Serie zum Musical: Der „Boni-Talk“

13. August 2019
Fulda

Es ist das Open-Air-Event des Sommers: „Bonifatius“ auf dem Domplatz. In der Reihe „Boni-Talk“ stellen wir Menschen vor, die am Musical beteiligt sind. Heute: Frank Winkels und Max Gertsch.

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

Schauspieler zu treffen, deren Namen man parat und von denen man ein Promofoto gesehen hat, ist manchmal etwas schwierig. Denn nicht immer erkennt man sie in natura. Bei Max Gertsch ist das anders. Denn er ist bekannt als Andreas Zielonka aus der Serie „Mord mit Aussicht“, einem TV-Favoriten nicht nur des Feuilletons. „Ich glaube, wir sind verabredet“, ruft der 55-Jährige dennoch als Erster, als wir uns in der Nähe des Bonifatius-Denkmals begegnen und noch auf seinen Kollegen Frank Winkels warten.

Zeit genug, um kurz aufzuzählen, auf wie vielen Hochzeiten Gertsch in Fuldas Open-Air-Spektakel tanzt: Er ist Lullus, Karl Martell, der Papst und ein Gesandter. Gertsch nennt sich damit lachend einen „Springer“, dessen Rollen zwar nicht groß sind, aber die Geschichte natürlich vorantreiben. Oder umklammern, wie er im Hinblick auf Lullus sagt, den späteren Bischof von Mainz und Hersfeld, der im Stück ein lenkend-wachsames Auge auf Willibald hat, den Chronisten von Bonifatius.

Zwei Gegenspieler, die sich gut verstehen

Wie er an die vier Rollen gekommen ist? „Über Stefan Huber, den Regisseur“, sagt der gebürtige Berner. Beide haben schon oft miteinander gearbeitet, so oft, „dass ich mir gar nicht genau ansehen musste, was er mir diesmal anzubieten hatte, um zuzusagen“. Dann springt er auf: „Frank, hier sind wir!“

Sollte man nicht meinen, dass sich zwei Gegenspieler so gut verstehen... Hier der Papst, dort Bischof Gewilip. Auch Frank Winkels, der jetzt zum „Boni-Talk“ hinzustößt, ist über Huber nach Fulda gekommen.

Wer ist Gewilip? Oder genauer: Wie legt der Niederrheiner ihn an? Denn immerhin wäre es ein Leichtes, aus dem Mann einen reinen Bösewicht zu machen. „Interessant ist die Frage, woher seine Moral oder eben Nicht-Moral kommt“, sagt Winkels im Hinblick auf den Bischof, der so gar nichts Gottesfürchtiges an sich hat. Hinzu kommt dessen innere Entwicklung. Denn zunächst ist ihm Bonifatius ja „nur“ ein Dorn im Auge. Doch nach der Absetzung durch den Papst (Gertsch grinst) geht es ans Eingemachte. Die Klaviatur der Gefühle. Abneigung, Zorn, Wut. „Es gibt eine Szene“, verrät Winkels, „in der Gewilip dann richtig Angst bekommt, Kirchenfürst hin oder her.“

Noch nicht den Dom angesehen

Die Stadt Fulda hatten beide übrigens bis dato nicht auf der persönlichen Landkarte. Winkels gibt zu, noch nicht einmal den Dom gesehen zu haben, „keine Zeit“. Denn bis zum gerade vergangenen Wochenende hatte er in Ettlingen noch ein Engagement, er war Don Quijote in „Der Mann von La Mancha“ und pendelte deswegen zunächst hin und her. Und Gertsch? „Mir war bislang lediglich der ICE-Halt bekannt“, gibt er zu. „Aber es ist so schön hier, die Altstadt, das Schloss. Herrlich.“ Ob die Musicalfirma spotlight ihrem Ruf als „große Familie“ denn gerecht würde? Unisono sagen beide: „Ja.“ Und schwärmen von den Kollegen, dem Catering und voneinander.

Natürlich kann Max Gertsch nicht gehen, ohne auf „Mord mit Aussicht“ angesprochen zu werden. Segen oder Fluch, dass er als Andreas Zielonka richtig populär wurde? „Das ist so toll“, sprudelt es aus ihm heraus. „Ich merke immer, wenn die Leute mich sehen und zu tuscheln beginnen: Das ist doch der Andy.“