Rockergruppe verurteilt: Fünf Männer erhalten Freiheitsstrafen auf Bewährung

16. September 2019
Fulda/Neuhof

Urteil im Prozess um eine Rockergruppe: Fünf Männer sollen im Februar 2017 eine Gruppe Jugendlicher in Neuhof eingesperrt, genötigt und zum Teil verletzt haben. Am Montagnachmittag lautete das Urteil vor dem Landgericht Fulda: Freiheitsstrafen im Bereich von sieben Monaten bis zwei Jahren – auf Bewährung.

Der Vorsitzende Richter Dr. Jochen Müller verurteilte die fünf Angeklagten zu Freiheitsstrafen im Bereich von sieben Monaten bis zwei Jahren.

Er sprach sie der Freiheitsberaubung in Tateinheit mit Nötigung schuldig. Vier der fünf Angeklagten befand das Gericht außerdem der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung für schuldig.

Angeklagte hatten sich geständig gezeigt

Alle Urteile wurden – nicht zuletzt, weil sich alle Angeklagten geständig gezeigt, sich bei den Geschädigten entschuldigt und ihnen Schmerzensgeld gezahlt hatten – zur Bewährung ausgesetzt.

Mit dem Strafmaß fand Richter Müller in den meisten Fällen ein Mittelmaß zwischen den Forderungen von Anklage und Verteidigung.

Mutmaßliche Vergewaltigung der 13-jährigen Tochter

Das Gericht sah folgenden Tatverlauf als erwiesen an: Als der nach Mainz verzogene Hauptangeklagte davon erfuhr, dass seine in Neuhof lebende 13-jährige Tochter einen 18-Jährigen wegen Vergewaltigung angezeigt hatte, trommelte der Vater vier Männer zusammen, die mit ihm zusammen in der Mainzer Rockergruppe „Rules Five“ waren.

Vater trommelte Rockergruppe zusammen

Gemeinsam fuhren die zwischen 29 und 51 Jahre alten Männer nach Neuhof, um den 18-Jährigen sowie einen 24-Jährigen, der ebenfalls in die Vergewaltigung involviert gewesen sein soll, mit Kutten sowie einem Baseballschläger ausgestattet, einzuschüchtern und zu bestrafen.

In einem Jugendtreff in Neuhof angekommen, traf die Rockergrupp auf rund zehn Jugendliche. Diese zwangen sie, ihre Personalien, Geld sowie etwaige Drogen vorzulegen.

Beschuldigte gar nicht vor Ort

Dabei kamen leichte Drogen für den Eigenbedarf zum Vorschein. Die Rocker stellten bei der anschließenden Befragung fest, dass die Gesuchten nicht unter den anwesenden Jugendlichen waren, und diese auch nicht wussten, wo sie zu finden seien.

Danach beschuldigte der Hauptangeklagte den anwesenden Jugendbetreuer, Drogen an die Jugendlichen zu verkaufen und schlug ihn mehrmals, wobei dem heute 24-Jährigen das Nasenbein gebrochen wurde.

270 Euro und Drogen mitgenommen

Ein zweiter Jugendlicher, dessen Zweithandy klingelte, wurde ebenfalls geschlagen und erlitt einen Cut über dem Auge. Danach verließen die Rocker den Treff, wobei sie die Drogen sowie 270 Euro aus den Geldbörsen der Jugendlichen mitnahmen.

/ mlo