700 Gäste beim Jahresauftakt der VR-Bank Fulda

10. Januar 2020
Fulda

Was ist der „Homo Instagramus“ und welche Auswirkungen wird er auf den Arbeitsmarkt haben? Darum ging es am Donnerstagabend beim Vortrag von Start-up-Gründerin Insa Klasing. Die Referentin sprach zum Jahresauftakt der VR-Bank Fulda im Künzeller Gemeindezentrum.

Von unserem Redaktionsmitglied Hanna Wiehe

„Im Jahr 2025 sind 75 Prozent aller Arbeitnehmer Millenials. Deshalb muss es uns interessieren, wie sie ticken und was sie brauchen“, machte Klasing gleich zu Beginn deutlich.

Millenials von zahlreichen Krisen geprägt

Diese jungen Menschen, in den 80er und 90er Jahren geboren, von der Referentin auch „Homo Instagramus“ genannt, seien in ihren Jahren des Aufwachsens von zahlreichen Krisen geprägt worden: dem 11. September, Fukushima, der Pleite von Lehman Brothers. Sie hätten zwar früh gemerkt, dass das Leben nicht sicher sei.

„Diese ,Generation Y‘ ist nicht faul oder gar narzisstisch“

Gleichzeitig hätten ihre Eltern sie darin bestärkt, dass sie alles werden können, was sie wollen. „Diese ,Generation Y‘ ist nicht faul oder gar narzisstisch: Sie haben hart gearbeitet und zahlreiche unbezahlte Praktika absolviert“, betonte Klasing. Es sei jedoch eine Generation, die alles hinterfrage. „Diese jungen Menschen werden nie ihre Zeit und Energie in etwas investieren, an das sie nicht glauben“, sagte die Referentin.

Es gehe um Selbstbestimmtheit besonders im Arbeitsmarkt

Selbstbestimmtheit – das sei der zentrale Punkt, auf den diese Generation auch auf dem Arbeitsmarkt bestehe. Verstärkt werde dies durch die Technologie: „Wir haben heute so viele Möglichkeiten. Wir können heute auf dem Handy auswählen, wohin wir morgen fliegen möchten. Wenn ich aber alles haben kann, dann glaube ich auch daran, dass ich wählen kann – und das gilt nicht nur für den Bereich der Reise“, sagte Klasing.

„Like-Buttons“ positive Bestätigung im Job?

Die Technologie bringt jedoch noch etwas anderes mit sich, was sie anhand des sogenannten „Like-Buttons“ in den sozialen Medien ausführte: Durch diese ständige positive Bestätigung konditioniert, erwarte die Generation das auch im Job. Dort treffe sie auf Chefs, die nach dem Motto arbeiten: „Nicht getadelt ist genug gelobt“.

Neue Impulse der nächsten Generation

Die Referentin zeigte in ihrem Vortrag aber auch auf, wie wichtig beide Seiten für ein erfolgreiches Unternehmen sind: die Kenntnisse und Erfahrungen des langjährigen Mitarbeiters und die neuen Impulse der nächsten Generation.

Buch – als Folge eines Reitunfalls

Über das Thema ihres Vortrags hat Klasing ein Buch geschrieben. Die Inspiration kam mit den Folgen eines Reitunfalls: Sie hatte zu der Zeit eine Führungsposition inne und musste in der Zeit ihres Krankenstands erkennen, wie eigenständig und kreativ ihr Team war und wie sehr es sich in ihrer Abwesenheit weiterentwickelt hatte. Als sie zurückkam, fiel es ihr nach eigenen Angaben „wie Schuppen von den Augen“: Selbstbestimmung, Autonomie, war entscheidend gewesen, befand sie.

Chefs als Visionäre, Ermutiger, Coaches

„Millenials brauchen Gestaltungsspielraum, sie möchten mit ihrem Team einen Unterschied machen in der Welt.“ Das heißt aber nicht, dass Chefs obsolet sind, im Gegenteil: Sie werden gebraucht, nach Klasings Thesen als Visionäre, Ermutiger, Coaches und als letzte Instanz in der Entscheidungsfindung.

VR-Bank-Vorstand über Folgen der Niedrigzinspolitik

Vor Insa Klasings Vortrag hatte der Vorstand der VR-Bank Fulda, Thomas Sälzer, die etwa 700 Gäste begrüßt. Die Bank könne mit der geschäftlichen Entwicklung 2019 zufrieden sein, erklärte er – obwohl sich die Rahmenbedingungen, insbesondere durch die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank verschärft hätten.

Gute Noten bei Focus Money

Diese werde die neue Präsidentin Christine Lagarde wahrscheinlich fortsetzen. Die Geschäftsmodelle der Banken seien davon direkt negativ betroffen. Stolz sei man dagegen auf das sehr gute Abschneiden im Vergleichstest von Focus Money, das die Bank als beste Beraterbank vor Ort im Geschäftskundenbereich ausgezeichnet hatte.

Neuer Vorstandssprecher bei VR Bank Fulda - klare Ziele formuliert

Die Bank begrüßt außerdem einen neuen Vorstandssprecher: Künftig werde Vorstandsmitglied Thomas Sälzer (52) sie nach außen vertreten, wie aus einer Mitteilung der Genossenschaft hervorgeht. Fairness, Transparenz und Vertrauen „Die Banken und Sparkassen stehen vor großen Herausforderungen. Da ist es wichtig, eine klare Vision zu haben und auch die Mitarbeiter davon zu überzeugen", sagt Thomas Sälzer.

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