„Einzigartiges Projekt in Deutschland“: Spatenstich für erstes Altenheim für Menschen mit Behinderung

08. November 2018
Fulda

Die Caritas will für 5,5 Millionen Euro gleich zwei Projekte unter einem Dach vereinen: eine spezialisierte Pflegeeinrichtung für ältere behinderte Menschen und eine Tagesstätte für Menschen mit erworbener Hirnschädigung. Beim Spatenstich am Donnerstagvormittag gab es viel Lob für das hessenweit und wohl auch deutschlandweit einmalige Vorhaben.

Es ist ein „einzigartiges Projekt“, darin waren sich die Redner einig. Neben den Caritas-Werkstätten in der Fuldaer St. Vinzenz-Straße soll das neue Gebäude entstehen.

Alternde Gesellschaft

Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch und Vorstand Ansgar Erb erklärten, 32 Plätze werde es geben. „Denn Menschen mit Behinderung werden – so ist ja insgesamt der Trend in der Gesellschaft – immer älter und brauchen dementsprechend eine geeignete Betreuung“, erklärte Juch. Erb fügte hinzu, dass die Idee bereits seit 2013 in den Köpfen der Verantwortlichen ist. „Bereits da hat man den Bedarf erkannt“, so Erb.

„Der Bau dauert hoffentlich nicht fünf Jahre“, flachste der Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU). Er gesteht, er sei damals skeptisch gewesen, ob das Projekt tatsächlich umgesetzt wird. „Heute können wir mit dem Spatenstich sicher sein, dass es wirklich vorangeht“, freute er sich und nannte das Vorhaben eine Schaffung eines „innovativen Angebots“.

„Müssen eine Wir-Gesellschaft werden“

Der OB sowie auch Staatssekretär Dr. Wolfgang Dippel (CDU) betonten, dass es „auf den Menschen ankommt“. Dippel: „Wir müssen wieder mehr zu einer Wir-Gesellschaft werden.“

Die Menschen mit Behinderung gehören in die Mitte der Gesellschaft – so beschrieb es Professor Dr. Gerhard Stanke, ständiger Vertreter des Diözesanadministrators des Bistums Fulda. „Auch Jesus hat die Not der Menschen gesehen.“ So sehe auch die Caritas, wo sich Notsituationen ergeben.

Es geht um Wertschätzung

Die Wertschätzung eines jeden einzelnen Menschen sei wichtig, darin waren sich die Redner einig, zu denen auch Vertreter des BDH, die künftige Grünen-Landtagsabgeordnete Silvia Brünnel sowie Dr. Andreas Jürgens vom Landeswohlfahrtsverband gehörten.

Kinder des Kindergartens St. Andreas sowie der blinde Caritas-Bewohner Werner Neubauer (Mundharmonika) mit Harald Kirchner (Akkordeon) umrahmten die Feier.

Richtfest im Sommer 2019, Einzug 2020

Caritas-Aufsichtsratsvorsitzender Msgr. Elmar Gurk segnete das Grundstück und mit dem Spatenstich ist nun der Baustart besiegelt. Im Sommer 2019 soll Richtfest gefeiert werden und im Sommer 2020 die ersten Bewohner einziehen. / jev

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