Seit 13 Jahren eine Ruine: Gehringshof hat jetzt neuen Besitzer

07. Mai 2015
Neuhof/Eichenzell

Der Gehringshof hat einen Eigentümer. Thiemo Schmitt aus Dorfborn hat das geschichtsträchtige Anwesen zwischen Neuhof-Hattenhof und Eichenzell-Büchenberg gekauft. Bevor der Landwirt das Gelände allerdings nutzen kann, ist er mit Aufräumen beschäftigt – und mit Ruinen-Touristen.

Der Gehringshof, ein ehemaliges landwirtschaftliches Anwesen, hat eine bewegte Geschichte. Das Anwesen gibt es vermutlich seit dem 16. Jahrhundert und gehörte einst zur Propstei Johannesberg. 1929 erwarb die Kibbuz-Haddati-Bewegung das Gelände und bereitete dort junge Juden auf die Ausreise nach Palästina vor.

Nach Kriegsende versammelten sich hier Holocaust-Überlebende – erneut, um sich auf eine Ausreise vorzubereiten. 1948 übernahm die AWO das Anwesen, machte daraus ein Erholungsheim, ab den 1980er Jahren ein Flüchtlingsheim. 2001, die Flüchtingswellen aus dem Balkan ebbten ab, verließ die AWO den Gehringshof. Seither steht er leer – und verkommt.

Zerbrochene Fensterscheiben, eingetretene Türen, herausgerissene Kupferdrähte, Grafitti überall: Der Gehringshof ist eine Ruine. „Jedes Wochenende herrscht hier Halligalli“, sagt Thiemo Schmitt. Seit Ostern gehört ihm das Anwesen, eigentlich will der Dorfborner Landwirt die 11,5 Hektar als Weideland für seine Schafe nutzen. „Aber der Gehringshof scheint Chaoten magisch anzuziehen“, ärgert sich der 41-Jährige. Ob Ruinen-Touristen, jugendliche Rowdys aus dem Dorf, Zerstörungswütige oder Sprayer: „Meine Tiere wären hier nicht sicher.“

Dabei ist die Bausubstanz der Gebäude gut. Aber weil ständig, gerade am Wochenende, Unbekannte sich auf dem Gelände vergnügen, verfällt es schneller, als Schmitt aufräumen kann. So ist zum Beispiel eine Wand im ehemaligen Kuhstall nass, es schimmelt dort. „Da hat jemand die Regenrinne heruntergerissen, deswegen läuft jetzt Wasser rein“, erklärt Schmitt. Selbst das Metallgeländer einer Treppe wurde entwendet. Überall liegen Scherben rum. „Meine erste Aufgabe ist jetzt erst mal, die Eingänge zu den Gebäuden zuzusperren, damit zumindest im Inneren nicht mehr zerstört wird.“

Thiemo Schmitt hat durchaus Pläne mit dem Gehringshof. Landwirtschaft kann er sich hier vorstellen, eine Bepflanzung mit Obstbäumen, wie es seine Familie jetzt schon am Landrücken macht. Auch ein Bauernlädchen oder Ferienwohnungen würden gut hierher passen, in die abgeschiedene Idylle mit Blick auf den Rippberg. „Aber eine Privatperson kann das hier nicht alleine leisten“, sagt Schmitt. / kir