Saison nach dem Flugzeug-Unglück auf der Wasserkuppe: Viel weniger fremde Piloten gelandet

04. Dezember 2019
Wasserkuppe

Ein Jahr ist vergangen seit dem tragischen Flugzeugunglück auf der Wasserkuppe, bei dem drei Menschen gestorben sind. Die Saison ist bei der Fliegerschule Wasserkuppe relativ normal verlaufen – von zwei Ausnahmen abgesehen.

Das Flugzeug-Unglück im Oktober 2018 hat drei Menschen – eine Mutter (39) und ihre beiden Kinder (11 und 12 Jahre) – aus dem Leben gerissen. Das Unglück hat sich in unterschiedlicher Art und Weise auf den Flugbetrieb auf Hessens höchstem Berg ausgewirkt.

Eine Auswirkung ist: Der Verkauf von Gutscheinen für Rundflüge, ein gefragtes Weihnachtsgeschenk in den Vorjahren, ist im Herbst 2018 eingebrochen. Ab dem Frühjahr hat sich dies allerdings wieder normalisiert: Dann seien wieder in alter Zahl Rundflüge gebucht worden. Das berichtet Flugschulleiter Harald Jörges im Gespräch mit unserer Zeitung.

Neue Bestimmungen für fremde Piloten

Auch aufgrund der neuen Bestimmungen, die nach dem Unglück getroffen wurden, hat sich viel geändert. Die neue Regel lautete, dass fremde Piloten nur nach einer Einweisung der Fliegerschule auf der Wasserkuppe landen dürfen.

Dadurch ist die Zahl der Landungen fremder Piloten drastisch zurückgegangen, sagt Jörges. „Nur zehn auswärtige Piloten haben im vergangenen Jahr den höchsten deutschen Flugplatz angeflogen.“ In den Jahren zuvor seien es jährlich jeweils rund 500 gewesen.

„Für uns ist es nicht weiter schlimm“, sagt er, weist aber darauf hin, dass viele der Crew-Mitglieder Kaffee getrunken, etwas gegessen oder Souvenirs gekauft hätten. Sie seien ein Wirtschaftsfaktor auf der Wasserkuppe.

Einweisungen für 40 Piloten

Etwa 40 Piloten haben in diesem Jahr eine Einweisung erbeten und erhalten, damit sie die Voraussetzungen für das Starten und Landen nach der Katastrophe auf der Wasserkuppe erfüllen. Ausgenommen davon sind die Fluglehrer. Sie erfüllen eine zweite Voraussetzung: Sie sind schon mindestens dreimal auf der Wasserkuppe gelandet und gestartet.

Der Leiter geht davon aus, dass sich die Zahl der fremden Piloten bei 80 bis 100 einpendeln werde. „Dies ist eine Zahl, mit der wir leben können.“ Denn fremde Maschinen müssten immer wieder zwischen die Schulflüge geschoben werden. „Das beeinträchtigt uns“, sagt Jörges.

Zahl der Schüler gleich geblieben

Bei den Schulungen und Weiterbildungen ist die Zahl im Vergleich zu den Vorjahren in etwa gleich geblieben. Im Jahr 2018 waren es 323, in diesem sogar 324 Kunden, wie Jörges diejenigen nennt, die eine Dienstleistung von der Fliegerschule in Anspruch genommen haben.

Es seien wieder viele Schüler im Segelflug ausgebildet worden, freut er sich, darunter auch Anfänger, die das Fliegen erlernt und einen Alleinflug absolviert haben. Die Zahl derjenigen, die eine Ausbildung für Motorflugzeuge in Anspruch genommen haben, sei mit zwei Dutzend in etwa gleich geblieben.

Wasserkuppe als „Berg der Segelflieger“

Er weist darauf hin, dass die Flugschüler nicht nur aus Osthessen, sondern aus einem weiten Umkreis kommen. Dies beweise, dass die Wasserkuppe der Berg der Segelflieger und nach wie vor gefragt sei, nicht nur in der Region, sondern in ganz Deutschland. „Wir haben einen guten Ruf“, sagt der 62-Jährige.

200 Soldaten absolvieren Übungen

Stolz ist der Fliegerschulenleiter auf die rund 200 Soldaten der Bundeswehr, die jetzt schon seit mehreren Jahren zur Aus- und Weiterbildung auf die Wasserkuppe kommen. Und ebenfalls stolz ist Jörges über den neuen Flugsimulator. Er werde die Ausbildungsqualität erhöhen, denn dadurch könne man sehr gut Extremsituationen beim Fliegen trainieren.

203 Flugtage Rekord

Die Zahl der Starts und Landungen auf der Wasserkuppe im zu Ende gehenden Jahr ist etwas zurückgegangen. Jörges nennt 12 700 gegenüber den knapp 14 000 im Jahr zuvor. Da habe man aber auch 23 Flugtage mehr gehabt.

Mit 203 Tagen Flugtagen sei im wettertechnisch gesehen extrem schönen Jahr 2018 ein neuer Rekord aufgestellt worden. / ic, jev

Tödliches Flugzeug-Unglück auf Wasserkuppe: Schuldfrage weiter unklar

Drei Menschen sind bei einem Flugzeug-Unglück auf der Wasserkuppe im Oktober 2018 gestorben. Ein Flieger schoss über die Landebahn hinaus und erfasste eine Mutter und ihre beiden Kinder auf einem Gehweg. Ein Jahr nach dem schweren Unfall ist die Frage noch offen: Wie konnte es dazu kommen?

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