Schweigemarsch für 134 Deportierte: Erinnerung an NS-Verbrechen

05. Dezember 2019
Fulda

Zum Gedenken an 134 Deportierte trafen sich circa 70 Passanten, um in Stille vom Jerusalemplatz zum Bahnhof zu laufen und an die Opfer aus dem Jahre 1941 zu gedenken.

Eine angespannte Stimmung zwischen Nachdenklichkeit und Gedenken lag in der Luft, als die gut 70 Teilnehmer des Schweigemarsches vom Jerusalemplatz, wo sich der frühere jüdische Friedhof befand, zum Bahnhof lief. Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft, eine neunte Klasse der Winfridschule und Passanten kamen zusammen, um zu gedenken.

„Wir müssen wissen, was geschehen ist.“

Zu gedenken an die 134 Deportierten, die im Alter zwischen zwei Monaten und 76 Jahren waren. „Die Vernichtung der Juden war erschreckend. Nichts sollte mehr an sie erinnern. Aber genau deswegen sind wir hier, um an sie zu erinnern. Wir müssen wissen, was geschehen ist, um gegen heutigen Rassismus und Antisemitismus zu kämpfen“, plädierte Anja Listmann, die seit vielen Jahren zum Schicksal der jüdischen Bürger in Fulda und in anderen Städten der Region forscht und den Marsch organisiert hat.

Zettel mit Bildern, Namen und Todesorten

Zu Beginn des Marsches verteilte Listmann Zettel, auf denen Bilder, Namen und Todesorte der Opfer standen. Symbolisch wurden diese zum Bahnhof getragen. Dort sprachen die Teilnehmer die Daten laut aus. „Wir wollen die Tonaufnahme an die Familien der Opfer schicken. Sie alle können sich gar nicht vorstellen, wie viel ihnen es bedeutet, dass Sie heute hier erschienen sind“, so Listmann.

Hintergrund: Am 8. Dezember 1941 wurden 135 Menschen von den Nationalsozialisten von Fulda nach Riga deportiert und zum großen Teil dort ermordet. Zunächst wurden die Juden versammelt und durften einen Koffer und Handgepäck mitnehmen. Einen Tag später wurden die Opfer in Waggons gepfercht und anschließend nach Kassel und daraufhin in die Hauptstadt von Lettland transportiert. „Ziel ist, dass wir in Fulda an alle Deportationen erinnern, nicht nur an die vom Dezember 1941, sondern auch an die der Sinti und Roma im März 1943 und die zweite und dritte der Fuldaer Juden im Mai und September 1942“, sagt Anja Listmann. / vn, mic

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