Schwerpunkt in Hessen: Planenschlitzer schlugen in Osthessen zweieinhalbmal so oft zu wie 2013

29. Juli 2016

Sie sind auf der Suche nach Lkw-Ladung: sogenannte Planenschlitzer. Vor allem auf osthessischen Autobahnrastplätzen haben die organisierten Banden 2015 Beute gemacht.

Laut einer Statistik des hessischen Landeskriminalamtes schlugen sie im Zuständigkeitsbereich der Polizei Osthessen 62-mal zu. Im Vergleich zu 2013 mit 25 Delikten liegt die Zahl damit zweieinhalbmal so hoch. Osthessen bildet den Schwerpunkt im Bundesland: Hessenweit waren 2015 insgesamt 145 Fälle zur Anzeige gebracht worden.

Erbeutet wurden unter anderem Haushaltselektronik wie Flachbildschirme und Kaffeemaschinen, Bekleidung und auch Lebensmittel, erklärt Fuldas Polizei-Pressesprecher Christian Stahl. 2013 sorgte in der Region ein als Nutella-Bande bekannt gewordenes Quintett für Aufsehen. Es hatte zwischen Herbst 2012 und Mai 2013 Sattelauflieger aufgebrochen und Diebesgut im Wert von 600.000 Euro gestohlen. Ertappt wurden sie auf frischer Tat beim Uladen von Nutella-Gläsern.

Die Ursache

Dass rund vier von zehn Fällen in Osthessen geschehe, hat laut Stahl die Ursache vor allem in der Dichte der Verkehrswege: In die Zuständigkeit osthessicher Polizisten fallen Abschnitte von der Autobahnen A4, 5, 7 und 66. „Betroffen sind meist kleinere, dunkle Parkplätze“, sagt Stahl. Dort müssten Täter kaum damit rechnen, entdeckt oder von anderen Fahrern, die den Rastplatz ansteuern, gestört zu werden. Auch dass die Region relativ dünn besiedelt ist, spiele den Dieben in die Hände.

Urteil gegen Nutella-Bande ist rechtskräftig

Das Vorgehen der Planenschlitzer ist meist immer dasselbe: Sie schlitzen nachts die Plane eines abgestellten Lkws zunächst an einer Stelle auf, um zu schauen, was geladen ist und während der Fahrer schläft. Wird die Beute als lohnenswert beurteilt, wird die Plane an mehreren Stellen sichelförmig aufgeschnitten oder die Ladetüren aufgebrochen, um die Ware schnell auf Transporter oder Klein-Lkw umzuladen. „Dabei wird meist arbeitsteilig vorgegangen“, so der Polizist. Eine Gruppe sondiere, eine andere lade ab, weiteren stünden Wache und übernähmen die Vermarktung. Die Ermittler vermuten daher organisierte Banden als Tätergruppen. „Das sind Profis, die wissen, wo was zu holen ist.“ Daher gingen mit Festnahmen von Planenschlitzern die Fallzahlen selten zurück. Die kriminellen Organisation rekrutiere schnell Nachfolger.

Ein Schutz vor Planen-Schlitzern ist praktisch unmöglich. „Man kann nie wissen, wann, wo und wie die Täter zuschlagen“, sagt Polizei-Pressesprecher Christian Stahl. Er und seine Kollegen empfehlen Brummifahrern, für Pausen gut beleuchtete und möglichst bewachte, große und stark frequentierte Parkplätze anzufahren. Auch ein fester Anhänger sei besser als ein Planenzug, dieser sei jedoch teurer in der Anschaffung als ein Planenzug. Sollte ein Fahrer in seiner Schlafkoje dennoch einmal bemerken, dass sein Lkw ins Fadenkreuz von Planenschlitzern geraten ist, sollte er „nicht den Helden spielen“. Stahl: „Bei der Flucht nehmen die Täter keine Rücksicht.“ / nz