Künzell in der Zwickmühle zwischen dichter und dörflicher Bebauung

26. November 2019
Künzell

Soll die Gemeinde darauf drängen, dass Grundstücke möglichst dicht, also mit vielen Wohnungen, bebaut werden? Oder soll sie eine dörfliche Bebauung mit wenigen Wohnungen fordern? Diese Frage wird Künzells Gemeindevertreter weiter beschäftigen. Eine Zwickmühle.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Anlass für die Diskussion in der jüngsten Sitzung der Künzeller Gemeindevertreter im Künzeller Rathaus war ein Antrag der CDU-Fraktion. Die Unionsfraktion verwies darauf, dass ein Bauträger zusammenhängende Grundstücke im Bereich Bonifatiusstraße 16/Biligrimstraße/Am Rössengraben erworben habe.

„Es ist zu erwarten, dass der neue Eigentümer eine nach dem alten Bebauungsplan maximale Bebauung realisieren möchte, um das für ihn beste wirtschaftliche Ergebnis zu erzielen. Das würde aber den dörflichen Charakter negativ beeinflussen und verändern“, warnte CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Bernd Katzer der Begründung des Antrags. Neun bis zwölf Wohnungen seien für das betroffene Areal ausreichend.

Druck auf Wohnungsmarkt groß

„Das Gelände ist sehr gut geeignet für eine Wohnbebauung. Der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist enorm groß – auch in der Gemeinde Künzell. Wo der Bau von Wohnungen möglich ist, sollte wir ihn deshalb ermöglichen“, hielt Bürgermeister Timo Zentgraf (parteilos) entgegen.

Im Ergebnis war er aber nicht weit entfernt von Katzers Vorstellungen: Zentgraf hielt den Bau von zwölf Wohnungen für gut. Das bedeute, dass eine Wohnung pro 250 Quadratmeter Gelände geschaffen werde. Innerhalb Künzells habe es in den vergangenen Monaten auch dichtere und weniger dichte Bebauung gegeben, sagte der Bürgermeister. Das Pilgerzeller Areal liege da in der Mitte.

Konzept für gesamtes Gemeindegebiet

Die Fraktionen von SPD und Grünen forderten, dass sich die Gemeinde generell um eine bessere Ausnutzung der Baugrundstücke durch Neubauten bemüht. „Das wäre dringend notwendig – nicht nur in Pilgerzell, sondern überall im Gemeindegebiet“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Dieter Lachnit. Er wünsche sich, dass die Gemeinde „ein Konzept aus einem Guss für das gesamte Gemeindegebiet und nicht nur für die Fläche in Pilgerzell schafft.“

„Wir drängen schon seit vielen Jahren darauf, dass im Wohnungsbau möglichst wenig Fläche pro Wohnung verbraucht wird – gerade in den stadtnahen Ortsteilen“, erklärte Grünen-Fraktionsvorsitzender Bernd Eckart. Er begrüße es, wenn das Grundstück in Pilgerzell, über das die Vertretung diskutiert, möglichst gut genutzt werde.

Weitere Beratungen in nächster Sitzung

Mit ihren Argumenten drangen SPD und Grüne aber nicht durch. Mit den Stimmen von CDU und CWE beauftragte die Gemeindevertretung den Gemeindevorstand, Regelungen zu erlassen, damit „eine ortsübliche, dörfliche Bebauung – wie beispielsweise zwei Wohneinheiten für 800 Quadratmeter“ sichergestellt wird.

Das könnte eine Veränderungssperre sein – demnach darf kein Bauvorhaben begonnen werden, bis die Gemeinde einen Bebauungsplan für den Bereich erlassen hat. SPD, Grüne und FDP stimmten gegen den dann beschlossenen Antragstext. Über die genauen Festlegungen in dem Bebauungsplan für den Bereich von Pilgerzell muss die Gemeindevertretung in einer ihrer nächsten Sitzungen ein weiteres Mal beraten.

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