Zeitreise ins 18. Jahrhundert rund um Schloss Fasanerie

11. August 2019
Fulda

Dampf steigt von einem Kessel auf. Darin brodelt die Flüssigkeit, die in einigen Wochen Bier sein wird. Es riecht nach offenem Feuer. Die Brauer witzeln bei ihrer Arbeit. Von Fern sind Soldatenlieder zu hören. Plötzlich kracht es. Einmal, zweimal. Die Schlacht hat begonnen.

Von Simone Schinnerer

Viele Zuschauer halten sich im Park des Schlosses Fasanerie die Ohren zu, verfolgen das Geschehen aber gebannt: Britische Truppen, unterstützt von deutschen Jäger aus dem Bereich Hessen-Kassel, kämpfen gegen amerikanische Freiheitskämpfer. Sie stehen sich in weiter Entfernung gegenüber. Kanonen und Gewehre werden abgefeuert. Soldaten laden nach, rücken vor, ziehen sich zurück, sinken verletzt zu Boden. Ein letztes Aufbäumen der amerikanischen Kämpfer, bevor sie sich endgültig geschlagen geben und das Feld räumen. Dann kehrt wieder Ruhe ein – bis zur nächsten Schlacht.

Dank der Moderation des Geschehens erfahren die Zuschauer vieles über die Vorgeschichte, die Folgen, die Vorhaben und die Hintergründe – und erleben eine Schlacht von vor 238 Jahren. Genau das ist die Intention der Zeitreise ins 18. Jahrhundert, die am Samstag und Sonntag auf Schloss Fasanerie stattfand. „Geschichte soll als tolle Erfahrung präsentiert werden“, erklärt Andreas Clemens, Vorsitzender der Gesellschaft für Hessische Militär- und Zivilgeschichte.

Die Gesellschaft organisiert die vom Schloss Fasanerie veranstalteten Tage, um die Epoche des Rokoko erlebbar zu machen – „jenseits von Buchdeckeln, Glaskästen oder Mattscheiben“, sagt Clemens. Deshalb zeigen rund 550 Darsteller in Militär- und Zivilkostümen historische Szenen. Darunter je einmal am Tag die vorletzte große Schlacht des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges in Guilford Courthouse, North Carolina im Jahr 1781.

Doch es geht nicht nur um Militärisches, auch das zivile und höfische Leben des Rokoko werden thematisiert. Händler, Handwerker, Bürgerliche und selbstverständlich der Adel haben ihren Platz im Garten des Schlosses Fasanerie. Dabei werde streng darauf geachtet, ob die Mitwirkenden auch wirklich in die Jahre zwischen 1740 und 1786 passen, erklärt Clemens, der sich mit dem Verlauf der Veranstaltung bereits am Samstagabend sehr zufrieden zeigte.