Video: Wahlkrimi ums Schlösschen - Johannes Rothmund siegt knapp mit 50,58 Prozent

09. Februar 2020
Eichenzell

Spannender hätte die Stichwahl ums Bürgermeisteramt in Eichenzell nicht sein können: Mit 50,85 Prozent – gerade einmal 90 Stimmen Vorsprung – hat Johannes Rothmund (CDU) gewonnen. SPD-Kandidat Lutz Köhler holte 49,15 Prozent.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

Um 18.30 Uhr ist gut die Hälfte der Stimmen ausgezählt. Rothmund liegt knapp vorne. Doch fünf Minuten später hat Köhler mehr als die Hälfte der Stimmen. Am Ende reicht es für den SPD-Kandidaten allerdings nicht ganz: Obwohl er den Briefwahlbezirk, der zuletzt ausgezählt wird, mit 52,18 Prozent gewinnt, bleibt es für Köhler bei 49,15 Prozent.

Erleichtert und enttäuscht zugleich

„Es ist egal, ob es 45 oder 49 Prozent sind. Verloren ist verloren. Es bleibt die goldene Ananas“, sagt Köhler, nachdem das Ergebnis raus ist. Er ist schon seit 18 Uhr im Eichenzeller Schlösschen. Während die Ergebnisse reinkommen, ist er nervös. Als es vorbei ist, macht sich bei ihm die Erleichterung breit – einerseits – weil der Wahlkampf vorbei ist, „andererseits bin ich natürlich auch enttäuscht. Ich habe viel Herzblut reingesteckt und hätte mein Hobby Kommunalpolitik gerne zum Beruf gemacht“.

Als Fraktionsvorsitzender der SPD will er der Gemeindevertretung aber erhalten bleiben und wird dabei mit dem zukünftigen Rathauschef Johannes Rothmund zusammenarbeiten, dem er wenig später gratuliert.

Applaus für Rothmund

Um kurz vor 19 Uhr kommt Rothmund mit seiner Familie in den Saal, der sich inzwischen gut gefüllt hat. Bundes- und Landtagsabgeordnete von CDU und SPD, viele Bürgermeister und andere Kommunalpolitiker aus Stadt und Kreis, Feuerwehrmitglieder und Weggefährten der beiden Kandidaten sind gekommen, um die Ergebnisse zu verfolgen und dem Sieger zu gratulieren.

Als Rothmund hereinkommt, brandet Applaus auf. Wie schon beim ersten Wahldurchgang vor zwei Wochen hat er das Ergebnis mit seiner Familie bei seinen Eltern in Welkers abgewartet.

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„Das erste, was meine Frau dazu gesagt hat, war ein Jubelschrei.“ Es sei ein Abend, der spannender nicht hätte sein können. „Ich sage immer: Gute Pferde springen knapp“, erklärt Rothmund und bedankt sich bei seinen Mitbewerbern Lutz Köhler und Harald Friedrich, der als Kandidat der Bürgerliste antrat und beim ersten Durchgang mit 20,99 Prozent der Stimmen ausschied.

„Es war ein fairer, anstrengender, aber auch lehrreicher Wahlkampf“, fasst Rothmund zusammen. Auch Edwin Balzter (CDU), Vorsitzender der Gemeindevertretung, lobt die Kandidaten für einen fairen Wahlkampf. Er sei froh, dass Köhler, der als ausgleichender Kommunalpolitiker bekannt sei, der Gemeindevertretung erhalten bleibe.

Ein echter Wahlkrimi

Amtsinhaber Dieter Kolb (parteilos) erklärt, dass Eichenzell mit beiden Kandidaten gut hätte leben können: „Eine Wahl lebt von der Auswahl. Wenn man einen Wahlkrimi schreiben würde, hätte man es nicht besser machen können. 90 Stimmen, das ist nicht viel.“

„Du hast es spannend gemacht“, sagt Heiko Stolz (CDU), Vorsitzender der Bürgermeister-Kreisversammlung zu Johannes Rothmund. Er freue sich, dass der CDU-Mann gewonnen hat: „Du bist jemand, der gut feiern kann – das ist ja auch wichtig für einen Bürgermeister.“

Und gefeiert wird an dem Abend auch noch – erst im Schlösschen, später dann im Bürgerhaus in Welkers.

Live-Ticker: Johannes Rothmund ist neuer Bürgermeister von Eichenzell

Update (20 Uhr): Johannes Rothmund war erleichtert und überglücklich, als er mit seiner Familie den Kultursaal des Schlösschens betrat: „Die Auszählung mit ihrem Hin und Her war extrem stressig für mich. Es war aber klar, dass es knapp werden würde." Rothmund dankte den beiden Mitbewerbern Lutz Köhler und Harald Friedrich für einen fairen Wahlkampf.

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