Groenhoff-Haus dringend saniert werden muss, ist schon lange bekannt. Im Kreistag war dies schon häufiger Thema. „Das Problem sind aber die Besitzverhältnisse und die Größe des denkmalgeschützten Areals auf der Wasserkuppe“, sagt Woide. Denn der Gebäudekomplex gehört Land Hessen, das es an die Deutsche Jugend des Ostens verpachtet hat. „Da die Jugendbildungsstätte Wasserkuppe GmbH aber insolvent ist und das Verfahren derzeit läuft, bewegt sich nichts, hinsichtlich einer Sanierung“, bedauert Woide.

„Nicht ansatzweise sehe ich finanzielle Hilfen des Landes“, kritisiert er. So wie es aussieht, bleibt für den Landkreis nur übrig, die Immobilie vom Land zu übernehmen und sie zu sanieren, sodass die Verwaltungsstelle wieder einziehen kann. „Wir müssen zu einer Lösung kommen“, betont Woide.

Laufendes Insolvenzverfahren

Für ihn könnte es eine Möglichkeit sein, dass der Kreis nur den vorderen Teil des Komplexes saniert und an das Land vermietet. Die Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates sei Aufgabe des Landes. So könnte die Investition von geschätzten zehn Millionen Euro refinanziert werden. All dies sei jetzt Inhalt der Verhandlungen mit dem Land.

Das Finanzministerium verweist auf das laufende Insolvenzverfahren und erklärt: „Über die weitere Zukunft des Landesgrundstücks auf der Wasserkuppe steht das Land aktuell in Gesprächen mit dem Landkreis Fulda.“ „Es ist bedauerlich, dass es derzeit keine Lösung für eine Sanierung gibt“, sagt Verwaltungsstellenleiter Torsten Raab.

Bürgermeister: Zustände sind untragbar

Seit sieben Jahren werde darüber ergebnislos verhandelt. Das Land müsste doch ein Interesse haben, dass sich das einzige hessische Biosphärenreservat, dazu noch auf Hessens höchstem Berg, möglichst vielen Menschen ordentlich präsentiert. „Derzeit ist es keine Vorzeigeadresse“, kritisiert Raab. Er schaut neidisch nach Bayern, wo die Verwaltungsstelle in einem Top-Zustand sei. „Wir hängen am Standort Wasserkuppe und hoffen, dass wir möglichst schnell wieder in ein saniertes Haus zurück können.

Auch die Stadt Gersfeld ärgert sich über die Situation. Bürgermeister Steffen Korell (CDU) sagte am Donnerstag im Rahmen der Stadtverordnetensitzung, er sei in Kontakt mit der hessischen Staatskanzlei, „damit sich das Land endlich um seine Liegenschaft kümmert“. Die Zustände seien untragbar, so Korell.

Die Hessische Verwaltung des Biosphärenreservats Rhön ist im Dezember 1998 von Wüstensachsen auf die Wasserkuppe ins Groenhoff-Haus gezogen. Derzeit haben 21 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz im Groenhoff-Haus – darunter sieben Ranger und vier Beschäftigte des Vereins Natur- und Lebensraum Rhön (VNLR). Die Bürogemeinschaft Biosphärenreservat und VNLR ist vertraglich festgehalten. Deshalb werden auch die Mitarbeiter des VNLR mit in die Räume in Hilders ziehen.

Das 1936 errichtete denkmalgeschützte Gebäude diente als Verwaltungsgebäude der Reichsflugschule. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1998 wurde das Haus als Verwaltungsgebäude militärisch genutzt. Anschließend zogen die Jugendbildungsstätte Wasserkuppe, die Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats und ein Regionalladen in das Gebäude. Es gehört dem Land, das es 1998 an die Jugendbildungsstätte Wasserkuppe verpachtet hat.