Sozialstaatssekretärin Anne Janz zu Besuch beim MVZ Rhön – ein Projekt mit Vorbildcharakter

17. September 2019
Poppenhausen

Die Staatssekretärin des Hessischen Sozialministeriums Anne Janz (Bündnis 90/Grüne) lobte bei ihrem Besuch in Poppenhausen das Medizinische Versorgungszentrum Rhön. Alle Anwesenden betonten bei dem Treffen: Damit ist es für den ländlichen Raum nicht getan.

Von unserem Redaktionsmitglied Lea Marie Kläsener

„Dass Sie hier sind, beweist, dass Sie es ernst meinen mit dem ländlichen Raum“, empfängt Manfred Helfrich, Bürgermeister in Poppenhausen (CDU), die Staatssekretärin Anne Janz (Bündnis 90/Grüne). Die Grünen-Politikerin besuchte am Dienstag die Hausarztpraxis in Poppenhausen, die von Dr. Martin Wittig geleitet wird.

Die Praxis ist Teil des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Rhön, das seit Frühjahr besteht. Im MVZ sind die Ärzte nicht mehr selbstständig, sondern angestellt. Sie tragen zudem nicht mehr das wirtschaftliche Risiko einer Praxis und werden bei der Bürokratie entlastet. „Ich habe Medizin studiert, aber ich bin kein BWLer“, fasst es Wittig zusammen.

Vor dem MVZ drohte die Schließung

Mitglied des MVZ sind die Praxen in Poppenhausen und Ebersburg-Schmalnau, die, bevor das MVZ gegründet wurde, vor der Schließung standen. Gesellschafter sind der Gersfelder Urologe Dr. Werner Holtermann und Dr. Daniel Nolte, Hausarzt in Rothemann. Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Land Hessen, Landkreis Fulda und den Gemeinden Poppenhausen und Ebersburg.

Andere werden ähnlichen Weg gehen

„Landauf, landab wird die Frage gestellt: Wie geht es mit unserer gesundheitlichen Versorgung weiter?“, sagt Anne Janz. „Wenn man krank und unterstützungsbedürftig ist, und dann ist da keiner mehr – das macht Angst.“

Wenn man Schmerzen hat, könne man keine 50 Kilometer zu einem Arzt fahren. „Ich weiß, dass es einen gewissen Start-Up-Mut braucht, um so etwas wie das MVZ zu gründen“, lobte die Staatssekretärin.

Sie dankte der Beratungsfirma und den beiden Politikern Helfrich und Brigitte Kram, Bürgermeisterin von Ebersburg (CDU). „Mit dem Ärzte-Netzwerk haben Sie hier eine gute Infrastruktur zum Bleiben“, sagt Janz. Es sei ein spannendes Projekt und „sicher eins, das – wenn es klappt – andere ermuntern wird, ähnliche Wege zu gehen.“

Weiterhin werden mehr Mediziner gebraucht

Frederik Schmitt, Erster Kreisbeigeordnete des Landkreises Fulda (CDU), brannten „zwei Themen unter den Nägeln“: erstens der Nachwuchs und zweitens die Regresse, die freiberufliche Ärzte zunehmend unter Druck setzen würden. „Ich bin der Auffassung, dass wir den ein oder anderen Mediziner mehr gebrauchen könnten.“

Brigitte Kram nannte Janz eine „Anwältin des ländlichen Raums“. Sie plädierte dafür, den ländlichen Raum separat zu begutachten – auch wenn es um die gesundheitliche Versorgung gehe. „Solange wir mit der Stadt Fulda in einen Topf geworfen werden, braucht es engagierte Menschen.“ Janz stimmte ihr gewissermaßen zu: „Vor 15 Jahren war es nicht en vogue, auf den ländlichen Raum zu schauen, wir haben zentriert. Heute gibt es eine gegenteilige Entwicklung.“

Nur ein Teil der hausärztlichen Kapazitäten abgedeckt

Markus Knöfler, Geschäftsführer von der Beratungsfirma Conclusys, betonte den bisherigen Erfolg des Projekts MVZ: „Wir konnten sehr kurzfristig fast 30% der hausärztlichen Kapazitäten in der hessischen Rhön retten.“ Man könne ein solches Projekt in die Öffentlichkeit tragen und damit Nachwuchs generieren, „aber das reicht nicht“.

Janz reagierte darauf: „Das muss ja nicht der letzte Besuch der Staatssekretärin sein.“ Sie begleite weitere Schritte gerne.