Gasthaus Weber in Pilgerzell schließt – Wirtsleute gehen in Rente

14. Januar 2020
Pilgerzell

Nach mehr als 100 Jahren in Familienbesitz schließt dieser Tage das Gasthaus Weber in Pilgerzell. Gertrud und Reinhold Weber, die das Lokal seit 1977 geführt hatten, gehen in den Ruhestand.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Seit rund 120 Jahren ist das Gasthaus in Familienbesitz. Ferdinand Weber, ein Bierfahrer der Löschenröder Brauerei, kaufte um das Jahr 1900 herum das Anwesen mit Gasthof, Landwirtschaft und Wohnhaus in Pilgerzell. Er übergab das Gasthaus später an seinen Sohn Karl und dessen Ehefrau Paula. In den 1960ern wurde das alte Gasthaus abgerissen und das heutige gebaut. Am 1. Juni 1977 übernahm schließlich die dritte Generation: Ferdinands Enkel Reinhold Weber und seine Frau Gertrud.

Mit Herzblut und Spaß an der Arbeit

„Wir waren damals blutjung. Reinhold war 24, ich 22 Jahre alt“, erinnert sich Gertrud Weber. Einfach sei die Anfangszeit nicht gewesen: „In den 70er-Jahren war nicht viel los. Es war damals nicht üblich, dass die Leute auswärts essen gehen“, sagt sie. Ein weiteres Problem: Das Gasthaus liegt an keiner Durchgangsstraße, sondern in einer Sackgasse. Dass jemand in der Straße „Am Born“ zufällig vorbeifuhr und die Wirtschaft entdeckte, das kam eher selten vor.

Und dennoch: Gertrud und Reinhold Weber haben sich eine Stammkundschaft erarbeitet, viele Vereine kehrten in ihrem Gasthaus ein. Das liegt wahrscheinlich auch an der guten Hausmannskost, die das Ehepaar serviert hat. Beim gelernten Metzger Reinhold kam es schon mal vor, dass die frisch geschlachtete Ware auf den Tisch kam. Die Tiere dafür hatte die Familie selbst gehalten. Landwirtschaft, dazu Arbeit im Gasthaus abends und am Wochenende: „Zu tun hatten wir immer genug“, sagt Reinhold. Gertrud fügt an: „Wir waren mit Herzblut dabei und hatten stets Spaß an der Arbeit.“

Nach 42 Jahren ist nun Schluss

Dass sie Freude bereitet hat, liegt auch daran, dass das Gasthaus ein waschechter Familienbetrieb war: Neben Gertrud und Reinhold haben auch ihre Kinder und Enkelkinder mitangepackt und sind eingesprungen, wenn in der Gaststube viel los war. Nach 42 Jahren ist nun aber Schluss. Einerseits, da die Webers im Rentenalter sind, andererseits aus gesundheitlichen Gründen. Einen Nachfolger gibt es nicht.

Das Lokal nach so langer Zeit endgültig abzuschließen, das fällt Gertrud Weber schwer: „Wir haben hier so viel erlebt. Der Gastraum ist wie unser Wohnzimmer gewesen. Wir haben quasi jeden unserer Gäste gekannt.“ Reinhold ergänzt mit einem Lachen: „Wenn ich hinterm Tresen stand, habe ich keine Zeitung gebraucht. Die neuesten Nachrichten aus dem Ort – Schwangerschaften, Scheidungen, Unfälle – habe ich an der Theke mitbekommen.“ Das Ehepaar ist sich sicher: „Wir werden unsere Gäste vermissen.“

Einigung bei Pilgerzeller Projekt: Vier Doppelhäuser akzeptabel

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies Das Fuldaer Unternehmen Manns Bau hatte in der Bonifatiusstraße zusammenhängende, insgesamt gut 3000 Quadratmeter große Grundstücke erworben, um dort Wohnhäuser zu errichten. Auf Antrag der CDU beauftragte die Gemeindevertretung die Gemeindeverwaltung, den Bebauungsplan so zu ändern, dass nur „eine ortsübliche, dörfliche Bebauung" erfolgen kann.

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