„Roboter zahlen keine Sozialabgaben“: Richard David Precht beim Fuldaer Wirtschaftstag

07. September 2018
Fulda

„Digitale Revolution: Die Zukunft der Arbeit“ – unter diesem Titel stand der Vortrag, den Prof. Dr. Richard David Precht am Freitag beim 25. Fuldaer Wirtschaftstag im Maritim Hotel gehalten hat. 360 Gäste kamen in die Orangerie, um dem Philosophen und Bestsellerautoren zu lauschen.

Die Digitale Revolution verändert die Grundstrukturen unserer Gesellschaft – und zwar drastischer und unabänderlicher als das bei jeder anderen Revolution in der Vergangenheit der Fall gewesen war. Von diesem Standpunkt aus referierte Prof. Dr. Richard David Precht über die Zukunft der Arbeit. Wie verändert die Digitalisierung den Arbeitsmarkt? Was bedeutet das für das Bildungswesen, das Gesundheitssystem, den Sozialstaat? Welche Probleme entstehen und wie lassen sich diese lösen?

Auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft würden immer mehr Berufe von Maschinen übernommen werden. Besonders das Finanzwesen, das Verkehrssystem und das Verwaltungssystem seien davon betroffen. Sicher seien dagegen Berufe, in denen Einfühlsamkeit, Kreativität, Moral, ästhetisches Empfinden und Humor gefragt sind. Zudem kämen durch die Digitalisierung neue Berufe hinzu – besonders im IT-Sektor. „Es ist aber ein Irrtum, zu glauben, dass dieselben Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz durch eine Maschine ersetzt werden können, den hohen Anforderungen in der IT-Branche gerecht werden.“ Hohe Arbeitslosenzahlen seien die Folge.

360 Gäste: 25. Fuldaer Wirtschaftstag im Maritim Fulda läuft

Unter dem Motto „Lust auf Zukunft: Ideen - Bewegung - Aufbruch" ist am heutigen Freitag der 25. Wirtschaftstag im Maritim Fulda gestartet. Noch bis heute Abend können die Besucher Kontakte knüpfen, Impulse für das eigene Unternehmen mitnehmen und den Vorträgen prominenter Referenten lauschen.

Dies würde nicht nur die Wirtschaft schwächen, sondern auch den Sozialstaat zum Kollabieren bringen. Denn zum demografischen Wandel komme noch ein anderes Problem: Arbeitslose und Roboter zahlen keine Sozialabgaben. „Die bürgerliche Leistungsgesellschaft, in der wir uns als Folge der Industriellen Revolution befinden, kommt durch die Digitale Revolution zu einem Ende“, stellte Precht fest. Er fordert das bedingungslose Grundeinkommen.

„Ich glaube, das bedingungslose Grundeinkommen ist die einzige Antwort auf den sich durch die Digitalisierung verändernden Arbeitsmarkt“, sagt Precht. Das Geld hierfür soll aus der Finanztransaktionssteuer kommen. „Warum besteuern wir Arbeit? Und nicht das Kapital, was eben nicht durch Arbeit entsteht?“, fragt er. Laut Precht würden sich die durch die Arbeitslosigkeit sinkende Kaufkraft und das bedingungslose Grundeinkommen ausgleichen, sodass es nicht zu einer Inflation kommen würde.

„Fuldas Finest" feiert Premiere am Wirtschaftstag: Magazin für gehobenen Lifestyle

Kaviar, Autos, Hightech: „Fuldas Finest" widmet sich den luxuriösen Seiten unserer Region. Die Zeitschrift, die vom Verlag Parzeller herausgegeben wird, feierte am heutigen 25. Fuldaer Wirtschaftstag seine Premiere - und stieß auf große Begeisterung.

In der anschließenden Fragerunde las Dr. Christian Gebhardt – passend zum Thema Digitalisierung – die Fragen des Publikums vom Handy ab. Precht antwortet ähnlich eloquent und humorvoll, wie er bereits während seines etwa einstündigen Vortrags aufgetreten war.

Prof. Dr. Richard David Precht ist Philosoph, Autor, Journalist und Dozent. Er hat Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Köln studiert. Heute arbeitet er als Honorarprofessor für Philosophie an der Leuphana Universität Lüneburg und für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Sein Sachbuch „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ erschien 2007 und blieb wochenlang auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste. Im ZDF moderiert er die Talkshow „Precht“, für die er 2013 den Deutschen Fernsehpreis verliehen bekommen hat. / sre