Staatsanwaltschaft: Fahrer war Schwager des tödlich Verunglückten

27. November 2019
Bad Salzschlirf

Im Fall um den 28-Jährigen, der nach einem Unfall von vier Fahrzeuginsassen zurückgelassen wurde und später an seinen Verletzungen starb, kommt immer mehr Licht ins Dunkel.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

Der Unfall ist beobachtet worden. Das erklärte Harry Wilke, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Fulda, am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung. Demnach sind Zeugen am Samstagabend hinter dem Dacia gefahren, als dieser von der Straße abkam und sich mehrmals überschlug. Die Zeugen sahen Personen, die vom Unfallort wegliefen. Als sie den schwerverletzten 28-Jährigen neben dem Unfallauto entdeckten, riefen sie Notarzt und Polizei. Der Mann starb später im Klinikum Fulda.

Er wurde am schwersten verletzt, weil er nach jetzigem Kenntnisstand hinten links saß. Dort war der Aufprall offenbar so heftig, dass die Autotür herausgerissen wurde. Ob er angeschnallt war, müsse geklärt werden, so Wilke. Zur Todesursache soll eine Obduktion Aufschluss geben.

Bis zu fünf Jahre Haft möglich

Die anderen vier Fahrzeuginsassen waren „maximal leicht verletzt“. Es handelt sich um drei Männer (zwischen 27 und 28) und eine Frau (30). Laut Wilke müsse man noch ermitteln, ob sie den Verletzten bewusst haben liegen lassen. Dann könnte auf sie eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung zukommen. Drei wurden vernommen und wieder freigelassen. Der 27-Jährige, der den Dacia gefahren ist, sitzt in U-Haft.

Er muss sich wegen fahrlässiger Tötung, Straßenverkehrsgefährdung und Verkehrsunfallflucht verantworten. Falls er verurteilt wird, erwartet ihn ein Strafmaß, das von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Gefängnis reicht. Der 27-Jährige ist laut Wilke mit der Schwester des Unfallopfers verlobt – und damit sozusagen der Schwager des Verstorbenen.

„Alle waren alkoholisiert“

Die fünf Personen, die in dem Auto saßen, sind polnische Staatsbürger. Sie arbeiten alle bei einer Firma aus Aschaffenburg und das Unfallauto war ein Firmenwagen. Sie waren in Bad Salzschlirf in Wohnungen untergebracht worden. Wohin sie am Samstagabend unterwegs waren oder woher sie kamen – dazu äußerte sich Wilke nicht. Aber er sagte: „Alle waren alkoholisiert. Da ging’s ums Feiern.“

Bei dem Fahrer, der einige Stunden nach dem Unfall festgenommen worden war, ist bei einem Atemalkoholtest ein Wert von einem Promille festgestellt worden, das Ergebnis des Bluttests steht allerdings noch aus. „Er selbst sagt, er sei nicht betrunken gewesen“, so Wilke.

Schwerverletzten zurückgelassen: 27-Jähriger gibt zu, Fahrer bei tödlichem Unfall gewesen zu sein

Nachdem ein 28 Jahre alter Mann bei einem Unfall zwischen Großenlüder-Müs und Bad Salzschlirf tödliche Verletzungen erlitten hatte, hat ein 27-Jähriger, der zunächst geflüchtet war und später zunächst bestritten hatte, das Auto gefahren zu haben, nach intensiven Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei doch gestanden, am Lenkrad gesessen zu haben.

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