Fotogalerie: Michael Schröter kämpft sich beim „Megamarsch Spezial“ auf Sylt ins Ziel

08. November 2018
Künzell/Sylt

100 Kilometer rund um Sylt – Michael Schröter wurde von mehr als 2000 Bewerbern ausgesucht und nahm mit 319 anderen am Megamarsch Sylt teil. Der Veranstalter ließ nur Marschierer bei diesem „Spezial“ mitmachen, die schon Erfahrung hatten.

„Ich bin an meine Grenzen gestoßen – und habe sie überwunden“, erzählt Michael Schröter. Der 42-Jährige marschierte 24 Stunden lang einmal um die Insel Sylt herum. Nach dem Start um 16 Uhr habe die Sonne geschienen und das Wetter sei perfekt gewesen.

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Nachts aber fielen die Temperaturen in den Minusbereich. „Ich habe alle meine Wechselklamotten angezogen“, erzählt Schröter. Neben der Kälte machten ihm Blasen an den Füßen, der Wind und der Sand zu schaffen. „Sylt ist eine ganze Ecke härter als andere Märsche“, findet Schröter.

Das alles habe ihm stark zugesetzt. „An den Verpflegungsstationen habe ich versucht, mich mit Suppen aufzuwärmen.“ Sein persönlicher Tiefpunkt war zwischen vier und fünf Uhr morgens. „Es war schon wahnsinnig lange dunkel. Ich hatte das Projekt und die Kälte satt.“ Trotzdem sei er wieder losgelaufen. „Als das Schwarz sich am Horizont gelichtet hat und ich ahnen konnte, wo die Sonne aufgeht, war ich motiviert“, sagt der Künzeller.

Ein Auslöser für seinen Tatendrang liege in seiner Vergangenheit: Nachdem bei ihm Epilepsie diagnostiziert wurde, habe Schröter immer mehr Medikamente nehmen müssen und litt unter starken Nebenwirkungen, während seine Symptome nicht abnahmen. 2017 wurde schließlich festgestellt, dass es sich um eine Fehldiagnose gehandelt habe und seine Beschwerden vom Herzen herrühren. Schröter bekam einen Herzschrittmacher und es ging ihm immer besser. Er lebt heute ohne Anfälle oder schlimme Nebenwirkungen.

Mit der neu gewonnenen Gesundheit setzte in Schröter ein neues Denken ein: „Ich möchte mich ausprobieren und nicht nur meine körperliche Leistung an die Grenze bringen, sondern auch meine mentale. Wenn ich denke, ich kann nicht mehr, soll sich in meinem Kopf ein Schalter umlegen, sodass ich weiterlaufe.“ Ein weiterer Grund für seine Teilnahme war die Insel an sich: „Wie kann man Sylt besser kennen lernen, als einmal rundherum zu laufen?“

Bereits im Mai hat der Künzeller einen 100 Kilometer-Marsch in München mit mehr als 2000 Teilnehmern absolviert und am Hindernislauf „Fisherman’s Friend StrongmanRun“ teilgenommen. Zur Vorbereitung wanderte er – vor allem in der Rhön. „Einmal bin ich nachts 60 Kilometer auf die Wasserkuppe und zurück gelaufen“, erzählt er.

Im Zieleinlauf hätten ihn seine Emotionen übermannt: Freude, Erleichterung und Stolz. Dass im Ziel seine Frau mit der kleinen Tochter gewartet hat, sei für ihn besonders schön gewesen. Neben ihm kamen 246 andere ins Ziel. Es sei eine bunt gemischt Teilnehmerschar jeden Alters gewesen. „Uns hat ein starkes Wir-Gefühl verbunden“, berichtet Schröter. Gerade weil die Teilnehmerzahl begrenzt war, habe man die Sache ernster genommen.

Interessierten gibt Schröter den Tipp, im Vorfeld auch den Rücken zu trainieren: „Keiner sagt dir, dass der weh tut wie verrückt wegen des Rucksacks.“ Er selbst konnte viel vom Marsch mitnehmen. „Ich bin ruhiger geworden und habe ein gestärktes Selbstwertgefühl. Es war das härteste in meinem Leben.“ Trotzdem hat Schröter schon Pläne für das nächste Jahr: „Ich möchte auf die Zugspitze und wieder runter – natürlich zu Fuß.“ / lea