Spezielle Implantation: Fuldaer Neurochirurg operiert Maori-Mädchen (4) in Neuseeland

07. März 2018
Fulda/Auckland

Der Fuldaer Neurochirurg Professor Dr. Robert Behr hat in Neuseeland mehrere ertaubte Patienten operiert. Dabei setzte er auf ein sehr spezielles Implantationsverfahren, schulte Kollegen in Auckland. Zu seinen Patienten gehörte bei der Reise Anfang März auch das vierjährige Maori-Mädchen Maraia.

Professor Dr. Robert Behr, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am Klinikum Fulda, ist ein Pionier der Implantation des „Auditory Brainstam Implantat“ (ABI). Er hat bisher schon mehr als 120 Patienten aus 20 Ländern operiert, darunter mehr als 30 Kinder. Das Ziel: Die Patienten sollen vor Taubheit bewahrt oder es soll ihnen eine Chance auf Teilhabe an einer Welt mit akustischen Reizen eröffnet werden.

Ein Hirnstamm-Implantat (englisch: Auditory Brainstem Implant, ABI) ist ein kleines elektronisches Gerät zur direkten Stimulierung der Hörbahnen im ersten Hörkern im Gehirn, das heißt im Hirnstamm. Dazu muss eine dreieinhalb mal fünf Millimeter große Platte mit zwölf Elektroden in der richtigen Position auf den Hörnervenkern mit einer Oberfläche von vier mal fünf Millimeter gesetzt werden.

Noch nicht viele Chirurgen beherrschen das ABI-Implantationsverfahren, so Professor Dr. Robert Behr: „Wir haben das Ziel, Expertise zu vermitteln, damit neuseeländische Patienten in ihrer Heimat versorgt werden können. Das Krankheitsbild ist nicht so häufig, und der Erfahrungsschatz, den es braucht, um das Implantat einzusetzen, ist nicht so schnell aufgebaut. Wir wollen Erfahrung ins Land bringen.“

Den Hörnerv zerstören kann zum Beispiel die Neurofibromatose Typ II, eine Erbkrankheit, die Nerventumore verursacht. Laut dem Klinikum Fulda leben allein in Deutschland, 2000 bis 3000 Menschen, die – vor allem in jungen Jahren – ertaubt sind oder noch ertauben werden, weil sie an einer Neurofibromatose Typ II erkrankt sind. Jährlich kommen allein hierzulande mehr als 20 neue Patienten hinzu.

Gleich am ersten OP-Tag in Neuseeland, am Montag, operierte der Fuldaer Neurochirurg schon zwei Kinder. Darunter auch das viereinhalb Jahre alte Maori-Mädchen Maraia. „Schon im Neugeborenen-Screening wurde die Ertaubung festgestellt. Die Mutter wollte ein Implantat, aber die Großmutter, die in der Familie traditionell das Sagen hat, hatte sich gesperrt“, berichtet Professor Dr. Robert Behr.

Es folgten viele Gespräche von den Kollegen vor Ort, bis schließlich die Großmutter überzeugt war, dass eine Operation für Maraia die einzige Chance ist, durch Hören kommunizieren zu können. „Die OP lief absolut glatt, keine Komplikationen – Gott sei Dank. Dennoch, es war sehr schwierig“, so Professor Dr. Robert Behr. „Der Eingang zum Nukleus cochlearis war verwachsen und schwer zu öffnen.“

Aktuell gibt es laut Angaben des Fuldaer Klinikums weltweit fünf chirurgische Teams, die das ABI-Verfahren beherrschen. Eines, das um Professor Dr. Robert Behr, ist am Fuldaer Krankenhaus beheimatet. Wenn alles reibungslos läuft, dauert eine Hirnstamm-Implantation dreieinhalb bis viereinhalb Stunden. Vor Neuseeland hat der Fuldaer Neurochirurg das ABI-Verfahren bereits neben vielen europäischen Ländern schon in Russland Indien, Singapur, Hongkong, Japan und Südafrika eingeführt. / sar